Urheberrecht

Beliebte Selfies nicht immer erlaubt!

Für ein gelungenes Selfie ist nicht nur der Blickwinkel entscheidend, sondern auch der passende Hintergrund. Gemeint ist hier nicht etwa die Farbauswahl, sondern das was mitfotografiert wird. Schnell tappen Nutzer in eine Rechtsfalle, denn beim Selfie gelten die gleichen Regeln wie beim normalen Fotografieren. Die Urheberrechte an Kunstwerken sind genauso zu beachten, wie die Persönlichkeitsrechte Dritter. Das Massenphänomen Selfie hat außerdem dazu geführt, dass es an bestimmten Orten explizite Verbote gibt zum Handy oder gar zur Selfie-Stange zu greifen.

Achtung beim Selfie vor einem Kunstwerk

Wer sich vor einem Gebäude oder vor einem Bild fotografieren lässt, sollte folgende Grundregel beachten: Wird das Selfie an einem öffentlich zugänglichen Ort hergestellt, ohne dass besondere Hindernisse (z. B. Zäune) überwunden werden, dann ist dies grundsätzlich rechtmäßig. Im Museum, im Schlossgarten oder in anderen geschlossenen Einrichtungen, ist das Hausrecht zu beachten. Nicht selten liegt hier ein Fotografie Verbot vor. Wer sich nicht daran hält, begeht eine Urheberrechtsverletzung und muss mit einer teuren Abmahnung rechnen.

Zu den Kunstwerken können auch aufwendige Tattoos zählen. Viele Nutzer präsentieren stolz in den sozialen Netzwerken ihre neueste Errungenschaft und denken dabei gar nicht daran, dass es sich dabei ebenfalls um urheberrechtlich geschützte Werke handelt. Hat der Tätowierer nicht in die Veröffentlichung des Tattoos eingewilligt, kann der Nutzer vom Künstler abgemahnt werden. Anders sieht es aus, wenn das Tattoo lediglich sichtbar ist, weil die abgebildete beispielsweise ein T-Shirt trägt und das Tattoo nun einmal als Beiwerk auf dem Bild erscheint.

Achtung, wenn Dritte mitfotografiert werden

Wer Bilder von Dritten veröffentlicht, braucht grundsätzlich die Einwilligung der Abgebildeten. Es Ausnahme davon besteht nur, wenn die Person lediglich als Beiwerk auf dem Bild erscheint. Dies wird bei einem Selfie jedoch kaum der Fall sein. Für eine Einwilligung genügt es, dass die Person weiß wofür das Bild gemacht wird und sich trotzdem freiwillig vor die Linse stellt. Der Fotograf sollte zu seiner eigenen Sicherheit jedoch ein ausdrückliches Einverständnis einholen.

Heimliche Selfies mit Dritten verboten

Die heimliche Aufnahme von sich zusammen mit einem Dritten ist natürlich erst recht verboten und kann zudem hart bestraft werden. Paragraf 201 des Strafgesetzbuchs sieht eine Strafbarkeit von bis zu zwei Jahren für denjenigen vor, der heimlich intime Bilder von einer Person erstellt. Intim sind die Bilder immer dann, wenn sich die Person in einer Wohnung oder einem gegen Einblicke besonders geschützten Raum befindet.

Spezielle Selfie-Verbote

Gerade bei beliebten Events wie dem Stierlauf in Pamplona oder dem Filmfestival in Cannes sind Selfies häufig verboten. Sei es aus Sicherheitsgründen oder weil die zahlreichen Selfie-Knipser das Ambiente stören. Was auf den ersten Blick übertrieben scheint, ist jedoch angesichts der zahlreichen Unfälle, die aus Unachtsamkeit beim Anfertigen eines Selfies geschehen, in manchen Fällen durchaus sinnvoll. Hier eine Zusammenfassung der bekanntesten Selfie Verbote:

Südkorea verbietet die Nutzung von Selfie-Stangen per Gesetz

Grund: Durch die Blutooth Funktion, die manche Sticks haben, befürchtet der Staat, dass Daten ausgespäht werden.

Auch im Metropolitan Museum in New York sind Selfiestangen nicht gern gesehen. Zu groß ist hier die Gefahr, dass durch das Justieren der Stangen für die perfekte Pose, Kunstwerke zerstört werden.

Am Lake Tahoe sind Selfies mit Bären im Hintergrund ein beliebtes Motiv bei Touristen – aber eben auch sehr gefährlich. Daher wurde die Anfertigung der „Bären-Selfies“ offiziell verboten.

Am Strand von Garoupe an der französischen Côte d´Azur sind Selfies komplett verboten. Ob mit oder ohne Selfie-Stange – die Badegäste sollen den besonderen Ort genießen und nicht nach dem perfekten Selfie suchen, so die offizielle Begründung.

In Pamplona sind Selfies während des alljährlichen Stierlaufes nicht nur verboten, sondern es droht auch eine saftige Strafe. Letztes Jahr musste ein Brite, der leichtfertig inmitten der aufgebrachten Stiere ein Selfie von sich anfertigte, 3000 Euro Strafe zahlen.

Der Bundesstaat New York hat beliebte „Tiger Selfies“, die Menschen in Wildgehegen von den wilden Tieren und sich gemacht haben, verboten. Hier droht eine Strafe von bis zu 1000 Dollar. (JEB)

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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