Urheberrecht

Makake Naruto und die Urheberrechte am Affen-Selfie – Streit beigelegt

Wer hat das Recht am Affen-Selfie des Makaken Naruto? Ein US-Gericht hatte 2015 auf Klage der Tierschutzorganisation PETA hin entschieden, dass die Urheberrechte jedenfalls nicht beim Makaken Naruto liegen. Allerdings auch nicht beim Fotografen David Slater, dessen Kamera der Affe für seine Selfies nutzte. Fotograf Slater ist dank des kostspieligen Verfahrens mittlerweile finanziell ruiniert. Ein gerichtlicher Sieg blieb Slater jedoch verwehrt, da sich beide Parteien nun überraschend außergerichtlich einigten. Wir haben uns zudem gefragt, ob ein solcher Fall auch in Deutschland denkbar wäre?

Affen Selfie vom Makaken Naruto – Wer ist der Urheber?

Wer erinnert sich an das Affen-Selfie des Makaken Naruto? In den Jahren 2014 und 2015 ging das Foto um die Welt. In der Folge entbrannte ein heftiger Streit um die Urheberrechte an dem Foto. Hält sie der Fotograf, dessen Kamera der Affe nutzte? Kann womöglich der Affe selbst Urheber des Fotos werden? Die Tierschutzorganisation PETA jedenfalls hatte eine Copyright-Klage im Namen des Makaken-Affen Naruto bei einem US-amerikanischen Gericht eingereicht. PETA forderte in der Klageschrift, dass der Affe Naruto zum Urheber eines von ihm angefertigten Selfies erklärt werden müsse. Die Tierschutzorganisation argumentierte, dass das amerikanische Gesetz einem Tier nicht die Wahrnehmung von Urheberrechten verbiete.

Indonesischer Affe Naruto macht Selfie

Fotograf David Slater reiste 2011 nach Indonesien und fotografierte auf der Insel Sulawesi eine Reihe von verschiedenen Tieren. Im Laufe des Projektes hatte er die aufgebauten Kameras mehrmals für einige Minuten alleine gelassen. Zuvor war ihm eine Affenhorde um den Affen Naruto mehrere Tage durch den Dschungel gefolgt. Während die Artgenossen Narutos wild den Waldboden oder verwackelte Artgenossenbilder knipsten, fotografierte Naruto im Planet-der-Affen-Stil hervorragende Selbstporträts Der Affe Naruto nutzte diese Zeit um mit der Kamera des Fotografen einige Selfies anzufertigen. Nach Ansicht Slaters, war dies jedoch alles andere als ein Zufall und weniger Narutos Fotografie-Talent als vielmehr  seine minutiös geplante Vorbereitung. „Ich musste lange warten, bis der Affe das Selfie mit meiner Kamera gemacht hat“, erklärte der Fotograf so auch später.

Weder Fotograf noch Affe sind Urheber

Das Affen-Selfie wurde nach Veröffentlichung hunderttausende Male im Internet geteilt. Ein weltweiter-Foto-Hit war entstanden. Kaum eine Zeitung oder Webseite die nicht über das süße Selfie des Affen berichtete. Es schien ein Erfolg für Slater zu werden. Doch der wirtschaftliche Erfolg blieb ihm verwehrt. Denn nach der Veröffentlichung der Bilder begann die Diskussion, ob dem Affen eigene Urheberrechte an dem angefertigten Selfie zustehen können oder nicht.

David Slater ist verständlicherweise bis heute der Ansicht, dass das Urheberrecht an den Affen-Selfies ihm zustehe. Er habe die Kameras aufgebaut und ihm sei durch die virale Verbreitung des Bildes nach der Veröffentlichung seines Buches auch der größte wirtschaftliche Schaden entstanden. Zunächst versuchte Slater der Wikimedia Foundation zu untersagen, das Selfie des breit grinsenden Makaken in ihre Datenbank gemeinfreier Werke (Wikimedia Commons) aufzunehmen. Jedoch mit wenig Erfolg. Später hatte PETA die bereits beschriebene Klage bei einem US-amerikanischen Gericht eingereicht. Noch im Jahr 2014 hatte das US Copyright Office darauf hingewiesen, dass kein Fotograf die Urheberrechte an Bildern haben könne, die durch die Natur, Tiere oder Pflanzen entstanden seien.

Das US-Gericht hatte die rechtliche Situation jedoch anders eingeschätzt. Bundesrichter WIlliam Orrick aus San Francisco entschied, dass dem Affen Naruto kein Urheberrecht an dem angefertigten Selfie zustehe. Nach Ansicht des US-Richters sei zwar die Ausweitung bestehender Gesetze auf Tiere denkbar. Nötig seien dann jedoch Schritte des US-Kongresses oder des amerikanischen Präsidenten. Nach Ansicht Orricks war nicht erkennbar, dass eine Ausweitung des Urheberschutzes auch auf Tiere angestrebt sei. Daher könne Naruto auch nicht Urheber des Fotos sein. Da auch Slater nicht Urheber war, könne das Foto jeder frei veröffentlichen.

PETA ging in Berufung – Urteil zeitnah erwartet

Doch das reichte PETA nicht. PETA beharrte darauf, dass das Urheberrecht dem Affen gehöre und somit auch alle Einnahmenaus dem Verkauf des Fotos. Das Geld könne dem Schutz der bedrohten Tierart zugutekommen. Und so ging PETA in Berufung.

Der Fotograf David Slater hingegen scheint derweil ruiniert. Das Foto, dass ihn weltweit berühmt machte ist nun, rund drei Jahre nach bekannt werden, vielmehr Fluch als Segen für Slater. Rund 40 Millionen Euro hätte Slater verdient, wenn er pro Veröffentlichung einen Dollar erhalten hätte. Stattdessen floss nahezu nichts in seine Kasse. Weder kann er mittlerweile seinen Anwalt zahlen, noch konnte er der letzten Verhandlungssitzung in San Franscisco beiwohnen- ihm fehlte schlicht das Geld für den Flug. Und so musste er dem Verfahren per Livestream beiwohnen. Selbst seine defekte Kamera könne er laut eigener Aussage nicht mehr zahlen. Zu kostspielig war offensichtlich der Kampf um die Urheberrechte und die Gier nach den damit verbundenen Millionen von Dollar.

Immerhin erschien es bereits im Juli 2017 wieder möglich, den Kampf gegen PETA doch noch zu gewinnen. In der zuvor erfolgten Berufungsverhandlung widersprach Richter Randy Smith erneut der Beweisführung der Tierschutzorganisation: „Ein Affe kann die Erlöse aus dem Urheberrecht weder erwerben noch behalten.“

[UPDATE 13.09.2017] Zu einem Urteil durch das US-Gericht kam es nun jedoch nicht mehr, da der über Jahre dauernde Rechtsstreit, der weltweit immer wieder für Aufsehen sorgte und den Fotografen Slater an den Rande des Ruins trieb, überraschend beendet wurde. Wie bekannt wurde, einigte sich PETA jüngst mit dem Fotografen David Slater außergerichtlich. Verwunderlich, waren doch beide Seiten zuvor unerbittlich und die Fronten schienen mehrere Jahre völlig verhärtet zu sein. Doch der Fotograf erklärte sich nun offenbar dazu bereit, 25% seiner künftigen Einnahmen aus den Selfies gemeinnützigen Organisationen zu stiften, die die sich für den Schutz des Makaken Naruto und seinen Artgenossen in Indonesien einsetzen. Damit sind die Affen die heimlichen Gewinner. In einer gemeinsamen Erklärung teilten PETA und Slater mit, dass der Gerichtsstreit dafür gesorgt habe, das wichtige Fragen aufgeworfen wurden, die die rechtlichen Interessen von “nicht-menschlichen Tieren“ betreffen, um diese auszubauen. Der Streit dürfte jedoch noch nicht vorbei sein, verlagert sich womöglich vielmehr ins Internet. „Ich will Gerechtigkeit für das, was die Wikipedia mir angetan hat“, hatte Slater vor der außergerichtlichen Einigung mit Peta gesagt. Bleibt abzuwarten, ob Slater nun vermehrt gegen unautorisierte Fotos des Affen im Netz vorgehen wird [UPDATE ENDE].

Auch in Deutschland wäre keine Schutzfähigkeit des Selfies gegeben

In Deutschland wäre der gesamte Streit um die Feststellung, dass der Affe Naruto der Urheber des Selfies ist, in dieser Art und Weise nicht möglich.

Mögliche Urheberrechte des Affen Naruto würden nach deutschem Recht bereits an seiner fehlenden Rechtsfähigkeit scheitern. Zwar steht das Recht der Veröffentlichung nach § 15 Abs. 2 Nr. 2 i.V.m. §19 a des Urheberrechtsgesetzes (UrhG) dem Urheber zu. Die Frage also: „Kann Naruto Urheber sein?“ Die Antwort: „Nein.“ Denn: Nach § 7 UrhG muss der Urheber stets Schöpfer des eigenen Werkes sein. Nach § 2 Abs. 2 UrhG sind zudem nur persönliche geistige Schöpfungen geschützt. Eine persönliche geistige Schöpfung kann jedoch nur von einem Menschen stammen. Darüber herrscht Einigkeit. Tiere werden nicht als fähig erachtet, die für eine Werkschöpfung nötigen Leistungen zu erbringen. Naruto hätte damit nach deutschem Recht keine Urheberrechte an dem Selfie.

Hingegen wären Urheberrechte Slaters zumindest denkbar. Jedoch darf auf Grundlage der bisherigen Äußerungen Slaters in der Öffentlichkeit stark bezweifelt werden, dass alle wesentlichen Aufnahmebedingungen, insbesondere Motiv, Entfernung und Blickwinkel der Fotografie im Einzelnen von ihm vorab und abschließend festgelegt wurden, um eventuelle Urheber- oder Leistungsschutzrechte zu begründen. Dies wäre jedoch nötig. Denn entscheidend für die Annahme eines Urheberrechts an einem „automatisiert“ aufgenommenen Selfie wäre es, dass Fotograf Slater die gesamte Kontrolle über die Bedingungen besaß, unter denen die konkrete Selfie-Aufnahme entstand, auch wenn der Aufnahmevorgang selbst automatisiert durch ein „Hilfsmittel“ erfolgte. Als „Hilfsmittel“ käme dabei dann durchaus auch eine tierische Leistung des Affen Naruto infrage.

Die Frage die sich hier jedoch unweigerlich aufdrängt ist, ob der Makake die Kamera selbständig bediente, oder dieser nur als Hilfmittel Slaters eingesetzt wurde und das Selfie insofern bereits vom Fotografen in den wesentlichen Einzelheiten vorgeplant war. Sollte in dem selbstständigen Bedienen der Kamera durch Naruto eine Abweichung von dem vom Fotografen eigentlich beabsichtigten Verlauf liegen, indem Naruto beispielsweise eigene Gestaltungsakzente in die Selfie-Erstellung einbrachte, so müsste dem Fotografen jegliches Recht an den auf diese Weise entstandenen Selfies und Fotos abgesprochen werden.

Somit wären die Affen-Selfies auch nach dem deutschem Urheberrechtsgesetz gemeinfrei.

tsp

(Anmerkung der Redaktion: Der ursprüngliche Beitrag stammt vom 08. Januar 2016 und wurde am 18. Juli sowie zuletzt am 13. September auf den neuesten Stand gesetzt)


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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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