Reiserecht

Europäische Richter stärken Rechte von Reisenden

Die Rechte der Flugreisenden wurden erneut durch die EuGH Richter gestärkt (C-11/11)- nachdem erst Ende Januar der Europäische Gerichtshof die Rechte von Reisenden bei Flugannullierungen gestärkt hatte und entschieden hat, dass Airlines ihren Kunden auch dann Versorgungskosten erstatten müssen, wenn Flüge aufgrund von Naturkatastrophen ausfallen.

flug, anschlussflug

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Grund des Urteils war die europäische Luftraumsperrung im April 2010 nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjalla, urteilten nun die Richter, dass Fluggäste Anspruch auf Schadensersatz haben, wenn einer der Flüge bei mehreren Teilstrecken Verspätung hat. Entscheidend ist nämlich die Ankunftszeit am Zielort.

 

Im konkreten Fall klagte eine deutsche Reisende, die bei Air France einen Flug von Bremen über Paris und Brasilien nach Paraguay gebucht hatte. Weil der Flug in Bremen mit einer zweieinhalbstündigen Verspätung startete, verpasste die Frau ihre beiden Anschlussflüge und kam deshalb in Paraguay mit mehr als elf Stunden Verspätung an. Die Fluggesellschaft verweigerte die Ausgleichszahlung mit der Begründung, Ihrer Ansicht nach sei die Verspätung beim Abflug maßgeblich und  nicht bei der Ankunft. Die Richter kamen zu der Auffassung, dass Verspätungen auch am Zielort des letzten Flugs beurteilt werden müssten, weil den Reisenden aufgrund verspäteter Flüge Unannehmlichkeiten am Reiseziel entstünden.

 

Wenn der Grund der Verzögerung oder des Ausfalls jedoch durch außergewöhnliche Umstände verursacht wurde, hat der Passagier kein Recht auf Kompensation (wie z.B. bei einem Streik). Der Ausgleich, den die Fluggesellschaften leisten müssen, ist abhängig von der zurückgelegten Entfernung. Dabei kommen Entschädigungen in Höhe von 250, 400 oder 600 € in Betracht. Bei einer Annullierung oder Nichtbeförderung muss die Airline außerdem eine Ersatzbeförderung anbieten oder die Kosten für das Flugticket erstatten. Bei Verspätungen von mehr als fünf Stunden können sich Betroffene das Flugticket ebenfalls komplett erstatten lassen. Muss der Fluggast aufgrund der Verspätung eine Nacht am Flughafen verbringen, so hat die Fluggesellschaft eine Ersatzbeförderung anzubieten und ein Hotel zur Verfügung zu stellen.

 

Bei Verspätung von mehr als 5 Stunden muss die Airline Mahlzeiten, Getränke, 2 kostenlose Telefonate und E-Mail Zugang ermöglichen.

 

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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