Reiserecht

Kinderlärm im Urlaub stellt keine besondere Beeinträchtigung dar

Der geplante oder bereits gebuchte Urlaub stellt für viele Arbeitstätige eine starke Motivation dar um den Arbeitsalltag zu meistern. Im Urlaub möchte man jeglichen Stress zurücklassen und neue Kräfte sammeln. Für viele Urlauber ist dies jedoch nicht möglich, wenn Lärm die Erholung gefährdet. Daher suchen viele Urlauber ihren Urlaubsort gezielt nach Kriterien aus, die eine Erholung bestmöglich gewährleisten. Sehr beliebt sind hierbei Clubanlagen, die Besuchern unter 18 Jahren keinen Zutritt gestatten. Hierdurch schützen sich viele Urlauber vor lärmenden Kindern. Für diesen Umstand sind die Urlauber gerne bereit einen höheren Preis für ihre Urlaubsreise zu investieren. Besonders ärgerlich ist es jedoch, wenn trotz Zusicherung lärmende Kinder in der Clubanlage vorgefunden werden. Nicht wenige Urlauber erachten ihre Reise in diesem Fall als völlig wertlos. Im Anschluss stellt sich die Frage inwiefern die betroffenen Urlauber ihr Geld vom Reiseveranstalter zurückverlangen dürfen. Einen derart gelagerten Fall musste kürzlich das Amtsgericht Hannover entscheiden und kam zum Ergebnis, dass Kinderlärm als sozialadäquat hinzunehmen sei (Amtsgericht Hannover, Urteil vom 11.07.2014 – 558 C 2900/14).

Kinderlärm im Urlaub stellt keine besondere Beeinträchtigung dar©-ferkelraggae-Fotolia-Fotolia_31081868_XS

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Vollständige Ruhe kann nicht gewährleistet werden

Sofern die Urlauber sich bei der Buchung bewusst für eine Anlage entschieden haben, die nur Volljährigen den Zutritt gestattet so sei dies kein entscheidendes Kriterium für die Lärmentwicklung. Schließlich sei eine völlige Ruhe auch bei ausschließlich volljährigen Gästen in der Hochsaison nicht zu erwarten. Lediglich eine Beeinträchtigung der Nachtruhe oder ein Ausbleiben der vereinbarten Serviceleistungen berechtigen den Urlauber den Reisepreis zu mindern. Ein als sozialadäquat einzustufender Kinderlärm berechtigt lediglich zu einer Minderung in Höhe von 10 % des Reisepreises. Als Grundlage für diese Berechnung wurden Minderungsansprüche wegen Baulärms hinzugezogen. Der Reiseveranstalter ist darüber hinaus verpflichtet den Urlauber im Vorfeld darüber zu informieren, dass entgegen der Buchungsvereinbarung dennoch nicht ausgeschlossen werden kann, dass Kinder in der Clubanlage angetroffen werden können. Sofern eine gebührenfreie Reiseänderung oder Stornierung angeboten wird, genügt dies für den Reiseveranstalter um seinen Pflichten aus seinem Reisevertrag nachzukommen.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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