Urheberrecht

Bundestag beschließt: Verwaiste Werke dürfen ins Internet

Verwaiste Werke stellten bis dato ein Problem für Verwerter dar, da eine Nutzung ohne die Zustimmung des Urhebers oder der Rechteinhaber nicht möglich war. Nun hat der Bundestag eine Urheberrechtsreform verabschiedet, die die nicht-kommerzielle Nutzung und auch Digitalisierung von verwaisten Werken durch Bibliotheken, öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten und Archive erlaubt. Eine Entscheidung die für Bildung und Wissenschaft, aber auch für die Informationswirtschaft von hoher Bedeutung ist. Dabei beschränkt sich die Nutzung nicht nur auf das Medium Film, sondern inkludiert auch Musikstücke, Filme, Fotos und Bücher und Werke die vergriffen sind.

Verwaiste Werke dürfen nun nichtkommerziell genutzt werden © ferkelraggae-Fotolia

Verwaiste Werke dürfen nun nichtkommerziell genutzt werden © ferkelraggae-Fotolia

Der Beschluss des Bundestages bedeutet jedoch nicht, dass fortan alle verwaisten Werke gemeinfrei, das heißt 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers nach deutschem Urheberrecht frei verwertbar sind, vielmehr kann der Urheber oder dessen Erben nachträglich Ansprüche geltend machen.

Die neue Urheberrechtsreform geht mit der Neugründung einer von den Verwertungsgesellschaften gemeinsam verwalteten Zentralstelle für die öffentliche Zugänglichmachung von verwaisten Werken einher. Inwiefern diese Verwaltungsgesellschaften von dem neuen Bundestagsbeschluss profitieren werden ist bis dato unklar.

Aus medienrechtlicher Sicht beschäftigt vielmehr in Zukunft die Frage, wie mit den Unmengen an  Websites und damit digitalem Content verfahren wird. Im Zeitalter der Digitalisierung stehen wir somit nicht nur vor dem Problem verwaiste Werke der Vergangenheit zu erhalten, archivieren und rechtskonform zu verwerten, sondern dieses Schema auch auf urheberrechtlich geschützten, digitalen Content der Gegenwart und Zukunft zu übertragen.

Viele der im Netz existierenden Werke sind nicht durch einen Autor gekennzeichnet oder wurden unter Pseudonymen veröffentlich. Hinzu kommt, dass die angegebenen Links und Referenzadressen schon nach wenigen Jahren nicht mehr gültig oder nicht mehr auffindbar sein werden und dennoch weiter existieren. Das Internet vergisst eben nie.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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