Urheberrecht

„Das Boot“: Nachhonorierung des Miturhebers?

Der deutsche Kameramann des Welterfolgs „Das Boot“ Jost Vacano macht sich aus finanziellen wie ideellen Gründen um die Klärung spannender urheberrechtlicher Fragen verdient. Seit dem 5. März verhandelt die 7. Zivilkammer des Landgerichts München I seine Klage unter anderem gegen die Bavaria als Filmhersteller. Vacano geht davon aus, dass mit dem Film über die Jahre Erlöse in einer Größenordnung gemacht wurden, die in einem auffälligen Missverhältnis zu seiner damaligen Vergütung stehen.

Er stützt sich dabei auf § 32 a Abs. 1 UrhG, der vorsieht: „Hat der Urheber einem anderen ein Nutzungsrecht zu Bedingungen eingeräumt, die dazu führen, dass die vereinbarte Gegenleistung unter Berücksichtigung der gesamten Beziehungen des Urhebers zu dem anderen in einem auffälligen Missverhältnis zu den Erträgen und Vorteilen aus der Nutzung des Werkes steht, so ist der andere auf Verlangen des Urhebers verpflichtet, in eine Änderung des Vertrages einzuwilligen, durch die dem Urheber eine den Umständen nach weitere angemessene Beteiligung gewährt wird.“

Zu der Vorschrift fehlt es jedoch an einer gefestigten Rechtsprechung. Vielfach sind betroffene Urheber nämlich von den zu erwartenden Verfahrenslängen abgeschreckt. So muss Vacano nun auch erst im Wege einer sog. Stufenklage auf Auskunft über die erzielten Filmerlöse klagen, um dann in einem zweiten Schritt die angemessene Beteiligung geltend zu machen. Viele finden deshalb doch irgendwann zum Verhandlungstisch. Gerade hat sich zum Beispiel die Buchheim-Stiftung wegen deren Teilhabe an der Verwertung der Buchvorlage mit der Bavaria auf einen Vergleich geeinigt.

In einer Frage schien das Gericht bereits am ersten Verhandlungstag die Auffassung Vacanos zu teilen: Für die Berechnung des Missverhältnisses komme es auf die Relation der gezahlten Vergütung zu den Bruttoeinkommen der Produzenten, nicht zum Gewinn an.

Derzeit werden die meisten Miturheber mit einmaligen Buy-out-Honoraren vergütet, also unabhängig vom Erfolg. Die Regelung des § 32 a UrhG sieht nur eine angemessene Teilung der Chancen vor, die Risiken aber müssen die Produzenten alleine tragen. Auf dieser Höhe beruhen auch die derzeitigen Ausgangshonorare. Sollten die vom Urheberrechtsgesetz vorgesehene Beteiligung sich durch die Rechtsprechung in der Praxis durchsetzen, würden diese sicherlich sinken.

Deshalb lohnt sich das Warten auf eine Entscheidung für Beteiligte und Beobachter des Urheberrechts.

Landgericht München I Az.:7 O 17694/08

Quellen:

Sueddeutsche.de

Blickpunkt Film 12/09, Seite 14 f.

PM Landgericht München I

(04.03.2009)

(25.03.2009)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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