Urheberrecht

Der Buzzfeed-Klon „upcoming.de“ ist online – es herrscht Abmahngefahr, wie RA Christian Solmecke erklärt

Gestern wurde das vermeintlich deutsche Pendant zum amerikanischen Buzzfeed „upcoming.de“ gelauncht. Buzzfeed ist in den USA ein erfolgreicher Medien-Aggregator der Inhalte, vorzugsweise in Form von Fotos und animierten Bildern (sog. GIF´s), sammelt und für die Leser nach Kategorien sortiert aufbereitet. Er avancierte dort bereits zu einem echten Nachrichtenmedium. Die Inhalte der deutschen Seite bestehen noch zum überwiegenden Teil aus lustigen Bildern, die mit spärlichen Überschriften versehen sind und einen mehr oder weniger aktuellen Bezug aufweisen.

„upcoming.de“ besteht zum größten Teil aus Bildmaterial

Das Bildmaterial für „upcoming.de“ wird sowohl von den eigenen Mitarbeitern als auch von den Usern selbst eingestellt. Darin sieht der IT-Recht Experte und Rechtsanwalt Christian Solmecke die größte Gefahr aus rechtlicher Sicht: „Rechtlich gesehen ist das Projekt nicht ganz unbedenklich. In Deutschland herrschen strikte Regeln in Bezug auf die Bildrechte der Urheber und das Persönlichkeitsrecht der abgebildeten Personen.“

Bildrechte der Urheber

Der Fotograf hat als Urheber das Recht darüber zu bestimmen, ob sein Bild öffentlich zugänglich gemacht wird oder nicht. Werden Bilder ohne seine Einwilligung veröffentlicht, droht eine Abmahnung und gegebenenfalls die Zahlung von Schadensersatz. Die bloße Nennung des Fotografen als Quelle schütze im Übrigen, entgegen des weit verbreiteten Irrglaubens, nicht vor einer Abmahnung, wie RA Christian Solmecke betont.

Recht am eigenen Bild

Neben Urheberrechtsverletzungen gehören Verletzungen des Rechts am eigenen Bild wohl zu den häufigsten Rechtsverstößen in sozialen Netzen. Das schnelle und einfache Hochladen von Fotos und Videos verleitet dazu, Bilder, auf denen Freunde oder gar Fremde abgebildet sind, öffentlich zugänglich zu machen.

RA Christian Solmecke erklärt: „Der Abgebildete muss grundsätzlich keine Veröffentlichung seines eigenen Bildnisses ohne seine Einwilligung dulden. Es gibt jedoch Ausnahmen. Ist der Abgebildete nicht eindeutig erkennbar, ist eine Einwilligung entbehrlich. Entbehrlich ist die Einwilligung auch, wenn das Bild eine Versammlung zeigt und keine berechtigten Interessen des Abgebildeten der Veröffentlichung entgegenstehen. Regelmäßig wird sich die Erkennbarkeit einer Person aus den Gesichtszügen oder sonstigen charakteristischen Besonderheiten ergeben. Allerdings können auch äußere Umstände der Bildnisveröffentlichung, wie zum Beispiel eine Bildunterschrift, zu einer Erkennbarkeit führen. Daher wird man auch dann eine Erkennbarkeit annehmen müssen, wenn die Person nur von hinten zu sehen ist, sie aber in dem Foto bzw. Video markiert oder das Bild identifizierend betitelt wurde. Diese Ausnahmen werden bei „upcoming.de“ ohnehin kaum greifen, denn auf dieser Seite geht es gerade darum besonders auffällige, lustige Bilder von Personen zu veröffentlichen. Daher besteht hier eine hohe Abmahngefahr. Diese ergibt sich nicht zuletzt auch aus der Tatsache, dass die hochgeladenen Bilder öffentlich zugänglich sind. Private Einstellungen, wie es sie bei sozialen Netzwerken gibt, sind hier nicht vorhanden.

Die Einwilligung zur Veröffentlichung des eigenen Bildnisses kann ausdrücklich oder stillschweigend erteilt werden. Aber Achtung: Es genügt nicht, wenn der Abgebildete bloß das Anfertigen der Aufnahme duldet, da hierin noch keine Einwilligung zur Veröffentlichung im Internet gesehen werden kann.“

Fazit: Die Nutzung von „upcoming.de“ geht, wie die Nutzung sozialer Netzwerke, nicht ohne rechtliches Risiko einher. Wer sich jedoch bewusst macht, dass vor jeder Veröffentlichung die Einwilligung des Abgebildeten und/oder des Fotografen eingeholt werden muss, kann der Abmahnfalle leicht entgehen.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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