Social Media und Recht

ApoRed wegen „Bomben-Pranks“ zu Bewährungsstrafe verurteilt

ApoRed, einer der bekanntesten deutschen YouTuber wurde wegen eines „Scherzvideos“, eines sogenannten „Pranks“, am 23. Februar 2018 vom LG Hamburg zu einer Bewährungsstrafe rechtskräftig verurteilt.

Für ein Scherzvideo um eine angebliche Bombe vor einer Hamburger Sparkasse ist der YouTuber „ApoRed“ (2,3 Millionen Abonnenten auf YouTube) nun rechtskräftig verurteilt. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte nahmen am 23. Februar 2018 vor dem Hamburger Landgericht (LG) ihre Berufungsanträge gegen ein erstinstanzliches Urteil zurück.

Mitte 2016 hatte sich der YouTuber ApoRed- mit bürgerlichem Namen Ahmad Ahadi- dabei filmen lassen, wie er eine schwarze Tasche neben den Geldautomaten einer Sparkassenfiliale in Hamburg warf. Dabei rief er „30 Sekunden habt ihr alle Zeit, lauft lieber, wenn euch euer Leben etwas wert ist!“ Im Oktober 2017 war er dafür zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten sowie 200 Stunden Sozialarbeit rechtskräftig verurteilt worden. ApoRed wurde wegen den folgenden Straftaten verurteilt:

  • Körperverletzung, §223 StGB (als Folge der Angstzustände einer Zeugin),
  • Nötigung, § 240 StGB
  • Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten, §126 StGB
  • Verstoß gegen § 33 des Kunsturhebergesetzes (KUG) – (Da im Video einige abgebildete Passanten teilweise ungefragt und unverpixelt zu sehen waren.)

Die Berufungsanträge gegen das erstinstanzliche Urteil werden zurückgenommen

 ApoReds Verteidigerin sieht die Strafe indes nicht als schuldangemessen an. Die Berufung habe man aus Zeitgründen zurückgenommen, da man einen weiteren Verhandlungstag benötigt hätte. Statt einer Bewährungsstrafe habe sie eine reine Geldstrafe erwartet und für ihren Mandanten angestrebt. Ihrer Meinung nach wollte das Gericht YouTubern ihre Grenzen aufzeigen.

Auch sei ihrer Meinung nach das Vorgehen ihres Mandanten und seines Freundes eine Nötigung sowie Körperverletzung gewesen, jedoch habe die Justiz den Fall „etwas hochgehangen“.

Viele der Opfer leiden bis heute an den Folgen des ApoRed- Videos

Besonders perfide: Der Clip wurde an jenem Tag hochgeladen, an dem auch der Anschlag von Nizza passiert. Das Video wurde zwar in der Folge wieder aus dem Netz genommen. Über sogenannte „Re-Uploads“ durch andere Youtube-Kanäle war er jedoch weiterhin einsehbar. Gut ein halbes Jahr vor dem Dreh des ApoRed-Videos waren zudem 130 Menschen bei islamistischen Attentaten in Paris ermordet worden. Im März 2016 wurden zudem 32 Menschen bei Anschlägen in Brüssel getötet.

Eine Zeugin, die in dem betreffenden Video zu sehen war, hatte ausgesagt, dass sie nicht darüber aufgeklärt worden sei, dass es sich dabei um einen „Scherz“ gehandelt habe. Nach dem Vorfall sei sie zuhause zusammengebrochen.

Die Opfer des „Scherzes“ litten nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter länger andauernden Schlafstörungen und Ängsten.

Strafe auch für den Mitangeklagten

Auch der 26 Jahre alte Mitangeklagte Jan H. wurde von dem LG Hamburg verurteilt. Dieser habe das Geschehen gefilmt und wurde im Berufungsprozess reduziert bestraft. Der 26-jährige habe in einem Schuldgeständnis Reue gezeigt und aufgrund der Berichterstattung seinen Job verloren. Dieser muss statt 120 nun 90 Tagessätze zu je zehn Euro zahlen. Nach Aussagen der Richterin habe es sich bei diesem Prozess um die Selbstdarstellung des Hauptangeklagten gehandelt und sein Freund Jan H. habe sich ein Stück weit benutzen lassen.

cyi/tsp


Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (2)

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  1. Tinkerbrüll sagt:

    Also ich persönlich ziehe da eine Bewährungsstrafe vor. Denn eine Geldstrafe (die ja sowieso schon härter ist als Bewährung) kann sogar noch im Knast enden, wenn man nicht zahlt. Somit ist (für mich) eine Geldstrafe immer härter. Am Ende kann man sich also fragen wer hier besser weggekommen ist. Der Hauptangeklagte mit einer lächerlichen Bewährung (für die er eigentlich nichts leisten muß) oder sein Kumpel mit einer heftigen Geldtrafe (oder sogar Knast).

  2. Roland Späth sagt:

    Die Selbstdarstellung und das Hoffen auf miofache Clicks mit entsprechender Gewinnausschüttung nimmt immer seltsamere Formen an. Man verbrüht oder vereist sich die Haut, isst- angeblich- Flüssigwaschmittel etc., nur um einen „Hype“ auszulösen. Dass dabei bspw. Kinder gefährdet werden, verdrängt man offensichtlich bzw. immer häufiger hört man „selbst Schuld“. Der mit der „Menschwerdung“ zwingend einhergehende Altruismus, wohl genetisch angelegt, scheint auszu“sterben“, soziales Miteinander geht den Fluss hinunter, schneller als ein Bach jedenfalls. Klar, dies liegt mitunter auch an der „Leitkultur“- christl. womöglich noch-. Da sind die polit. Kriegstreiber, da sind die „Wirtschaftskapitäne“ bzw. ganze Konzerne, die „mit gutem Beispiel voran gehen“ und die gesamte Welt belügen und betrügen, in Deutschland ganz offensichtlich auch mit direkter polit. Unterstützung- Anweisung an das KBA, Aussageverweigerung etc. Man muss sich also nicht wundern, wenn immer noch „am Flughafen“ hörbar geflüstert wird, ob die „Bombe im Handgepäck“ wohl entdeckt werde oder eben der hier einschlägige „Prank“ ins Netz gestellt wird. Die Verurteilung wegen „Verletzung von Persönlichkeitsrechten“ halte ich für rechtsfehlerhaft, so sie erfolgt sein sollte, denn m. Wissens nach handelt es sich um eine zivilrechtl. Angelegenheit, die der Verletzte selbst verfolgen muss. Ob dazu Strafanzeigen vorlagen, die auch eine Offizialverfolgung rechtfertigen könnten, geht nicht aus der Nachricht hervor.

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