Sportrecht

AG München: Kein Widerrufsrecht nach Probetraining in Fitnessstudio

Wird im Anschluss an ein kostenloses Probetraining in einem Fitnessstudio ein Vertrag abgeschlossen, besteht kein Widerrufsrecht, da es sich nicht um eine Freizeitveranstaltung nach § 312 Nr. 2 BGB handelt, so das Amtsgericht München.

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Eine Münchnerin wurde durch ein Werbeangebot auf ein kostenloses Probetraining eines Fitnessstudios aufmerksam gemacht. Im März 2008 begab sie sich dorthin und unterschrieb einen Mitgliedschaftsvertrag, der eine Laufzeit von zwölf Monaten (mit Verlängerungsmöglichkeiten) vorsah. Danach besichtigte sie die Räumlichkeiten und die Trainingsmöglichkeiten. Sie kam dann zu dem Entschluss, doch nicht Mitglied sein zu wollen und kündigte deswegen am nächsten Tag. Das Fitnessstudio akzeptierte dies jedoch nur zum Ende der Vertragslaufzeit und forderte daher den vereinbarten Mitgliedsbeitrag von 599 Euro. Die Münchnerin weigerte sich, diesen Beitrag zu zahlen und behauptete, sie sei überrumpelt worden und die geschäftliche Vorgehensweise sei unseriös. Dies sei auch der Grund, weshalb sie widerrufen habe.

Die Betreiber des Fitnessstudios erhoben Klage vor dem AG München; dieses hat der Klage mit Urteil vom 25.10.2012 (Az.: 223 C 12655/12) stattgegeben.

Nach Ansicht der zuständigen Richterin habe die Beklagte den Vertrag nicht wirksam widerrufen können, da kein Widerrufsrecht bestehe. Die Voraussetzungen des Widerrufsrechts lägen alle nicht vor. Darüber hinaus handele es sich bei der Werbeaktion des Fitnesscenters nicht um eine Freizeitveranstaltung. Es sei nicht überraschend, dass das Probetraining in einem Fitnessstudio den Sinn und Zweck habe, Mitglieder anzuwerben. Wird von einer Person auf Grund einer Werbeaktion anschließend ein Vertrag abgeschlossen, dann liege weder eine Überrumpelung noch eine Täuschung vor. Eine andere Beurteilung ergebe sich in Fällen, in denen Kunden in ein Studio gelockt wurden, weil sie angeblich für eine bestimmte Zeit eine kostenlose Mitgliedschaft gewonnen hätten. Ein solcher Fall sei jedoch nicht gegeben, da das Ziel der Werbeaktion klar erkennbar gewesen sei. Schließt jemand daher einen Vertrag ab, ohne sich vorher ausführlich zu erkundigen, liege dies in seinem Verantwortungsbereich und er sei an diesen Vertrag gebunden.

Das Urteil ist rechtskräftig.

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Felix Rüther ist für die Prozessführung in den Streitigkeiten zuständig, die einen Bezug zum Internetrecht haben. Er war 2012 im sogenannten Morpheus-Verfahren vor dem BGH beteiligt, bei dem die Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE einen entscheidenden Sieg gegenüber der Abmahnindustrie errungen hat.

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