Sampling- und Remixverträge

Samples und Remixes gehören zu den Musikformen, die in der Rechtswissenschaft immer wieder für Streitigkeiten sorgen.

Bei einem Remix wird ein fremdes Musikwerk übernommen und durch Hinzufügung, Wegnahme oder Veränderung von musikalischen Elementen abgewandelt. Im Ergebnis entsteht ein neues Musikwerk, wobei das Originalwerk für den Hörer stets erkennbar bleibt.

Beim Sampling werden kurze Ausschnitte aus fremden Musikwerken elektronisch entnommen bzw. kopiert.

Unterscheidung zwischen „freier Benutzung“ und „Bearbeitung“

Der Originalurheber hat ein Urheberrecht an seinem Musikwerk. Wird dieses Musikwerk nun von einer anderen Person verändert oder werden Ausschnitte aus diesem Musikwerk kopiert, ist das Urheberrecht grundsätzlich verletzt.

In einem solchen Fall ist zwischen einer „Bearbeitung“ (§§ 3, 23 UrhG) und einer „freien Benutzung“ (§ 24 UrhG) abzugrenzen.

Bei einer Bearbeitung wird ein fremdes Werk in einem solchen Maß verändert, dass das Originalwerk zwar erkennbar bleibt, das neue Werk aber auch deutlich vom Bearbeiter geprägt ist. Die Bearbeitung eines fremden Werkes ist nicht verboten. Allerdings braucht man die Einwilligung des Originalurhebers wenn man eine Bearbeitung verwerten, also wirtschaftlich nutzen will.

Auch bei einer freien Benutzung wird ein fremdes Werk verändert. Jedoch sind in diesem Fall die Veränderungen so weitreichend, dass das Originalwerk im Endprodukt nicht mehr erkennbar ist. Der Hersteller des neuen Werks lässt sich also vielmehr vom Originalwerk inspirieren. Eine Einwilligung des Originalurhebers ist dann nicht mehr erforderlich.

Sehr häufig missverstanden wird die Rechtslage hinsichtlich von Coverversionen. Hier interpretiert ein Musiker das Werk des Originalurhebers neu ohne es zu verändern. Es liegt also weder eine Bearbeitung, noch eine freie Benutzung vor, sondern eine sogenannte „andere Umgestaltung“. Auch in diesem Fall ist eine Einwilligung des Originalurhebers erforderlich, wenn eine solche fremde Interpretation verwertet werden soll.

Da das Originalwerk jedoch nicht verändert wird, reicht eine bloße Lizenzeinräumung bei der GEMA (sofern der Originalurheber Mitglied bei der GEMA ist).

Rechtslage bei einem Remix

Ein Remix ist grundsätzlich eine Bearbeitung des Originalwerks. Der Remix als Endprodukt ist deutlich vom Bearbeiter geprägt, allerdings ist das Originalwerk immer noch erkennbar. Schließlich ist das Ziel eines Remixes nicht die Erschaffung eines komplett neuen Musikstücks. Vielmehr soll das Originalwerk lediglich klanglich bzw. stilistisch verändert, teilweise in ein anderes Musikgenre übertragen werden.

Somit ist eine Einwilligung des Originalurhebers in die Herstellung des Remix’ erforderlich. Im Gegensatz zu einer Coverversion reicht eine bloße Lizenzeinräumung durch die GEMA nicht aus. Eine Bearbeitung betrifft immer das Urheberpersönlichkeitsrecht des Originalurhebers (siehe hierzu: Wahrnehmungsvertrag).

Folglich muss mit dem Originalurheber ein Remixvertrag geschlossen werden.

Remixverträge

Die wohl wirtschaftlich relevanteste Form des Remix-Vertrags wird zwischen dem Rechteinhaber (meistens ein Tonträgerunternehmen) und einem professionellen Remixer geschlossen. Der Remixer bekommt den Auftrag ein Remix von einem kürzlich erschienenen oder in der Veröffentlichungsphase befindlichen Musikwerk zu erstellen.

Die Intention liegt darin, das Originalwerk zu promoten. Üblich ist die Veröffentlichung einer EP, auf der das Originalwerk zusammen mit einem oder mehreren Remixen ist. Je nach Bekanntheitsgrad des Remixers und Erfolg der Remixe, wird die Popularität des Originalwerks deutlich gesteigert.

Um diese Vermarktung der Remixes zu ermöglichen, überträgt der Remixer seine Rechte an seinen Werken im Rahmen des Remix-Vertrags exklusiv an das Tonträgerunternehmen. Als Gegenleistung erhält er eine meist pauschale Vergütung.

Rechtslage beim Sampling

Bei der rechtlichen Beurteilung von Sampling muss man zwischen den einzelnen Samples unterscheiden. Ein Sample ist immer ein kurzer Ausschnitt aus einem Musikwerk. Allerdings ist nicht jeder Ausschnitt urheberrechtsschutzfähig. Einzelne Töne oder Laute sind nicht schutzfähig. Problematisch ist die Beurteilung der Schutzfähigkeit von kurzen Riffs, Melodien und Rhythmen. Hier muss ein gewisser Wiedererkennungswert gegeben sein.

Wenn ein schutzfähiges Sample für ein neues Musikwerk genutzt wird, liegt eine Bearbeitung vor.

Samplingverträge

In einem solchen Fall ist ein Samplevertrag erforderlich. Die Vertragsparteien werden in der Praxis variieren. Entweder wird der Hersteller des Samples selbst, wahrscheinlicher aber der Produzent oder das Unternehmen, das seine Rechte wahrnimmt, mit dem Rechteinhaber an dem Originalwerk kontrahieren.

Der Samplevertrag sorgt dann für das sogenannte „Sample-Clearance“. Das ist die Sicherstellung, dass sämtliche Rechte etwaiger Dritter zur Durchführung des Samplings und der Verwertung des hergestellten Samples eingeräumt werden.

Die in der Praxis gewählten Vergütungsmodelle unterscheiden sich teilweise sehr stark. Am häufigsten wird wohl ein Pauschalbetrag vereinbart.

Individuelle Beratung

Samples und Remixes greifen mitunter tief in das Urheberpersönlichkeitsrecht der Originalurheber ein. Viele Künstler sind sich dem jedoch nicht bewusst. Eine rechtliche Auseinandersetzung in diesem Bereich ist daher leider nichts Ungewöhnliches. Wenn Sie an dem Thema interessiert, mit den rechtlichen Aspekten aber nicht vertraut sind, steht Ihnen die Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE gerne zur Seite.


Um Ihre Projekte auf ein sicheres Fundament zu stellen, ist eine vorherige rechtliche Prüfung ratsam. Hierbei helfen wir Ihnen! Unser Expertenteam um Rechtsanwältin Rafaela Wilde steht Ihnen unter der Rufnummer 0221 / 951 563 0 (Beratung bundesweit) gerne für eine erste Einschätzung zur Verfügung.


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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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