Social Media und Recht

Facebook übernimmt WhatsApp – Was haben die Nutzer zu befürchten?

Heute wurde bekannt, dass Facebook für die unglaubliche Summe von 19 Milliarden Dollar den beliebten Kurznachrichtendienst WhatsApp übernommen hat. Viele Nutzer fürchten nun um ihre Daten. Einige haben dem Dienst bereits den Rücken gekehrt. Rechtsanwalt Christian Solmecke von der Kölner Kanzlei Wilde Beuger Solmecke erklärt, was die Nutzer zu befürchten haben. Morgen wird er zu diesem Thema auch noch ein Interview in der RTL Sendung „Guten Morgen Deutschland“ geben.

Keine Verschmelzung beider Unternehmen

Die Übernahme bedeutet zunächst einmal nicht, dass die beiden Unternehmen „Facebook“ und „WhatsApp“ nun zu einem großen Unternehmen verschmelzen. Sie bleiben vorerst unabhängig. Das bedeutet konkret, dass die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Facebook nicht automatisch auch für die Nutzung des Kurznachrichtendienstes gelten. Sollte Facebook eine Vereinheitlichung anstreben, bräuchte das Unternehmen zunächst die Einwilligung der Nutzer.

Nutzerdaten grundsätzlich vorerst sicher

Die Nutzerdaten von WhatsApp können somit, zumindest vorerst, nicht in dem Umfang ausgewertet werden, wie es bei den Nutzerdaten von Facebook der Fall ist. Facebook muss sich an die bestehenden AGB von WhatsApp halten und kann beispielsweise nicht, wie von vielen Nutzern befürchtet, auf einmal Bilder die bei WhatsApp geteilt wurden, bei Facebook posten. Genauso unwahrscheinlich ist es, dass Facebook die Mikrofunktion von WhatsApp nutzt um das Verhalten der Nutzer zu überwachen.

Allerdings, ist es vorstellbar, dass Facebook versucht im Rahmen seiner Möglichkeiten die Nutzerprofile zusammenzulegen und etwa die Uhrzeiten auszuwerten, zu denen die Nutzer besonders aktiv sind. Auch dies verstößt selbstverständlich gegen die Deutschen Datenschutzbestimmungen. Jedoch wissen wir bereits aus der Vergangenheit, dass die Deutschen Datenschutzregeln im Rahmen von Facebook und anderer US-amerikanischer Dienste eher wenig Beachtung finden.

Fazit: Die Sorge der Nutzer ist nicht ganz unberechtigt, jedoch sind viele der Horrorszenarien nicht angebracht. Die Zukunft wird zeigen, wie Facebook den Kurznachrichtendienst weiterführen wird, um die 19 Milliarden Dollar wieder hereinzuholen.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (4)

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  1. Michael sagt:

    Ich habe heute, um ein Zeichen zu setzen, Threema installiert und einige meiner WhatsApp-Kontakte ebenfalls.

    Klar ist allerdings auch, dass man auf WhatsApp nicht vollständig verzichten kann, denn es gibt genug Leute, die – aus verschiedenen Gründen – bei WhatsApp bleiben werden, sei es, weil sie ein älteres Handy besitzen, dass nicht auf Android 4.x.x upgedatet werden kann (was Voraussetzung wäre, um z.B. Threma zu nutzen), sei es, weil es Ihnen egal ist, dass FB nun Besitzer von WhatsApp ist, oder sei es gar, weil sie es jetzt super finden, dass beide miteinander verwoben sind.

    Dazu hat sich WhatsApp zu sehr etabliert. Für sensible Informationen sollte man sich aber nun endgültig von WhatsApp verabschieden.

  2. Thomas Epp sagt:

    Wer bei Whats app oder Facebook sensible Daten schreibt kann auch gleich einen Aushang im Kaufhaus machen. Ich schreibe dort nur das was ich auch sonst in der Öffentlichkeit sagen würde. Für alles andere gibt auch das persönliche Gespräch. Und das wird in heutiger Zeit zu selten getan.

  3. Marion sagt:

    Ich habe gestern einmal gecheckt:

    Keiner von meinen Kontakten hat sich von WhatsApp verabschiedet. Vermutlich sind wir alle „Gewohnheitstiere“ und zu bequem „Bewährtes“ zu verlassen. Sensible Daten tauschen wir eh nicht darüber aus, nur belanglosen Krimskrams, der auch für Facebook nicht wertvoll sein dürfte.

    Bedenklich finde ich generell bei WhatsApp nur – egal wem die App nun gehört -, dass die Zugriffsrechte die gesamten Kontaktdaten erfassen, auch von den Personen, die nicht gefragt wurden, ob sie dies wünschen.

  4. Warum muss Facebook eigentlich immer jede funktionierende App kaputt machen?

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