Urheberrecht

„Das Boot“-Urheberrechtsprozess: Kameramann erhält Nachzahlungen

Im Urheberrechtsprozess um den Kultfilm „Das Boot“ hat das LG München dem Kameramann Jost Vacano erhebliche Nachzahlungen zugesprochen.

Das Landgericht München I hat dem Kameramann erhebliche nachträgliche Vergütungen von rund 475.000 EUR zugesprochen, welche Bavaria Film, WDR und EuroVideo zu leisten haben.

© Martin Schumann - Fotolia.com

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Nachzahlungen und künftige Beteiligung

Neben den Nachzahlungen muss Vacano auch künftig mit einem Prozentsatz von 2,25% an den Nettoerlösen (Bruttoeinnahmen abzgl. USt. und eigene Lizenzkosten) der Beklagten beteiligt werden. Für Sendungen durch den mitbeklagten WDR müssen Wiederholungsvergütungen entsprechend dem WDR-Tarifvertrag gezahlt werden. Ansonsten käme es zu einer Ungleichbehandlung zwischen direkt für den Sender tätigen Urhebern und solchen, die über eine zwischengeschaltete Produktionsfirma tätig werden. Insoweit ist auch für den nicht unmittelbar vom Sender beschäftigten Kameramann die Wiederholungsvergütungs-Regelung des WDR die angemessene Beteiligungsgrundlage, heißt es in der Pressemitteilung des Bundesverbandes Kinematografie.

Hintergrund

Vacano hatte für seine Arbeit an dem Kultfilm „Das Boot“ damals lediglich eine Honorarpauschale von 180.000 DM erhalten – andere Crewmitglieder jedoch sind an den Gewinnen beteiligt worden. Allerdings war der überwältigende Erfolg damals nicht abzusehen, u. a. war das „Das Boot“ für sechs Oscars nominiert, darunter auch gab es auch eine Nominierung für die Beste Kamera.

2002 trat ein neues Urheberrecht in Kraft, das den Filmurhebern weiterreichende Rechte gewährt. So sieht der sogenannte „Bestseller-Paragraph“ (§ 32a) eine nachträgliche Beteiligung vor, wenn die Vergütung in einem „auffälligen Missverhältnis“ zu den Erträgen steht. Auf diesen Paragraphen bezog sich Vacano bei seiner Klage gegen die Produktionsfirma Bavaria Film, deren Tochter Euro-Video und den Westdeutsche Rundfunk (WDR). Bislang war er jedoch mit seinen Forderungen vor Gericht immer gescheitert.

Reaktion Berufsverband Kinematografie

Der Geschäftsführer des Berufsverbands, Dr. Michael Neubauer, sagte zu dem Urteil: „Unser Kollege Jost Vacano weiß nach elf Jahren (!) nun, was ihm aus der umfänglichen Nutzung des Filmerfolgs „Das BOOT“ noch zusteht. Das ist zu begrüßen. Unverständlich ist aber, daß man ihm den Anspruch auf Verzinsung nicht gezahlter Beteiligungen an den Erträgen und Vorteilen aus der Werknutzung abspricht. Das lädt Verwerter geradezu ein, Kreative nicht zu beteiligen, da sie – so diese Rechtsauffassung Bestand hat – keinerlei Sanktionen befürchten müssen, wenn sie Geld zurückbehalten, das den Urhebern zusteht. Wenn bei Verweigerung oder Verschleppung später keine Zinszahlung droht, fehlt jeder Anreiz, Urheber von vornherein angemessen zu beteiligen. Insofern stellt dieses Urteil für die Urheberseite auch ein großes Problem dar.“

Gegen das Urteil kann von den Parteien Berufung zum Oberlandesgericht München eingelegt werden. Die Auseinandersetzung muss daher mit diesem Urteil nicht zwangsläufig zu Ende sein. (COH)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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