Urheberrecht

Kein Extrageld für Captain Sparrows Stimme

Im Prozess des Kamermanns Jost Vacano, den er u. a. gegen die Bavaria und den WDR führt, konnte noch keine Entscheidung getroffen werden. Jost war damals Kameramann bei Wolfgang Petersens „Das Boot“ und fordert in seiner Klage eine Nachvergütung von 450.000€ für erfolgte TV-Ausstrahlungen. Er habe damals zu wenig Geld erhalten, zudem solle sein schöpferischer Anteil an dem Film anerkannt werden, so die Begründung.

Auch der Synchronschauspieler Marcus Off wollte eine Nachvergütung für seine Arbeit an Disney’s „Fluch der Karibik“. Off sprach die Rolle des Captain Jack Sparrow, gespielt von Johnny Depp, in den ersten drei Teilen der Blockbuster-Reihe. Für seinen künstlerischen Beitrag forderte er eine Nachvergütung von 180.000 Euro und ist seit 2008 im Rechtsstreit mit der deutschen Niederlassung des Hollywood-Studios Disney.

Das Kammergericht Berlin hat nun seine Klage abgelehnt. In der Begründung des Gerichts heißt es wörtlich:

1. Dem Synchronsprecher eines Darstellers in einem Filmwerk, der für die umfassende Einräumung von Nutzungsrechten an seiner Sprachleistung eine für sich genommen übliche und angemessene Pauschalvergütung erhalten hat, steht ein Nachvergütungsanspruch gemäß § 32a Abs.2, Abs.1 UrhG nicht zu, wenn sein Beitrag für das Gesamtwerk nur von untergeordneter Bedeutung ist.

2. Der Synchronisation eines Hauptdarstellers ist im Verhältnis zum gesamten Filmwerk nur untergeordnete Bedeutung beizumessen, wenn es sich um einen aufwändig unter Einsatz technischer Effekte, Kulissen und Kostümen gestalteten Film handelt, in dem weitere Haupt- und zahlreiche Nebendarsteller sowie Komparsen mitwirken und über längere Sequenzen hinweg der betreffende Hauptdarsteller nur mit wenigen sprachlichen Beiträgen in Erscheinung tritt.

Zumal habe er „[…] lediglich an 12 Tagen an der deutschsprachigen Fassung mitgewirkt und damit nur einen untergeordneten Beitrag zur Trilogie geleistet […], an der – wie erstinstanzlich vorgetragen – über einen mehrjährigen Zeitraum mehr als 4.000 Personen beteiligt gewesen seien“, so die Begründung weiter.

Auch sah das Gericht seine Entlohnung als angemessen an:

„Das Landgericht habe ferner keine Tatsachen festgestellt, die Anhaltspunkte für ein auffälliges Missverhältnis zwischen der Vergütung des Klägers und den Erträgen der Beklagten begründeten. Die Filme seien mit durchschnittlich 6,239 Mio. Zuschauern 5,6 mal so erfolgreich wie der Durchschnitt der insgesamt 67 von ihr synchronisierten Filme mit 1,125 Mio. Zuschauern in Kinos in Deutschland gewesen. Deshalb habe der Kläger für die Folgen II und III im Hinblick auf deren erwarteten ähnlichen Erfolg eine gegenüber der branchenüblichen Gage um den Faktor 4 erhöhte Pauschale erhalten. Der „Übererfolg“ liege also nur ca. 28% über dem Erhöhungsfaktor seines Honorars“, so ein weiterer Punkt der Urteilsbegründung.

Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung ist Marcus Off bereit, die Klage bis zum Bundesgerichtshof (BGH) zu tragen.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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