Telekommunikation

Mobilfunkanbieter nutzen Gesetzeslücke um bei Roaming-Gebühren weiterhin abzukassieren

Obwohl die EU im Juli diesen Jahres die EU-Verordnung der Gebühren für die Nutzung von Mobilfunkleistungen weiter angepasst hat, damit die Mobilfunkkunden vor Abzocke geschützt werden, bietet sich immer noch die Möglichkeit für die Mobilfunkanbieter kräftig hinzulangen. Die Preise, die Mobilfunkanbieter von Ihren Kunden für Gespräche und Datennutzung im Ausland berechnen dürfen, sind in den vergangenen Jahren dank der EU-Verordnung EG-Nr. 531/2012 kräftig gepurzelt.

 

 Abzocke bei Roaming-Gebühren© Benjamin-Duda-Fotolia

Abzocke bei Roaming-Gebühren© Benjamin-Duda-Fotolia

Abgehende Gespräche aus dem Ausland in eines der verbleibenden 27 EU-Mitgliedsstaaten dürfen netto nur noch 19 Cent pro Minute kosten (22,61 Cent brutto). Ankommende Gespräche sogar nur noch fünf Cent netto pro Minute (5,95 Cent brutto).

Eine Überraschung könnte es für die Kunden jedoch geben, wenn sie aus ihrem Heimatland in das EU-Ausland telefonieren. Die oben genannte Preisobergrenze gilt nämlich nur für Gespräche AUS dem Ausland. Wenn jedoch ein deutscher Kunde aus seinem Heimatnetz in Deutschland heraus ins EU-Ausland anruft, dann gilt die Preisobergrenze nicht. So kostet zum Beispiel der Anruf eines deutschen Kunden aus Deutschland nach Luxemburg bei den meisten Anbietern in Deutschland zwischen 75 Cent und 1,49 Euro pro Minute. Ruft derselbe Kunde aber aus seinem Spanienurlaub nach Luxemburg an, dann darf das Gespräch nur noch 19 Cent pro Minute kosten (bzw. fünf Cent für ankommende Gespräche).

Der Grund für diesen Irrsinn liegt darin begründet, dass die Heimatmärkte isoliert betrachtet werden und nicht der EU-Regulierung unterliegen. Den Heimatmarkt dürfen die Mitgliedsstaaten weiterhin in eigener Verantwortung regeln.
In Deutschland zum Beispiel wacht die Bundesnetzagentur über den deutschen Mobilfunkmarkt und die findet solche Ausnahmen nicht unangemessen. Ob das jedoch dem europäischen Gedanken entspricht, das ist wiederum eine andere Frage.

Kunden sollten darüber hinaus auch darauf achten, ob sie nicht in einem Sondertarif telefonieren. Die meisten Anbieter bieten bestimmte Sondertarife für das Ausland an, zum Beispiel für Vieltelefonierer. Stimmt der Kunde solch einem Wechsel zu, bei dem beispielsweise der Minutenpreis für abgehende Gespräche nur bei 15 Cent pro Minute liegt, dafür aber zusätzlich jeweils eine einmalige Pauschale von 75 Cent für jeden Anruf anfällt, dann gilt der EU-Tarif nicht mehr.
Deshalb sollten sich die Kunden vor dem Urlaub ihren Tarif nochmal genau anschauen, damit es keine bösen Überraschungen gibt.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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