Urheberrecht

GSDZ: Adressierbarkeit für Set-Top-Boxen / TV muss kommen

Die Gemeinsame Stelle Digitaler Zugang der Landesmedienanstalten (GSDZ) hält die Adressierbarkeit für eines der Top-Themen, wenn es darum geht, Fernsehen in Deutschland zukunftsfähig zu machen. Adressierbarkeit bedeutet, dass das Empfangsgerät (Set-Top-Box oder TV mit integriertem Digitalempfänger) über eine bestimmte Kennung (Adresse) verfügt, vergleichbar der aus dem Internet bekannten IP-Adresse. Sie ist Grundvoraussetzung für ein Rechtemanagement, mit dem bestimmte Angebote nur für freigeschaltete Nutzer zugänglich gemacht werden. Das können im klassischen Sinne Pay-TV-Kanäle sein, aber auch Einzelangebote. Adressierbare Endgeräte machen nicht zwangsläufig eine sogenannte Grundverschlüsselung aller Programme erforderlich, Free-TV ist auch weiterhin möglich.

In ihrem Digitalisierungsbericht 2006 weist die GSDZ darauf hin, dass immer weitere Übertragungswege neue Chancen und auch mehr Wettbewerb böten, für die Veranstalter aber auch einen erhöhten Aufwand bedeuteten. „Das Beharren auf dem Status quo wird nicht möglich sein. Die Vielfalt der Übertragungswege, der TV-Programme und die neuen Sparten-Kanäle werden sich auf Dauer nur finanzieren lassen, wenn neue Geschäftsmodelle realisiert werden können“, so Dr. Hans Hege, Vorsitzender der GSDZ und Direktor der Medienanstalt Berlin-Brandenburg. Wer also Vielfalt und neue Entwicklungen wolle, müsse auch die Einführung adressierbarer Endgeräte unterstützen.

Bislang stünden vor allem die öffentlich-rechtlichen Veranstalter der Adressierbarkeit, die technisch mit einer Verschlüsselung einhergeht, skeptisch gegenüber. Hege betont jedoch, dass Verschlüsselung nicht gleichgesetzt werden dürfe mit Pay-TV oder den Versuchen von Pay-TV light, wie sie von ProSiebenSat.1 und der RTL-Gruppe verfolgt würden.

Eindringlich appelliert der Vorsitzende der GSDZ, Dr. Hans Hege, an Programmveranstalter und Infrastrukturbetreiber, die Einführung adressierbarer Geräte und die Verschlüsselung mit einem deutlichen Mehrwert für die Zuschauer zu unterstützen. „Bisherige Free-Angebote mittels Grundverschlüsselung kostenpflichtig zu machen, wird wohl kein Zuschauer als Bereicherung empfinden“, so Hege. Neue Programmangebote, Interaktivität und neue Zusatzdienste könnten dagegen einen attraktiven Mehrwert darstellen. Ein Basisangebot frei empfangbarer Programme – öffentlich-rechtlicher wie privater – ist trotzdem möglich, wie ein Blick ins Ausland zeigt. Der Digitalisierungsbericht 2006 verweist darauf, dass in den meisten Ländern ein Grundangebot mit den wichtigsten Programmen zumindest über einen Übertragungsweg frei verfügbar ist. In Deutschland könnte das etwa über DVB-T sicher gestellt werden.

Die GSDZ fordert Infrastrukturbetreiber und Veranstalter auf, die Digitalisierung und die Einführung adressierbarer Empfänger durch nutzerfreundliche Endgeräte zu unterstützen. Ein offener Endgerätemarkt werde zur Akzeptanz erheblich beitragen. Ziel müsse es sein, dass der Zuschauer mit einem Endgerät alle von ihm abonnierten Angebote nutzen kann und nicht verschiedene Boxen anschließen muss.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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