Urheberrecht

Huffington Post – Autoren wird es nicht leicht gemacht!

Die deutsche Huffington Post geht online und hat bereits ihre Autoren gefunden. Egal ob Mehr- oder Minderprominent oder vollkommen unbekannt – Alle haben eines gemeinsam: Sie verdienen kein Geld damit. Die Ursache hierfür liegt in den Nutzungsbedingungen der Online – Zeitung:

 

 Huffington Post - Autoren wird es nicht leicht gemacht!©-ferkelraggae-Fotolia-Fotolia_31081868_XS

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„Sie bestätigen, dass Sie kein Recht auf Vergütung, Entlohnung oder andere Vorteile in Bezug auf die von Ihnen veröffentlichten Inhalte haben und dies auch nicht erwarten. Die Gegenleistung, die Sie für das Einsenden von Inhalten an unsere Webseite erhalten, ist die Werbung, die Ihre Inhalte dabei und durch unsere weitere, gemäß Klausel 3 dieser Bedingungen lizenzierte Nutzung erhalten.“

Aus diesen geht darüber hinaus hervor, dass die Nichtbezahlung das Unternehmen nicht von einer – wie auch bei zahlenden Arbeitgebern üblichen- Rechtlosstellung der Autoren durch geschickte Vertragsgestaltungen abhält. Die eingestellten Werke der Autoren gehören für den Fall, dass nicht vorher andere Rechte eingeräumt waren, der „Huffpo„. Auch wenn der Wortlaut der Regelungen nicht von einem exklusiven Nutzungsrecht des Unternehmens an den Werken der Autoren spricht, läuft es auf ein solches hinaus. Der Autor eines eingestellten Werkes kann nämlich ohne das Einverständnis der Onlinezeitschrift – wenn nicht die Bedingungen geändert oder präzisiert werden – eben diese nicht mehr nutzen:

„Soweit nicht ausdrücklich genehmigt dürfen Sie keinen Teil unserer Webseite und keinen ihrer Inhalte kopieren, reproduzieren, verbreiten, veröffentlichen, in eine Datenbank eingeben, anzeigen, ausführen, ändern, Derivate davon erstellen, übermitteln oder in irgendeiner Art und Weise nutzen (…)“

Und damit noch nicht genug. Abgesehen von der Tatsache, dass Autoren, die ihre Beiträge kostenlos einstellen, diese nicht anderweitig verwenden dürfen oder wenn überhaupt, darum betteln müssen, bleiben die Rechte der Onlinezeitschrift nicht auf die Internetseite beschränkt, sondern gelten im Prinzip unbegrenzt. Und das sogar bis zu 70 Jahre nach dem Tod (Dauer der gesetzlichen Schutzfrist) des Autors. Dies wird so gehandhabt, um den Angehörigen ihrer  Idee, im Todesfall Geld zu fordern, etwas entgegenhalten zu können:

„Wenn Sie Inhalte auf unsere Website übertragen bzw. auf dieser veröffentlichen (ungeachtet der Form oder des Trägermediums der Inhalte wie Texte, Videos, Fotos, Audiomaterial oder Sonstiges), gewähren Sie uns und der AOL EUROPE HOLDINGS (2) MEDIA & CIE S.E.N.C (Luxemburg) das übertragbare und (mit Ausnahme der Rechte gemäß § 42 des deutschen Urheberrechtsgesetzes (UrhG)) unwiderrufliche Recht, weltweit und für die gesetzliche Dauer des Rechtsschutzes von geistigem Eigentum, mit dem Recht zur Unterlizenzvergabe für die erwähnten Rechte:

• Inhalte zu kopieren, mit allen bekannten und künftig entwickelten Mitteln und in allen Formen, wie beispielsweise Papier, elektronisch, magnetisch, optisch oder digital, auf Servern, Audio-/visuelle Aufnahmen, TV-Übertragungen, Disketten, R.A.M., R.O.M., CD, DVD, Festplatten, Magnetbändern usw. und

• Inhalte im Einklang mit Ihrem Urheberpersönlichkeitsrecht zu verändern oder adaptieren (z. B. zusammenzufassen, zu kürzen, zu übersetzen etc.) sowie davon abgeleitete Werke zu erstellen, und

• Inhalte auf unserer Website und in anderen Publikationen unter der Marke „Huffington Post“ sowie auf Websites von Drittparteien zu zeigen und zu veröffentlichen, mit denen wir gemeinsam Inhalte unterstützen, verteilen, ausschöpfen oder syndizieren (entweder in der veröffentlichten Form oder abgeleitet oder verändert, unabhängig davon, ob der Beitrag mit anderen Arbeiten ähnlicher Art verknüpft ist oder nicht, vollständig oder in Auszügen), und zwar mit allen bekannten oder unbekannten Verbreitungs- oder Übertragungsmedien, unabhängig ob per Satellit oder Kabel oder per elektronischer Kommunikation, insbesondere Internet, und die Inhalte auf Servern, elektronischen und digitalen Medien, Audio-/visuellen Aufzeichnungen zu speichern, sowie für Live-Streaming und TV-Übertragungen zu nutzen, und

• die Inhalte zur Förderung unserer Publikationen bzw. Ihrer Inhalte in unseren Publikationen zu nutzen, so dass die Inhalte oder die Förderung der Inhalte von Kunden gesehen werden können.“

Die größte Gefahr für die Autoren ergibt sich jedoch aus den vertraglichen Regelungen über die Haftung. Denn anstatt die Risiken für die gratis – Publikationen selbst zu tragen oder sich entsprechend zu versichern, weist die „Huffpo„ in ihren Nutzungsbedingungen die volle Haftung samt Rechtsverteidigungskosten den Autoren zu:

„Sie tragen die alleinige Verantwortung für jeglichen Schaden, der uns entsteht, falls Sie schuldhaft gegen unsere allgemeinen Geschäftsbedingungen verstoßen oder Ihre Zusicherungen und Garantien schuldhaft nicht einhalten: Sie erklären Sich damit einverstanden, uns und unsere verbundenen Unternehmen sowie deren Mitarbeiter, Direktoren, Führungskräfte, Geschäftsführer, Angestellte, Aktionäre, Vertreter und Lizenzgeber von allen Verlusten, Auslagen, Schadenersatzansprüchen und Kosten einschließlich angemessener Anwaltskosten freizustellen und schadlos zu halten, die sich aufgrund Ihres schuldhaften Verstoßes gegen unsere allgemeinen Geschäftsbedingungen oder gegen Ihre Zusicherungen und Garantien ergeben. “

Es ist nicht ersichtlich, warum die unbezahlten Autoren der „Huffpo„ in all diesen Fällen in vollem Umfang für jegliche Eventualitäten geradestehen sollten. Diese unfairen Vertragsbedingungen sind letztlich auch nicht damit zu rechtfertigen, dass es bei anderen Branchenmitgliedern ähnlich aussieht. Im Gegenteil ist es sogar sehr wichtig, durch öffentliche Kritik auf Missstände dieser Art aufmerksam zu machen.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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RSSKommentare (1)

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  1. Flu sagt:

    Also wer dort irgendwelche Inhalte bereitstellt ist selber dran Schuld und darf sich danach auch nicht über diese Ausbeutung beschweren. Trotzdem wird sich größtenteils kaum jemand daran halten und die meisten werden sich dieser Knechtschaft wieder brav unterwerfen. So wird man aber nie etwas ändern.

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