Urheberrecht

Künstler verkauft fremde Instagram Fotos – Ist das Kunst oder eine Urheberrechtsverletzung?

Der US-amerikanische Künstler Richard Prince hat sich bei Instagram umgeschaut, ein paar Bilder im Großformat ausgedruckt und die Drucke mit fiktiven Kommentaren versehen. Fertig waren die Kunstwerke, die jeweils für die stolze Summe von 90.000 Dollar auf der Frieze Art Fair in New York verkauft wurden. Über Kunst lässt sich ja bekanntlich streiten, doch handelt es sich bei der Drucken tatsächlich um Kunst?

Ausgedruckt Instagram Bilder als „Appropriation Art“

Der Künstler zählt zu einer Gruppe von Künstlern, die in den 80 er Jahren mit der sogenannten Aneignungskunst, der „Appropriation Art“ bekannt wurden. Die Kunst besteht darin bereits bestehende Werke so zu kopieren, dass diese möglichst genau in Format, Technik, Motiv und Stil dem Original ähneln. Die Kopie selbst ist hier die Kunst. Die Künstler wollen auf diese Weise eine Kritik am Werk selbst oder an der Gesellschaft ausdrücken. Wo soll da der Unterschied zum Plagiat bestehen, mögen sich viele Interessierte fragen. Nun, nach deutschem Urheberrecht ist diese Form der Kunst tatsächlich problematisch.

Wann ist die freie Benutzung eines Werkes erlaubt?

Das Urheberrechtsgesetz erlaubt in §24 des Urhebergesetzes die freie Benutzung eines Werkes nur zur Schaffung eines neuen, selbstständigen Werkes. Die bloße Bearbeitung eines Werkes bedarf der Zustimmung des Urhebers (Vgl. §23 UrhG). Es kommt also entscheidend darauf an, ob am Ende ein neues selbstständiges Werk entstanden ist. Eine starke Anlehnung an das Original, geschweige denn eine Kopie, ist nach deutschem Recht ohne Zustimmung des Urhebers rechtswidrig. Hier würde der Erlös für die verkauften Drucke vermutlich direkt für die Beauftragung eines Anwalts genutzt werden müssen.

Die „Fair Use“ Doktrin

In den USA sind die Gesetze zum Urheberrecht weniger streng. Dort existiert die Doktrin des „Fair Use“, auf Deutsch übersetzt etwa, „Angemessene Verwendung“. Auf diese Doktrin beruft sich auch Richard Prince. Sie besagt, dass die Verwendung von urheberrechtlich geschütztem Material ohne Zustimmung des Urhebers erlaubt ist, solange dies zum Zwecke der Bildung, der kritischen Auseinandersetzung, der Berichterstattung oder der Wissenschaft geschieht. Aus seiner Sicht setzt er sich mit der von ihm hinzugefügten fiktiven Kommentierung der Instagram Drucke kritisch mit dem Werk auseinander. Durch die Kopie kritisiert er das Werk und die Gesellschaft, er parodiert sie gewissermaßen, sodass aus seiner Sicht – so der klassische Ansatz der Appropriation Künstler – ein eigenständiges Werk entstanden ist.

Ob die Übernahme eines Kunstwerks tatsächlich unter diese Doktrin fällt, richtet sich nach folgenden vier Kriterien:

  • Zweck und Art der Verwendung (gewerbsmäßig oder nicht; umgestaltende Nutzung oder nicht (sog. transformative use))
  • Art des urheberrechtlich geschützten Werks
  • Umfang und Bedeutung des verwendeten Auszugs im Verhältnis zum ganzen Werk
  • Auswirkung der Verwendung auf den Wert und die Verwertung des geschützten Werks

Es darf bezweifelt werden, ob völlig sinnbefreite Kommentierungen unter den Drucken ausreichen, um das Vorliegen eines eigenständigen Kunstwerkes zu bejahen. Doch solange sich die Betroffenen nicht wehren, wird eine gerichtliche Entscheidung darüber ausbleiben. (JEB)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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