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EU-Rat nimmt Richtlinie zu verwaisten Werke an

Der EU-Rat hat die kürzlich vom EU-Parlament verabschiedete Richtlinie über die zulässige Nutzung verwaister Werken angenommen. 

Demnach sollen künftig verwaiste Werke wie Bücher, Zeitschriften, Audioaufnahmen, Filme etc, bei denen der Urheber nicht mehr auffindbar oder identifizierbar ist, nicht-kommerziell genutzt werden dürfen. Vor allem im Bereich der Digitalisierung soll die neue Richtlinie den Umgang mit diesen Werken erleichtern (PE-CO S 36/12).

Auch der gesetzmäßige, grenzübergreifende Zugang zu verwaisten, aber bereits digitalisierten, Werken in Bibliotheken, Museen, Archiven oder anderen Institutionen des audiovisuellen Erbes werde damit geregelt, so die Meldung des EU-Rats. Somit können diese Einrichtungen ihrem Bildungsauftrag und dem öffentlichen Interesse nachkommen, ohne dabei Gefahr zu laufen, das Urheberrecht zu verletzen. Zudem werde damit ein großer Schritt in der Realisierung und Entwicklung digitaler Bibliotheken, wie z. B. das Projekt Europeana2, das das kulturelle Erbe Europas erhalten soll, getan.

Die Richtlinie gilt für Werke, die ihre erste Veröffentlichung oder Ausstrahlung in einem Mitgliedstaat der EU hatten. Als verwaist gelten die Werke, wenn zuvor eine sorgfältige Suche nach den Rechteinhabern ergebnislos blieb, so die Meldung weiter.

Sollte ein Mitgliedstaat ein Werk als verwaist katalogisieren, wird dieser Status auch in allen anderen EU-Staaten gültig sein. Eine öffentlich zugängliche Datenbank soll alle Informationen zu den verwaisten Werken enthalten, inklusive der Ergebnisse der Suche nach den Rechteinhabern. Sollte ein Rechteinhaber jedoch wieder auftauchen, sehe die Richtlinie eine Abfindung vor, die von den jeweiligen Staaten – unter Berücksichtung der Tatsache, dass es sich bis zu diesem Zeitpunkt um eine non-kommerzielle Nutzung durch die jeweiligen Institutionen handelte – festgesetzt werde.

Innerhalb der nächsten zwei Jahre müssen nun die EU-Mitgliedstaaten die neue Regelung in die nationale Gesetzgebung zu integrieren, so die Meldung des EU-Rates.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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