Reiserecht

Passagier-Rausschmiss bei United Airlines – Ihre Flugrechte bei Überbuchung und Verspätung

Der Flug 3411 der Fluggesellschaft United Airlines hatte nicht genügend Sitzplätze für alle Fluggäste. Das hatte für einen der Passagiere den Rausschmiss zur Folge. Doch warum gehören überbuchte Flugzeuge zum Standard und was für Rechte haben die Passagiere bei Überbuchung oder Verspätung ihrer Flüge? Wir erläutern die Rechtslage:

Überbuchtes Flugzeug – Fotolia.de © mg1708

Auf dem United Airline-Flug 3411 von Chicago nach Louisville gab es nicht genügend Sitzplätze für alle Passagiere. Doch ein überbuchter Flug allein ist keine Besonderheit. Es ist eine alltägliche Situation die bei allen Fluggesellschaften eintreten kann.

Aufgrund der Überbuchung von Flug 3411 wurde jedoch ein Mann verletzt. Nachdem festgestellt wurde, dass eine Überbuchung des Fluges vorliegt wurde zunächst versucht Freiwillige zu finden, die gegen Entschädigung vom Flug zurücktreten. Als dies nicht gelang, da niemand das Ersatzangebot der Airline annehmen wollte, griff man auf eine andere Möglichkeit zurück. Nach dem Zufallsprinzip wurden vier Passagiere ausgewählt, die das Flugzeug wieder verlassen mussten. Einer der Fluggäste weigerte sich jedoch dieser Aufforderung nachzukommen. Daraufhin wurde er sehr rabiat von den Sicherheitsleuten aus der Maschine befördert. Das Ganze wurde von zahlreichen anderen Passagieren gefilmt und verbreitete sich rasend schnell im Netz. Ein Video zeigt einen der Sicherheitsleute wie er den schreienden Mann an den Armen aus dem Flugzeug heraus schleift. Dabei zog sich der Passagier offenbar auch leichte Verletzungen zu.

Warum kommt es zu Überbuchungen?

Überbuchungen werden bei fast allen Flügen vorgenommen, um eine möglichst hohe Auslastung zu erreichen und wirtschaftlich zu arbeiten. Welche Flüge in welchem Maß überbucht werden können, wird mit Hilfe von Prognosesystemen berechnet, dass Faktoren wie zum Beispiel Strecke und Zeitpunkt mit einbezieht. Anhand von Erfahrungswerten wird so die erwartete Passagierzahl errechnet. Aus der Berechnung ergibt sich auch, wie viele Passagiere voraussichtlich ihren Flug nicht antreten werden (sog. „No-Shows“) und wie hoch eine Überbuchung dementsprechend sein darf. Die Anzahl der „No-Shows“ ist beispielsweise auf beliebten Businessstrecken wesentlich Höher als bei Flügen in Urlaubsgebiete. Das liegt daran, dass sich Geschäftsleute häufig mehrere Optionen offen halten, indem sie gleich mehrere Flüge buchen. Im Schnitt wird eine Überbuchung von ca. 10 % pro Flug angenommen.

Für den Fall, dass es letztendlich tatsächlich zu wenige Sitzplätze für alle Fluggäste gibt, haben viele Airlines ein standardisiertes Vorgehen. Als erstes wird nach Freiwilligen gesucht, die vom Flug zurücktreten. Als Gegenleistung werden ihnen alternative Flüge, finanzielle Entschädigungen nach EU-Recht und gegebenenfalls eine Hotelübernachtung angeboten. In einigen Fällen können die überzähligen Fluggäste auch in die nächsthöhere Klasse versetzt werden. Finden sich keine Freiwilligen werden die zuletzt eingecheckten Passagiere angesprochen. Besteht für sie kein terminlicher Druck wird ihnen der Zutritt zum Flugzeug im Zweifel verweigert oder sie müssen das Flugzeug wieder verlassen.

Viele Airlines bieten darüber hinaus eine weitere Gegenleistung an, wenn jemand freiwillig auf seinen Flug verzichtet.

Fluggastrechte bei Überbuchung des Fluges

Ist der Flug gebucht und auch bezahlt, ist mit der Fluggesellschaft ein Beförderungsvertrag zustande gekommen. Es besteht deshalb ein Anspruch darauf auch tatsächlich befördert zu werden. Dieser Anspruch kann von den Fluggesellschaften auch im Wege der Ersatzbeförderung erfüllt werden.

Die Fluggesellschaften dürfen die Fluggäste im Zweifel auch  gegen ihren Willen abweisen. Zum Beispiel dann, wenn sich keine Freiwilligen finden, die auf den Flug verzichten. Dann können die Passagiere wählen, ob sie einen alternativen Flug wahrnehmen oder sich den Flugpreis erstatten lassen. Nach der EU-Fluggastrechteverordnung ((EG) Nr. 261/2004) muss außerdem eine finanzielle Entschädigung gezahlt werden, die sich je nach Flugdistanz auf 250, 400 oder 600 EUR beläuft. Daneben besteht ein Anspruch auf „Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit“ und wenn erforderlich auf Unterbringung in einem Hotel, inklusive Transfer.

Die Fluggesellschaften müssen den Fluggästen auch anbieten gebührenfrei zwei Telefonate führen zu können oder zwei E-Mails o.ä.  versenden zu können.

Gelten diese Rechte auch bei Verspätung?

Die EU-Fluggastrechteverordnung regelt nicht nur die Fluggastrechte bei Überbuchung, sondern auch bei großer Verspätung.

Ab einer dreistündigen Verspätung besteht ein Anspruch der Fluggäste auf Entschädigung. Auch hier müssen je nach Flugdistanz 250, 400 oder 600 EUR an die Gäste gezahlt werden.

Außerdem stehen den Passagieren je nach Fluglänge und Wartezeit kostenlose Mahlzeiten und Erfrischungen, sowie zwei entgeltlose Telefonate, E-Mails o.ä. zu.

Ab einer Wartezeit von fünf Stunden besteht neben dem Anspruch auf Entschädigung die Möglichkeit vom Flug zurückzutreten und sich den Flugpreis erstatten zu lassen. Wird der Flug auf den nächsten Tag verschoben muss die Fluggesellschaft auch hier die Kosten für ein Hotel sowie den Transfer dorthin übernehmen.

Zu Beachten ist jedoch, dass die EU-Fluggastrechteverordnung nicht bei allen Verspätungen Anwendung findet. Beispielsweise gilt sie nicht, wenn die Verspätung auf einem Streik oder  Radarausfall beruht.

ahö

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (1)

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  1. Carlos V. sagt:

    Das ist so nicht ganz richtig. United Airlines wollte, nachdem die Passagiere das Flugzeug bereits betreten und platzgenommen haben, noch einige Crew-Mitglieder zum nächsten Einsatzort befördern. Die Situation entstand also nicht durch eine Überbuchung des Flugzeugs sondern durch eine Fehlplanung seitens der Fluggesellschaft. Hätte eine Überbuchung vorgelegen hätte man das Problem bereits am Gate also vor dem Einsteigen in das Flugzeug gelöst.

    Daher hätte ich gerne gewusst ob man Passagiere abweisen kann die bereits im Flugzeug sitzen und notfalls gewaltsam aus der Maschine entfernen lassen kann selbst wenn keine Überbuchung vorliegt.

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