Urheberrecht

Gemeinfreie Werke unterliegen nicht dem Lichtbildschutz

Das Amtsgericht Münster entschied in einem aktuellen Urteil, dass gemeinfreie Werke nicht dem Lichtbildschutz unterliegen (AG Nürnberg, Urteil vom 28.10.2015- Az.: 32 C 4607/15). Für viele Künstler stellt sich die Frage, wie sie Ihre Kunstwerke vor dem unbefugten Zugriff Dritter bestmöglich schützen können. Einen hinreichenden Schutz bietet in dieser Situation, das Kunstwerk urheberrechtlich schützen zu lassen. Dieser Schutz gilt jedoch nicht ewig.

Gemeinfreie Werke unterliegen nicht dem Lichtbildschutz ©-Thomas-Jansa-Fotolia

Gemeinfreie Werke unterliegen nicht dem Lichtbildschutz ©-Thomas-Jansa-Fotolia

Die Schutzfristen sind je nach Kunstwerk gesetzlich festgelegt

Die Schutzfristen können ihrer Länge nach variieren. Die Dauer der Schutzfrist hängt von der Art des Kunstwerkes ab. Bei Gemälden beispielsweise beträgt die Schutzfrist 70 Jahre. Nach Ablauf der Schutzfrist wird das Kunstwerk zu einem gemeinfreien Werk. Unter gemeinfreien Werken versteht man alle geistigen Schöpfungen an denen kein Urheberrecht besteht. Ab diesem Zeitpunkt darf das Kunstwerk von jedem fotografiert werden. Für Eigentümer von Kunstwerken wie beispielsweise Museen, sind gemeinfreie Werke in der Regel mit Einnahmeeinbußen verbunden. Oftmals verbieten die Museen den Besuchern die Kunstwerke abzulichten und berufen sich auf den Urheberrechtsschutz. Hinter diesem Vorgehen steckt jedoch vielmehr das Interesse die Kunstwerke selbst abzulichten um sie dann in Hochglanzkatalogen kostenpflichtig anzubieten. Auf diese Art und Weise steigern die Museen ihre Einnahmen beträchtlich, da die Kataloge zu hohen Preisen angeboten werden. Diese Vorgehensweise ist jedoch bei gemeinfreien Werken unzulässig.

Fotografen dürfen lizenzierte Fotos von gemeinfreien Werken verwenden

Die Entscheidung des Amtsgerichts Nürnberg wurde erforderlich, weil ein Museum ein Foto eines gemeinfreien Werkes in ihrem Hochglanzkatalog abgelichtete und lizenziert bei Wikipedia einstellte. Dieses Foto verwendete ein Fotograf für seinen Artikel ohne vorherige Rücksprache mit dem Museum. Nachdem das Museum von der Veröffentlichung des Fotos in dem Artikel des Fotografen Kenntnis erlangt hatte, untersagte sie ihm die weitere Verwendung des Fotos.

An gemeinfreien Werken darf nicht über Umwege ein Urheberrecht etabliert werden

Das Amtsgericht Münster gab dem Fotografen jedoch Recht und beschrieb das Vorgehen des Museums für unzulässig. Für das Museum bestehe kein schutzwürdiges Interesse, da sie durch ihr Verhalten versuchen würden an einem gemeinfreien Werk ein eigenes Urheberrecht zu etablieren. Hierzu sind sie jedoch nicht befugt. Dies widerspreche der Gesetzgebung und sei daher rechtswidrig. Die hierfür erforderliche Monopolstellung obliege dem Gesetzgeber und dürfe unter keinen Umständen unterlaufen werden. (NuK)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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RSSKommentare (1)

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  1. Tinkerbrüll sagt:

    Verstehe ich nicht. Das würde ja nun z.B. auch bedeuten, daß man Produktfotos auf Ebay von anderen Händlern und damit Fotografen auch einfach für das eigene Angebot verwenden kann. Denn jedes Produkt ist doch am Ende auch ein „gemeinfreies Werk“, oder nicht? Zumindest könnte man es ja auch so auslegen. Da kann das Produktfoto noch so schön hergerichtet sein, aber an dem Produkt selber hat ja niemand ein Urheberrecht. Und wenn man es mal nach diesem Urteil hier auslegt, dürfte damit auch niemand an einem Produktfoto ein Urhebrrecht herstellen können.
    Eine Antwort dazu wäre mal ziemlich hilfreich.

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