Urheberrecht

EU-Urheberrecht: Bibliotheksverband kritisiert Richtlinienentwurf

Der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) hat zum Entwurf der Europäische Kommission zur Anpassung des europäischen Urheberrechts an die aktuellen Erfordernisse des Digitalen Binnenmarktes Stellung genommen.

Generell begrüße man die Überarbeitung des Urheberrechtes in Europa, heißt es in der Pressemeldung des Deutschen Bibliotheksverbands. Einzelne Vorschläge seien wichtige Verbesserungen. Dazu gehören die besseren Möglichkeiten zur digitalen Langzeitarchivierung und die EU-weite gesetzliche Verankerung von vergriffenen Werken. Darüber hinaus begrüße man die vorgesehenen Erleichterungen für blinde und sehbehinderte Menschen.

 „Plim-Plim“ Klingelton ist keine geschützte EU-Hörmarke © benqook - Fotolia

EU-Urheberrecht: Richtlinienentwurf in der Kritik  © benqook – Fotolia

EU-Urheberrecht: Gute Ansätze – falsch ausgestaltet

Jedoch seien bei zwei wichtigen Themen die richtigen Ansätze im Detail so ausgestaltet, dass sie am Ende faktisch unbrauchbar sein könnten, heißt es in der Meldung weiter.

Text und Data Mining

Beim ‚Text und Data Mining‘ sehe man ein größeres Problem für die Umsetzung in die Praxis. Mit diesem Verfahren durchsuchen und analysieren Wissenschaftler automatisiert sehr große Textmengen. Demnach sollen Forscher künftig das Recht erhalten, alle Texte zu denen sie legalen Zugang haben, auf diese Weise zu erforschen. Allerdings dürfen die Verlage, denen die Texte gehören, die Forschung verbieten, wenn sie die Sicherheit ihrer Server gefährden würde. „So könnte die Nutzung dieser Regelung schnell durch unüberprüfbare Behauptungen torpediert werden“, erläutert Armin Talke, der Vorsitzende der Rechtskommission des Verbands.

Lehre online

Auch die Vorschläge für die Lehre seien fragwürdig. Generell soll für den Unterricht an deutschen Hochschulen online auch vollständige Werke genutzt werden können. Allerdings habe jeder Verlag das Recht, durch einseitige Lizenzangebote die Verwendung in Lern- oder Forschergruppen zu verbieten. „Hier gibt es ernsthaft die Gefahr, dass problematische Regelungen, die in Deutschland leider schon gemacht wurden, auf weitere EU-Staaten ausgeweitet werden. In Deutschland entscheiden sich im Moment reihenweise Hochschulen dagegen, die entsprechende Norm überhaupt anzuwenden, weil sie nicht wissen, wie sie praktisch sicherstellen sollen, ob es nicht bei irgendeinem Anbieter passende Lizenzangebote gibt. Eine solche nicht praktikable Regelung ist sicher kein Vorbild für andere EU-Staaten“, erläutert Armin Talke.

Darüber hinaus wünsche man sich eine Regelung der grenzüberschreitenden Fernleihe. Auch eine Regelung zur Ausleihe von E-Books wäre wünschenswert, heißt es in der Meldung weiter. (COH)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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