Reiserecht

Mängelanzeigen im Reiserecht sind nur gegenüber der Reiseleitung wirksam

Die beliebteste Jahreszeit stellt zweifelsohne die Urlaubszeit dar. Viele können es kaum erwarten ihren wohl verdienten Urlaub anzutreten. Das letzte was man in diesem Zusammenhang gebrauchen kann ist eine Unterkunft, die den Versprechungen aus dem Katalog nicht entspricht. In diesem Fall ist eine unverzügliche Mängelanzeige anzuraten. Diese Mängel sind jedoch nach einem Urteil des Amtsgerichtes München gegenüber der Reiseleitung anzuzeigen und nicht gegenüber der Hotelrezeption (Amtsgericht München, Urteil vom 12.04.2013 – 264 C 25862/11).  Mängelanzeigen bei der Hotelrezeption sind nicht ausreichend.

 Mängelanzeigen an der Rezeption reichen nicht ©-Thomas-Jansa-Fotolia

Mängelanzeigen an der Rezeption reichen nicht ©-Thomas-Jansa-Fotolia

Ersatzansprüche bestehen erst ab dem Zeitpunkt der Mängelanzeigen gegenüber dem Reiseveranstalter

Dem Urteil des Amtsgerichtes München diente folgender Sachverhalt als Grundlage. Ein Paar buchte eine 14-tägige All-Inclusive Reise nach Griechenland. Vor Ort sollten sie ein Zimmer beziehen, welches einige Mängel aufwies. Hierbei wurden Schimmelflecken an den Wänden und einige unhygienische Rückstände von ehemaligen Besuchern vorgefunden. Zudem wurde das Zimmer als nicht hinreichend sicher empfunden, da die Stromleitungen teilweise aus der Wand hingen und einige technische Mängel festgestellt wurden. Beispielsweise war auch die Klimaanlage defekt. Diese Mängel wurden vom Ehepaar unverzüglich bei der Hotelrezeption gerügt. Eine Anzeige gegenüber der Reiseleitung erfolgte jedoch erst 10 Tage nach der Ankunft.

Umzugsangebot in ein anderes Hotel der gleichen Kategorie ist zumutbar

Nach der Mängelanzeige erfolgte von der Reiseleitung umgehend ein Angebot das Hotel zu wechseln. Hierbei bestand die Möglichkeit ein Hotelzimmer der gleichen Kategorie zu beziehen. Dieses Angebot wurde jedoch mit dem Verweis der kurzen Resturlaubszeit von 4 Tagen abgelehnt.

Diese Sichtweise wurde jedoch vom Amtsgericht München nicht geteilt. Vielmehr ist ein Angebot aufgrund der kurzen Resturlaubszeit nicht als unzumutbar anzusehen. Das Angebot des Reiseleiters war geeignet, um für die restliche Verweildauer den Zustand herzustellen, der laut Reisekatalog im Vorfeld vereinbart worden ist.

Die Hotelrezeption ist kein Erfüllungsgehilfe des Reiseveranstalters

Nach der Rückkehr aus dem Urlaub verlangte das Paar anteilig eine Rückzahlung des Reisepreises und darüber hinaus Schadensersatz für die vertane Urlaubszeit. Diesem Verlangen ist der Reiseveranstalter nicht nachgekommen.

Der Ansicht des Reiseveranstalters ist auch das Amtsgericht München gefolgt. Hierbei wurde begründet, dass für die ersten 10 Tage keinerlei Ansprüche gegen den Reiseveranstalter bestehen, da die Mängel nicht dem Reiseunternehmen angezeigt wurden. Dem Reiseveranstalter hätte die Möglichkeit gegeben werden müssen um Abhilfe zu leisten. Die Anzeige bei der Hotelrezeption genügt nicht um mögliche Ansprüche gegen den Reiseveranstalter auszulösen. Schließlich ist die Hotelrezeption kein Erfüllungsgehilfe des Reiseveranstalters. Ferner bestehen auch für die letzten 4 Tage keine Ersatzansprüche, da der Reiseveranstalter in Form eines Hotelwechsels ein zumutbares Angebot abgegeben habe, welches von dem Paar abgelehnt worden ist. Dieses Angebot war jedoch zumutbar, da sie ohne weitere Einschnitte dieses Angebot hätten wahrnehmen können.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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