Reiserecht

Fluggesellschaft muss Schmerzensgeld nach allergischem Schock eines Fluggastes zahlen

Schadensersatzverlangen wegen Mängeln bei Flugreisen haben meist die Ursache, dass es zu Verspätungen gekommen ist. Je nach Strecke und Verzögerung steht den Kunden eine mehr oder weniger hohe Entschädigung zu. Ansprüche können aber durchaus auch anderweitig bestehen, beispielsweise wenn es während des Fluges selbst zu Ungereimtheiten kommt. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main hat einer Reisenden vor kurzem Schmerzensgeld aufgrund eines allergischen Schocks zugesprochen.

 

Fluggesellschaft muss Schmerzensgeld nach allergischem Schock eines Fluggastes zahlen  © Africa Studio - Fotolia.com

Fluggesellschaft muss Schmerzensgeld nach allergischem Schock eines Fluggastes zahlen © Africa Studio – Fotolia.com

 

Typische Gefahr des Luftverkehrs

Das war passiert: Die spätere Klägerin befand sich Ende 2010 auf einer Flugreise der Beklagten von Indien nach Deutschland. Dabei wurden von den Servicekräften dampfende Erfrischungstücher, auch unter dem Namen Saunatücher bekannt, ausgeteilt. Der Klägerin bekam davon allerdings keine Erfrischung, sondern einen allergischen Schock mitsamt Atemnot. Folge war eine kostspielige ärztliche Behandlung und ein Gerichtsprozess vor dem Landgericht Frankfurt um die Kostenübernahme.

Der Klägerin wurde zunächst vom LG Frankfurt ein Schmerzensgeld von 2.000 Euro zugesprochen (Urteil vom 30.08.2013, Az. 2-24 O 93/12). Nicht viel anders urteilte auch das OLG Frankfurt am Main auf die Berufung (Urteil vom 16.04.2014, Az. 16 U 170/13). Ein Schmerzensgeld ergebe sich aus dem Montrealer Übereinkommen, da die Allergie durch eine typische, dem Luftverkehr eigentümliche Gefahr ausgelöst worden sei. In der erstinstanzlichen Beweisaufnahme war bereits die Kausalität zwischen dem Austeilen der Tücher und der allergischen Reaktion bewiesen worden.

Mitverschulden des Fluggastes

Die Beklagte argumentierte im Kern, dass ein solches Ereignis dem allgemeinen Lebensrisiko zuzurechnen sei. Dagegen waren die Richter der Meinung, dass die Crewmitglieder der Fluggesellschaft von der Allergie hätten wissen müssen, da die Klägerin einem Mitarbeiter einen Hinweis diesbezüglich gegeben habe. Aufgrund dessen hätten sie Anstrengungen unternehmen müssen, eine solche Beeinträchtigung zu verhindern. Das Wissen des einen Mitarbeiters ist auch allen anderen zuzurechnen.

Im Gegensatz zum Landgericht ging das OLG aber auch von einem Mitverschulden der Klägerin aus, so dass der Schmerzensgeldanspruch entsprechend gekürzt wurde. Die Anspruchstellerin hätte beim Verteilen der Tücher nochmal mit Nachdruck auf ihre Gefährdung aufmerksam machen müssen, statt es über sich ergehen zu lassen.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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