Reiserecht

Piloten-Streik geht weiter: Welche Rechte haben betroffene Fluggäste?

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit streikt erneut. Die deutsche Lufthansa wird am heutigen Dienstag und morgigen Mittwoch über 1500 Flüge streichen müssen. Viele Lufthansa-Kunden fragen sich nun, welche Rechte sie aufgrund von Verzögerungen und Annullierungen geltend machen können.

Piloten-Streik geht weiter: Welche Rechte haben betroffene Fluggäste? © ferkelraggae-Fotolia

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Über 180.000 Passagiere durch Streik betroffen

Nachdem das Landarbeitsgericht München den weiteren Piloten-Streik ab Mitternacht erlaubt hat und die Lufthansa mit einer einstweiligen Verfügung vor Gericht gescheitert ist, fallen am heutigen Dienstag insgesamt wohl 816 Kurzstreckenflüge aus. Am morgigen Mittwoch werden geschätzt 890 Kurz- und Mittel- und Langstreckenflüge nicht wie geplant abheben.

Welche Rechte haben betroffene Kunden?

Abhängig davon, ob ein gebuchter Flug verspätet abfliegt oder gänzlich annulliert wird, können Passagiere unterschiedliche Rechte geltend machen.

1. Rechte bei verspätetem Abflug

Fliegt ein Flugzeug verspätet ab, besteht eine Betreuungspflicht durch die verantwortliche Airline. Die Betreuungspflicht umfasst gemäß der EU-Richtlinie 261/2004 folgende Handlungspflichten und besteht verschuldensunabhängig, also auch im Falle eines Streikes:

  • Fluggäste haben Anspruch auf zwei Telefonate und zwei E-Mails
  • Essen und Getränke
  • Gegebenenfalls eine Hotelübernachtung.

Fluggäste können diese Rechte ab einer Verspätung von zwei Stunden geltend machen, wenn der verspätete Flug eine Flugdistanz bis zu 1500 Kilometer aufweist. Ist die Flugstrecke des Fluges 1500 bis 3500 oder mehr als 3500 Kilometer weit, können Kunden den Betreuungsanspruch nach drei bzw. vier Stunden gegenüber der Airline erheben.

Tipp: Grundsätzlich muss die Airline für die Betreuungskosten aufkommen und diese vorleistend für einen betroffenen Passagier entrichten. Die Praxis zeigt jedoch, dass dies nicht immer funktioniert: Fluggäste, die sich in einem Verspätungsfalle selbst um Verpflegung, Kommunikation oder Unterbringung kümmern müssen, sollten alle relevanten Belege aufbewahren. Die entstandenen Kosten können dann von der verantwortlichen Airline erstattet verlangt werden, sofern diese angemessenen waren.

2. Habe ich als Passagier ein Recht auf Entschädigung für annullierte Flüge?

Grundsätzlich haben Fluggäste dann ein Recht auf Entschädigung, wenn ein Flug mehr als drei Stunden verspätet abfliegt, gänzlich annulliert oder überbucht wird. Die Höhe der Entschädigung orientiert sich an der Distanz der Flugreise. Die Entschädigungssumme beträgt pro Passagier zwischen 250 und 600 Euro.

Ausnahme: Keine Entschädigung bei Streik

Eine Ausnahme von diesem Grundsatz aber gilt für Annullierungen und Verspätungen, die auf außergewöhnlichen Umständen beruhen. Streikbedingte Ausfälle von Flügen werden als außergewöhnliche Umstände bewertet. Im Regelfall also können Passagiere keine Entschädigung verlangen, wenn Flüge aufgrund von Streikmaßnahmen ausfallen. Die Durchsetzung von Entschädigungsansprüchen kann nur im Einzelfall dann erfolgsversprechend sein, wenn beispielsweise der Zeitpunkt des Abfluges nicht mehr im direkten Zeitraum eines Streiks liegt und der Flug lediglich aufgrund eines bevorstehenden oder beendeten Streiks und dessen weiteren Auswirkungen auf den Flugplan annulliert wird. Gleiches gilt, wenn ein Fluggast nachweisen kann, dass eine Airline nicht genug organisatorischen Aufwand betrieben hat, um die Folgen des Streiks für Fluggäste abzumildern.

3. Wie komme ich trotz Streik an meinen Zielort?

Die verantwortliche Fluggesellschaft muss sich im Streikfalle darum kümmern, dass Passagiere dennoch an ihren Zielort gelangen. Dafür muss eine Airline betroffene Passagiere in einem ersten Schritt über Flugausfälle informieren. Gleichzeitig ist sie verpflichtet einen Ersatzflug zu organisieren und betroffenen Passagieren so alternative Beförderungsmöglichkeit anzubieten. Passagiere können jedoch ab einer Verspätung von fünf Stunden auch vom Beförderungsvertrag zurücktreten und die Erstattung des Flugpreises verlangen und stehen somit vor der Wahl: Rücktritt vom Flug, Annahme eines Umbuchungsangebotes oder Ausweichen auf anderes Transportmittel.

Tipp: Alternativer Transport im Inland – Bahn statt Flug

Flugreisende, die von einem Streik betroffen sind, können auf die Deutsche Bahn umsteigen. Werden Flüge annulliert, können Flugtickets in Bahntickets umgewandelt werden. Vor allem für kürzere Distanzen kann dies eine zielführende Lösung sein. Bestenfalls nehmen Fluggäste den Umtausch-Service der eigenen Airline in Anspruch. Werden Bahntickets eigenhändig gekauft und mit eigenen Mitteln erworben, sollten Belege aufbewahrt werden, um die Kosten von der Airline zurück holen zu können. Im Einzelfall erlauben Fluglinien auch die Nutzung eines Mietwagens oder Taxis – beides muss im Vorfeld mit der Airline ausgehandelt werden.

4. Muss ich pünktlich am Check-In Schalter sein?

Ja. Fluggäste sollten pünktlich am Check-In Schalter sein – auch wenn sich der Abflug anscheinend verzögert oder der Flug annulliert wurde. Die Airline wird versuchen alle Fluggäste effizient umzubuchen und die Einschränkungen der Reisenden so gering wie möglich zu halten. Anderes gilt nur dann, wenn ein Streik längere Zeit dauert. In diesen Fällen kann es ausreichend sein, dass im Vorfeld Kontakt mit der Airline aufgenommen und die Daten eines Ersatzfluges abgesprochen werden.

5. Wie verhalte ich mich als Pauschalreisender?

Pauschalreisende müssen sich im Streikfalle an den eigenen Reiseveranstalter wenden. Der Reiseveranstalter ist dann in der Pflicht einen Alternativtransport zu organisieren. Rechte auf nachträgliche Minderung des Reisepreises ergeben sind dann, wenn sich die Reisedauer durch einen Streik verkürzt. Ist eine Kürzung erheblich und mindert den Erholungswert enorm, kann eine Pauschalreise dann unter Umständen auch kostenfrei storniert werden.

Fazit:

Kunden haben im Streikfalle einer Fluggesellschaft zwar regelmäßig keinen Anspruch auf eine Entschädigung, können sich jedoch mit anderen Ansprüchen an die Airline wenden: Die Airline muss sich um einen alternativen Transport zum Zielort kümmern und verschuldensunabhängig die Betreuungskosten im Verspätungsfalle übernehmen. Passagiere sollten im Falle eines Streiks nachfragen, ob ihr Flug betroffen ist und pünktlich am Check-In sein. Anderes gilt nur, sofern die Daten eines Ersatzfluges nicht schon bekannt sind. Das weitere Vorgehen wird bestenfalls in engem Kontakt mit der verantwortlichen Airline oder dem verantwortlichen Reiseveranstalter abgestimmt. (NH)

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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