Urheberrecht

Aktuell zum Champions League Halbfinale – Sind Fußball Live Streams legal oder illegal?

Deutschland – Spanien 8:1! Nach den berauschenden Hinspiel-Siegen von Borussia Dortmund gegen Real Madrid und der Münchener Bayern gegen den FC Barcelona und fiebert ganz Fußball-Deutschland den Halbfinal-Rückspielen der Champions League entgegen. Wer allerdings nicht für das Pay-TV-Angebot von Sky zahlt, droht die Partie des BVB in Madrid und damit den bevorstehenden Einzug der Borussia in das vielleicht erste, rein deutsche Champions League-Finale zu verpassen. Im Free-TV wird die Begegnung nämlich nicht übertragen.

Viele Fußball-Fans nutzen deshalb Streaming-Angebote im Internet, mit denen sie die Partien der Königklasse live und bequem von zu Hause aus sehen können. Allerdings betreten sie damit einen rechtlichen Graubereich und sollten sich vor Anpfiff fragen: Sind Fußball Live Streams erlaubt oder illegal? Welche Risiken gehe ich ein, wenn ich diese Streams anschaue? Antwort auf die wichtigsten (rechtlichen) Fragen vor der heutigen CL-Partie gibt Rechtsanwalt Christian Solmecke.

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Welche Arten von Fußball Live Streams gibt es?

Im Wesentlichen gibt es drei Möglichkeiten, die Begegnung online anzusehen. Zum einen überträgt  der Schweizer Fernsehsender SF2 die Begegnung und bietet auch einen entsprechenden Live Stream im Internet an. Zwar verwendet der Sender eine sogenannte IP-Geosperre, die Nutzer aus Deutschland anhand ihrer IP-Adresse erkennt und von dem Online-Angebot ausschließt. Findige User setzen aber Dienste wie Cyberghost, OkayFreedom oder Hotspot Shield ein, die über ausländische Proxy-Server oder virtuelle Netzwerke (VPN) auf das Stream-Angebot diesen Mechanismus so leicht austricksen.

Daneben lassen sich sogar die Fußball-Übertragungen des Bezahlsenders Sky kostenlos über das Internet empfangen. Angeboten wird dies oft von ausländischen, z.B. russischen oder chinesischen Plattformen, wobei zu unterscheiden ist: Bei einigen Angeboten empfängt der Nutzer lediglich das Sky-Signal und kann den Stream auf seinem Rechner ansehen.

Andere Dienste, für die meist eine spezielle Software installiert werden muss, funktionieren dagegen so, dass der User das Signal nicht nur empfängt, sondern zugleich auch weiterleitet. Ein solches p2p-Broadcasting ähnelt damit stark der Technologie, die auch bei Filesharing-Netzwerken eingesetzt wird.

Darf man den Live Stream des Schweizer Fernsehens legal nutzen?

Ja. Nach meiner Auffassung begehen Fußball-Fans, die mit Hilfe der beschriebenen Proxy- oder VPN-Diensten dieses Angebot ansehen, weder eine Urheberrechtsverletzung, noch eine strafbare Handlung, sondern handeln legal.

Zum einen fertigen sie von der Sendung nämlich keine Kopie im Sinne des Urheberrechtsgesetzes an (näher dazu unten) und verbreiten das Signal auch nicht an andere Personen weiter. Zum anderen ist das Austricksen der Geosperre nicht als Verstoß gegen das gesetzliche Verbot zu werten, so genannte wirksame technische Schutzmaßnahmen zu umgehen. Strafbar ist dies nämlich nur, wenn die Umgehung nicht ausschließlich zum privaten Gebrauch  stattfindet – genau das trifft aber regelmäßig auf Fußball-Fans zu, die Spiele online zum Vergnügen ansehen. Und auch zivilrechtliche Folgen treten hier nur ein, wenn die  eingesetzten technischen Mittel in der Praxis zumindest einen nennenswerten Schutz bewirken. Angesichts dessen, dass selbst nur wenig mit dem Internet vertraute User durch Proxy- oder VPN-Dienste eingesetzte IP-Geosperren umgehen, kann davon aber überhaupt keine Rede sein.

Zwar sind sich Fachleute bei dieser rechtlichen Frage uneinig und klärende Gerichtsurteile fehlen bislang. Das Risiko für Fußball-Fans, etwa von Abmahnungen, ist aber dennoch äußerst gering. In Praxis ist das Streaming nämlich nur schwer zu verfolgen, weil Rechteinhaber zwei Anfragen – beim ausländischen Proxy-Betreiber und beim deutschen Internet-Provider des Nutzers – stellen müssten.

Sind auch Streams von Sky-Sendungen online legal?

Jein, das heißt es ist nach den verschiedenen Übertragungsarten zu unterscheiden. Bei Live-Streams, die nur passiv empfangen werden, vertrete ich schon lange die Rechtsauffassung, dass der Nutzer sie legal ansehen darf. Auf seinem Rechner entsteht nämlich gar keine unerlaubte Kopie im Sinne des Gesetzes. Zwar werden während des Streamings Teile des Videos in den Arbeitsspeicher (RAM) des Computers geladen. Dies geschieht aber nur flüchtig und zu keinem Zeitpunkt wird die vollständige Video-Datei auf der Festplatte abgelegt. Das Anschauen selbst ist dann überhaupt nicht mehr als urheberrechtliche Nutzung zu werten und deshalb legal. Weil es noch keine Gerichtsentscheidungen dazu gibt, handeln User aber in einer rechtlich unsicheren Grauzone.

Illegal sind aber die beschriebenen p2p-Broadcasting-Dienste wie zum Beispiel Sopcast. Sobald der Nutzer nämlich eine solche Übertragung streamt, leitet er gleichzeitig auch das Sky-Signal weiter und verbreitet damit an andere User urheberrechtlich geschützte Inhalte. Nach dem Gesetz ist das eine Urheberrechtsverletzung, die beispielsweise Abmahnungen und damit hohe Kosten zur Folge haben kann. Selbst strafrechtliche Sanktionen sind hier möglich.

Fazit

Von Broadcasting-Angeboten wie Sopcast & Co. sollte man in jedem Fall die Finger lassen. Reine Live-Streams von Sky-Übertragungen dagegen sind ebenso wie das Umgehen von Geosperren legal. Aufgrund der verbleibenden rechtlichen Unsicherheiten kann es für Fußball-Liebhaber unter Umständen aber dennoch eine Überlegung wert sein, das heutige Spiel nicht zu Hause per Stream, sondern in öffentlichen Lokalen oder Kneipen mit Sky-Abo anzuschauen. Dann lässt sich Champions League gemeinsam mit anderen Fans genießen – und nach 90 Minuten hoffentlich jubeln! Doch auch für Gastronomen, die die Spiele übertragen möchten heißt es Vorsicht.  Im Gegensatz zu privaten Nutzern kommt bei gewerblich Handelnden ein urheberrechtlicher Verstoß durch die öffentliche Wiedergabe in Frage, der dem Verantwortlichen neben einer zivilrechtlichen Schadensersatzforderung in vierstelliger Höhe auch eine strafrechtliche Verfolgung nach §§ 106, 108a UrhG mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren einbringen kann. Mehr Infos dazu hier: Dürfen Gastronomen kostenlose Onlinestreams nutzen?

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (3)

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  1. Fan sagt:

    Sehr geehrter Herr Solmecke,

    ich bin zum Thema Fußball Streams gerade erst jetzt auf die Thematik bzw. Problematik der P2P aufmerksam geworden und habe mich seit langer Zeit dabei erwischt, dass ich die angebotene Technik nicht, wie im Vergleich zum Thema Musik und Film, hinterfragt habe. Sind die bekannten Abmahnkanzleien bzw. die DFL oder die TV-Rechteinhaber bereits auf diese Thema aufmerksam geworden? Oder konzentrieren diese sich (Die Abmahnkanzlein) weiterhin auf die P2P Filesharing Börsen? Eine Thematik, die ja auch bei den Filesharing Börsen immer aktuell ist, die aber der Idee des Filesharing wiedersprechen, ist die Deaktivierung des Uploads. Natürlich ist mittlerweile auch der Download strafbar, wird aber doch vor allem durch den Upload gefährlich. Ändert sich Ihre Ansicht zum genannten Thema, wenn man mit Hilfe von Programmen (NetBalancer oder NetLimiter) den Upload verhindert? Ich würde mich über eine Antwort von Ihnen freuen.

    • Sehr geehrter Fan,
      Die Abmahnkanzleien konzentrieren sich in der Tat auf die Filesharing Börsen. Meine Ansicht zu dem Thema ändert sich auch bei Deaktivierung des Uploads nicht. Die Kopie, die durch den Download entsteht, stammt aus einer offensichtich rechtswidrigen Quelle, sodass sich an der Strafbarkeit nichts ändert.

  2. […] Hilfe eines VPNs eine andere Herkunft als die tatsächliche vorzugaukeln, womit man sich allerdings rechtlich in einer Grauzone bewegen […]

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