Reiserecht

Schmerzensgeld wegen allergischer Reaktion auf Erfrischungstuch

Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main hat entschieden, dass einem Reisenden ein Schmerzensgeldanspruch zusteht, wenn er während des Fluges durch die Verteilung von dampfenden Erfrischungstüchern eine schwerwiegende allergische Reaktion erleidet (Urteil vom 16.04.2014 – 16 U 170/13).

 

Erfrischungstuch wird zur Gesundheitsgefahr

Ein Erfrischungstuch sorgte bei einer Passagierin auf einem Flug von Indien nach Deutschland nicht für die erhoffte Erfrischung. Sie erlitt eine allergische Reaktion. Durch die allergische Reaktion wurde bei der Passagierin Atemnot ausgelöst, die eine ärztliche Behandlung und die Empfangnahme der Klägerin durch einen Notarzt nach der Landung erforderlich machte. Dabei hatte die Passagierin einem Crewmitglied einen entsprechenden Hinweis gegeben und darum gebeten, vom Verteilen der Tücher Abstand zu nehmen.

Erfrischungstuch ursächlich für allergische Reaktion

Das Gericht kam zu der Ansicht, dass das Verteilen der Erfrischungstücher ursächlich für die allergische Reaktion war. Die Passagierin müsse die durch die Erfrischungstücher ausgelösten Beschwerden auch nicht als Folge des allgemeinen Lebensrisikos hinnehmen. Das Flugpersonal habe entweder das Austeilen der Tücher komplett unterlassen oder aber die Frau so isolieren müssen, dass eine allergische Reaktion ausgeschlossen worden wäre. Auch wenn die Passagierin nur ein Crewmitglied über ihre Allergie informiert hatte, so hätte das gesamte Personal informiert werden müssen. Da dies nicht erfolgt ist, liege eine Pflichtverletzung der Beklagten vor. Denn auch in einem Großraumflugzeug habe sie die Fürsorge gegenüber einzelnen Passagieren, auf deren besondere Situation sie aufmerksam gemacht worden sei. Die allergische Reaktion sei durch eine typische, dem Luftverkehr eigentümliche Gefahr ausgelöst worden, so die Richter weiter. Die Passagierin könne daher auf der Grundlage des Montrealer Übereinkommens Schmerzensgeld verlangen.

Die Passagierin müsse sich jedoch ein Mitverschulden anrechnen lassen, da sie bemerkt habe, dass die Erfrischungstücher trotz ihres Hinweises ausgeteilt wurden. Sie hätte energischer dagegen protestieren, notfalls aufspringen und „Halt“ rufen müssen. Das OLG Frankfurt sprach ihr daher nur 1.500 Euro Schmerzensgeld zu. Das Landgericht (LG) Frankfurt sprach der Passagierin sogar 2.000 Euro zu, da es von einem ungekürzten Schmerzensgeldanspruch ausging.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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