Sportrecht

DFB-Reglement zur Spielervermittlung teilweise unwirksam

Das OLG Frankfurt a. M. (Urt. v. 02.02.2016, Az. 11 U 70/15) hat entschieden, dass das DFB-Reglement für die Spielervermittlung in einigen Punkten nicht zulässig ist. Der DFB darf die unzulässigen Punkte in der täglichen Praxis nicht weiter anwenden.

 DFB-Reglement zur Spielervermittlung teilweise unwirksam ©-ferkelraggae-Fotolia-Fotolia_31081868_XS

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DFB-Reglement für Spielervermittlung schafft Transparenz

Der Deutsche Fußballbund hat ein vertragliches Regelwerk entworfen, das im weitesten Sinne das Verhältnis von Spielern, Spielervermittlern, Vereinen und dem DFB regeln soll. Als Dachverband von 27 deutschen Fußballverbänden und als Mitglied des Fußballweltverbandes FIFA, hat der DFB das Reglement im April 2015 verabschiedet. Das Regelwerk enthielt unter anderem sieben Einzelregelungen, die nun teilweise als unzulässig bewertet wurden. Gestritten wurde um die rechtliche Zulässigkeit folgender Klauseln:

(1) Vereine, die Dienste eines Vermittlers in Anspruch nehmen, müssen diesen beim DFB registrieren.

(2) Die gleiche Verpflichtung trifft Fußballspieler, die die Dienste eines Vermittlers in Anspruch nehmen.

(3) Vereine und Fußballspieler müssen darauf hinwirken, dass von Vermittlern, deren Dienste sie in Anspruch nehmen, ein erweitertes Führungszeugnis vorgelegt wird und/oder eine Gebühr von 500 Euro für die Registrierung gezahlt wird.

(4) Vereine und Fußballspieler sind verpflichtet, dem DFB die vollständigen Einzelheiten aller vereinbarten Vergütungen und Zahlungen offenzulegen, die an einen Vermittler geleistet wurden.

(5) Vereine sind verpflichtet, sicherzustellen, dass Zahlungen zwischen Vereinen im Zusammenhang mit einem Transfer nicht an einen Vermittler gehen oder von diesem geleistet werden.

(6) Vereine sind verpflichtet, einem Vermittler, dessen Dienste sie in Anspruch nehmen, als Vergütung einen vor Abschluss der Transaktion zu vereinbarenden Pauschalbetrag zu zahlen.

(7) Vereinen und Fußballspielern wird verboten, für die Dienste eines Vermittlers bei Aushandlung eines Berufsspielervertrags und/oder einer Transfervereinbarung eine Zahlung zu leisten, wenn der betreffende Fußballspieler minderjährig ist.

Spielerberater stören sich am Regelwerk

Ein Unternehmen, das sich auf die Vermittlung von Fußballspielern spezialisiert hat war der Ansicht, dass der DFB durch die Verwendung des Reglements seine marktbeherrschende Stellung ausnutze. Die im Reglement vorgeschriebene Registrierungspflicht für Spielervermittler, schränke die Berufsfreiheit der Spielervermittler in zu hohem Maße ein. Darüber hinaus sei es unzulässig, dass der DFB Spielern und Vereinen vorschreibe, welche Vergütung an Vermittler gezahlt werden dürfe. Letztlich griff die Spielervermittlung auch das Verbot von Vergütungszahlungen nach dem Transfer eines minderjährigen Spielers an.

DFB-Reglement in einigen Punkten unwirksam

Die Richter am Oberlandesgericht haben in der Berufungsinstanz letztlich entschieden, dass der DFB keine Registrierung von Spielervermittlern verlangen könne. Weder Vermittler selbst noch Spieler treffe diese Pflicht. Auch die Forderung nach Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses sei unzulässig. Das erweiterte Führungszeugnis werde nur unter den Voraussetzungen des § 30a Bundeszentralregistergesetz erteilt. Diese Voraussetzungen sind jedoch nicht gegeben. Die anderen Regelungen sind nach Ansicht der Richter zulässig. Der DFB könne Vereine und Spieler zur Offenlegung von Vergütungen und Zahlungen auffordern. Diese Regelungen dienen einer oftmals geforderten höheren Transparenz und Nachvollziehbarkeit im Bereich der Spielervermittlung. Auch sei  das Vergütungsverbot bei Vereinswechseln von minderjährigen Spielern zulässig, da es in legitimer Weise dem Schutz von Minderjährigen diene. Im Ergebnis urteilten die Richter, dass die Regelungen 4, 5 und 7 des DFB-Reglements anwendbar und zulässig, die Regelungen 1, 2, 3 und 6 jedoch unzulässig sind.

Transparenz nötig

Das grundsätzliche Bemühen des DFB um eine größere Transparenz und Nachvollziehbarkeit im Bereich der Spielervermittlung ist ein notwendiger und sinnvoller Schritt. Gerade aktuell sorgt die Enthüllungsplattform „Football Leaks“ durch die Veröffentlichung von Vertragspapieren und Insiderinformationen für Wirbel. Zu viele Spielerberater und Vermittler agieren – mit oder ohne offizielle Lizenz – im Geheimen. Vor allem der Kampf um minderjährige Talente ist ein weltweites Geschäft geworden. Alleine im vergangenen Jahr wurden über 3.7 Milliarden Euro auf dem Transfermarkt umgesetzt. Auch wenn es seriöse Sportagenturen gibt, die im Sinne der Spieler beraten und verhandeln, ist die Zahl der Berater, die in erster Linie den eigenen Profit erhöhen wollen, zu groß. (NIH)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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