Telekommunikation

Hohe Strafe für Telekommunikationsanbieter nach Wechselschwierigkeiten – Mobile Daten im Vormarsch

Die Bundesnetzagentur hat gegen drei große Telekommunikationsanbieter durchgegriffen und empfindliche Bußgelder Höhe von insgesamt 225.000 Euro verhängt. Bei Kunden der Unternehmen kam es zu Schwierigkeiten beim Wechsel des Anbieters. Die Sanktionen sind noch nicht rechtskräftig, es besteht die Möglichkeit des Einspruchs vor dem Amtsgericht (AG) Bonn.

Schutz der Endkunden

Die Bonner Kartellbehörde ließ in einer Presseerklärung verlauten, dass Endkunden vor langwierigen Ausfällen beim Vertragswechsel geschützt werden sollen. Als Obergrenze für die Unterbrechung gilt ein Kalendertag. Von Seiten des Gesetzgebers werden sowohl der alte, als auch der neue Provider in die Pflicht genommen, insofern besteht keine Chance, das Verschulden auf den jeweils anderen abzuschieben.

„Wir haben gegen einen weiteren großen deutschen Anbieter ein Verfahren eingeleitet. Insgesamt entfallen auf die vier betroffenen Anbieter rund 70 Prozent des Beschwerdeaufkommens zum Anbieterwechsel“, erklärte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann. Er betonte auch nochmals, dass längere Versorgungsunterbrechungen und die damit verbundenen Belastungen für die Kunden nicht akzeptiert werden. Gerade die Beschwerdezahlen zeigen, dass die gesamte Branche noch erhöhte Anstrengungen unternehmen muss, um mit automatisierten und standardisierten Abstimmungsprozessen eine geringere Fehlerquote beim Anbieterwechsel zu erreichen.

Hohes Beschwerdeaufkommen

Allein im Jahr 2013 kam es in 4.500 Fällen zu Versorgungsunterbrechungen, was den Nachholbedarf insbesondere zeigt. Verbraucher können sich bei Problemen an die Agentur wenden, es wurde sogar extra eine Beschwerdestelle eingerichtet. „Wir gehen dann gezielt auf die im Einzelfall betroffenen Unternehmen zu, um einen zügigen und erfolgreichen Abschluss des Anbieterwechsels zu erreichen“, so Homann.

Die Geldbuße gegenüber jedem Anbieter betrug 75.000 Euro. Damit lag die Strafe noch unter der Höchstgrenze von 100.000 Euro, was damit zusammenhängt, dass zugunsten der Firmen berücksichtigt wurde, dass sich diese aktiv an der branchenübergreifenden Erarbeitung und Einführung automatisierter Schnittstellen zur langfristigen Verbesserung des Wechselprozesses beteiligen.

Zuwachs im Mobilfunkbereich

Erfreuliche Nachrichten hingegen für die Mobilfunkunternehmen: In diesem Jahr werden hierzulande voraussichtlich 9,6 Milliarden Euro mit mobilen Datendiensten umgesetzt werden, was ein Zuwachs von 5,5 Prozent darstellt. Das ergibt sich aus einer Studie des IT-Branchenverbandes.

Datenkommunikation zieht vorbei

Hinsichtlich der Telefonie wird sich in den nächsten Jahren wohl einiges tun. Zwar wächst auch die Anzahl der abgehenden Gesprächsminuten um rund 1 Milliarde auf 111 Milliarden insgesamt. Beim Umsatz schlägt sich das aber nicht nieder, der schrumpft seit 2010 stetig. Grund ist, dass sich dich Prioritäten verschoben haben: „In den nächsten Jahren wird die mobile Datenkommunikation an der mobilen Telefonie vorbeiziehen“, sagte Jens Schulte-Bockum, Bitkom-Präsidiumsmitglied und Vodafone-Deutschland-Chef.

Bemerkenswert ist die rasante Entwicklung der letzten Jahre. Noch vor sechs Jahren lag das mobile Datenvolumen in Deutschland bei 11 Millionen GByte, 2014 geht man von 330 Millionen GByte aus. In vier Jahren sollen in Deutschland 287 Petabyte pro Monat mobil übertragen werden. Nicht nur das Volumen, auch die Geschwindigkeit nimmt kaum überraschend zu: Der durchschnittliche Speed liegt mittlerweile bei 2,1 Mbit/s, für 2018 werden 3,6 Mbit/s prognostiziert.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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