Urheberrecht

Landesmedienanstalten stellen ALM Programmbericht 2008 vor

Im deutschen Fernsehen kristallisieren sich drei Tendenzen heraus: Die Profilierung der konkurrierenden Programme auf dem Zuschauermarkt, die nach wie vor stark reduzierte politische Berichterstattung in den privaten Vollprogrammen und das stark anwachsende Angebot an so genanntem „Wissensfernsehen“. Das ist ein Ergebnis des ALM Programmberichts 2008, den die Landesmedienanstalten jetzt vorgelegt haben und der über aktuelle Erkenntnisse der kontinuierlichen Fernsehprogrammforschung der Landesmedienanstalten informiert.

Deutlich wird durch die Analysen, dass sich im Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Fernsehzuschauer keineswegs zwei homogene Programmtypen – das private und das öffentlich-rechtliche Fernsehen – gegenüber stehen. Die Programmkonkurrenz auf dem deutschen Zuschauermarkt ist komplexer. Besonders in der Primetime am Abend haben sich bei den privaten Vollprogrammen drei in ihren Sendungsangeboten ähnliche Programmgruppen entwickelt, in der jeweils ein Programm der beiden großen Senderfamilientypen vertreten ist. RTL und Sat.1, ProSieben und RTL II sowie VOX und kabel eins konkurrieren nicht nur mit der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz, ARD/Das Erste und ZDF, sondern jeweils auch direkt gegeneinander.

Ein besonders stark umkämpftes Konkurrenzfeld ist das „Wissensfernsehen“: Dokumentationen, Reportagen und Magazinbeiträge zu (in der Regel nicht politischen, nicht kontroversen und auch nicht aktuellen) Sachthemen. Zwischen 1998 und 2008 hat sich der Gesamtumfang dieses Programmsegments in den acht erfolgreichsten Fernsehprogrammen im Tagesdurchschnitt von sechseinhalb auf neunzehn Pro-grammstunden fast verdreifacht. Auch hier sind alle Senderfamilien involviert: VOX steht mit ca. sechs Programmstunden pro Tag eindeutig an der Spitze, gefolgt von ZDF und kabel eins (ca. drei Stunden); den vierten Rang nimmt das Erste Programm der ARD mit ca. zwei Stunden ein. Allerdings ist diese Entwicklung nicht mit einer steigenden Bedeutung des „Wissenschaftsfernsehens“ gleichzusetzen. Enorm zugenommen haben stattdessen Fernsehbeiträge, in denen die – nicht immer analytische – Alltagsperspektive im Blick auf Gesellschaft und Lebensverhältnisse, Wirtschaft und Arbeitswelt dominiert.

Die kontinuierliche Fernsehprogrammforschung wird von der GöfaK Medienforschung GmbH, Potsdam, unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Jürgen Weiß und Prof. Dr. Joachim Trebbe seit 1998 durchgeführt. Sie enthält jeweils eine Analyse der privaten Fernsehvollprogramme der RTL Group (RTL, RTL II, VOX), der ProSiebenSat.1 Media AG (Sat.1, ProSieben, kabel eins) sowie der beiden öffentlich-rechtlichen Programme ARD/Das Erste und ZDF.

Die Konzeption und die Methode der ALM-Studie wurden inzwischen in Parallelerhebungen in Österreich (RTR) und in der Schweiz (BAKOM) übernommen. Erste Ergebnisse der Schweizer Pilotstudie werden ebenfalls im ALM Programmbericht 2008 veröffentlicht.

Der ALM Programmbericht 2008 präsentiert außerdem Zusammenfassungen der Ergebnisse von vier Einzelstudien der Landesmedienanstalten: Analysen zur Platzierung von Werbung und Public Relations im redaktionellen Fernsehprogramm, zum Regional- und Lokalfernsehen in Ostdeutschland, zu den Nachrichtenfaktoren von Fernsehnachrichten und zur Internetnutzung von Journalisten. Abgerundet wird der Forschungsteil durch eine ausführliche Bibliographie zur aktuellen Fernsehprogrammforschung in Deutschland.

In der Rubrik „Streitpunkte – Standpunkte“ wird über das Thema „Fernsehen als Lebenshilfe“ diskutiert. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die derzeit besonders erfolgreichen Coaching-Formate, aber auch die klassischen Formen des Ratgeberfernsehens.

Bibliografischer Hinweis:

Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten in der Bundesrepublik Deutschland – ALM (Hrsg.): Fernsehen in Deutschland 2008. Programmforschung und Programmdiskurs. Berlin: VISTAS 2009 (19,– €).

(Quelle: Pressemitteilung der ALM vom 26.03.2009; Nr. 04/2009)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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