Urheberrecht

Baal-Urteil: Bühnenverein fordert Urheberrechtsreform

Das Urteil über die „Baal“-Inszenierung von Frank Castorf hat für einige Diskussionen gesorgt. Jetzt hat der Deutsche Bühnenverein sich für eine Reform des Urheberrechts ausgesprochen.

Die Inszenierung des Regisseurs Frank Castorf des Bertolt Brecht Dramas „Baal“ hatte einen Rechtsstreit zwischen dem Suhrkamp Verlag und dem Residenztheater in München zur Folge. Die Parteien einigten sich darauf, dass das Stück nur noch zwei Mal gezeigt wird, davon einmal auf dem Theatertreffen in Berlin. Die Inszenierung war als eine der zehn besten des vergangenen Jahres ausgewählt worden. Castorf hatte neben dem Text von Bertolt Brecht auch andere Texte mit einfließen lassen. Die Brecht-Erben hatten dagegen geklagt.

© fotodo - Fotolia.com

© fotodo – Fotolia.com

Der Deutsche Bühnenverein hat sich jetzt für eine Reform des Urheberrechts ausgesprochen So sagte Rolf Bolwin, Direktor des Bühnenvereins: „Seit Jahren weigert sich der Gesetzgeber, die für die Theater drängenden Fragen des geltenden Urheberrechts anzugehen. Das kann so nicht weitergehen.“

Freiheit der Kunst behindert

Der Rechtsstreit zeige, wie sehr das Urheberrecht mittlerweile die Freiheit der Kunst behindere, so die Meldung des Bühnenvereins weiter. Ein starres Urheberrecht würde der heutigen Aufführungspraxis in keiner Weise entsprechen. Es sei unrealistisch, von einem Regisseur zu verlangen, auf Fremdtexte in der Inszenierung eines Stückes zu verzichten, um einen Urheber wie Brecht zu schützen, der fast 60 Jahre tot ist, so die Meldung weiter.

Es dürfe nicht sein, dass ein Regisseur keine zusätzlichen Texte bei seiner Interpretation eines Stückes benutzen dürfe. Dies werde der in Artikel 5 Abs. 3 Satz 1 Grundgesetz geschützten Freiheit der Kunst, auf die sich der Regisseur berufen könne, nicht gerecht.

Livestream mit urheberrechtlichen Problemen

Aber auch generell müsse man das Urheberrecht reformieren, so die Meldung weiter. So sei beispielsweise der Livestream einer Aufführung nach wie vor mit erheblichen urheberrechtlichen Problemen behaftet, auch wenn alle an der Aufführung Beteiligten angemessen bezahlt worden sind. Nur durch komplizierte vertragliche Vereinbarungen mit allen Beteiligten sei es möglich, Ausschnitte im Internet zu zeigen, um für die Aufführung zu werben. „Das Urheberrechtsgesetz befindet sich in dieser Hinsicht noch auf einem Stand der grauen Vorzeit heutiger moderner Informationsmedien“, so Bolwin.

 

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Bühnenvereins

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben | Trackback URL

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×