Reiserecht

Rauch im Wellnesshotel berechtigt zum Rücktritt

Wellness-Urlaube sind in Deutschland durchaus beliebt. Gerade der scheinbar immer größer werdende Leistungsdruck veranlasst viele, die Seele für ein paar Tage baumeln zu lassen. Der Ärger ist daher oft umso größer, wenn gewisse Faktoren – wie Rauchen – die Wohlfühlatmosphäre beeinträchtigen. Mit einem solchen Fall hatte sich kürzlich das Amtsgericht Meldorf zu beschäftigen.

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©-Thomas-Jansa-Fotolia

Ein Ehepaar hatte ein Wellness-Wochenende gebucht, um mal richtig ausspannen zu können. Als sie aber das ihnen zugewiesene Hotelzimmer erreichten, war die Entspannung schnell verflogen: Entgegen kam ihnen nämlich ein starker Rauchgeruch. Diesen wollten die Eheleute nicht auf sich sitzen lassen und machten einen Reisemangel geltend. Da ihnen eine entsprechende Erstattung nicht gewährt wurde, fuhren sie wieder nach Hause, nicht ohne darauf hinzuweisen, die 349 Euro nicht zu bezahlen.

Zu Recht, so das AG Meldorf mit Urteil vom 29.03.2011 (Aktenzeichen 81 C 15/11). Die Reisenden müssen das verrauchte Zimmer nicht hinnehmen und sind sogar zum Rücktritt berechtigt. Anders sähe es nur aus, wenn ein Raucherzimmer im Vorfeld explizit vereinbart gewesen wäre. So sei aber der Zweck des Wochenendes eindeutig verfehlt worden. Die Reisenden wollten eine Wellness-Atmosphäre, die mit dem störenden Qualm-Geruch in keiner Weise gegeben ist.

Auch eine Teilleistung musste das Ehepaar nicht hinnehmen. Der Rauchgeruch im eigenen Zimmer war ein so wesentlicher Mangel, dass eine vollständige Rückabwicklung des Vertrages geboten war. Das Gericht machte zudem deutlich, dass insbesondere der Preis bei der Frage der Kostenerstattung eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Gerade bei den streitgegenständlichen 349 Euro durften die Eheleute eine angemessene Atmosphäre erwarten. Bei einem derart hohen Preis steigen auch die Anforderungen an die Leistung.

Das Urteil zeigt zum einen, dass heutzutage nicht nur der Service an sich, sondern auch die Atmosphäre eine große Rolle spielt. Wer Wellness-Atmosphäre will, soll sie auch uneingeschränkt bekommen. Zum anderen erstreckt sich der flächendeckende Schutz der Nichtraucher nicht nur auf Kneipen oder öffentliche Einrichtungen, sondern auch auf private Vertragsabschlüsse.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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