Reiserecht

Bahnstreik: Bahnkunden aufgepasst – So kommen Sie an Ihr Geld!

Von dem neuerlichen Bahnstreik sind tausende Bahnkunden betroffen. Die Deutsche Bahn erstattet ihren Bahnkunden bei Zugausfällen den vollen Fahrpreis. Doch wie ist es eigentlich bei Zugverspätungen aufgrund eines Bahnstreiks? Wie viel Geld steht dann den Bahnkunden zu? Der folgende Beitrag gibt Ihnen Antworten.

 Bahnstreik: Bahnkunden aufgepasst - So kommen Sie an Ihr Geld!© PictureP.-Fotolia

Bahnstreik: Bahnkunden aufgepasst – So kommen Sie an Ihr Geld!© PictureP.-Fotolia

Zunächst einmal ist wichtig zu wissen, dass die Deutsche Bahn nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs in diesem Fall keine höhere Gewalt geltend machen kann (Rechtssache C-509/11). Bahnkunden müssen das Fahrgastrechte-Formular ausfüllen,  welches auf der Webseite der Bahn vorzufinden ist. Dabei müssen Originalfahrkarten, Kopien von Zeitkarten oder Originalbelege einer Hotelübernachtung beigelegt werden. Das Formular kann entweder in einem Deutsche Bahn Reisezentrum abgeben oder per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte, 60647 Frankfurt/Main geschickt werden.

Erstattung des Fahrpreises bei Verspätung

Die Deutsche Bahn erstattet ihren Bahnkunden ab 60 Minuten Verspätung 25 % des Fahrpreises, ab 120 Minuten 50 %. Bei einer Verspätung des ICE-Sprinters wird ab 30 Minuten der Sprinter-Aufpreis zurückgezahlt.

Entschädigung bei Fahrten im Nahverkehr

Für Fahrten im Nahverkehr in der 2. Klasse werden ab 60 Minuten Verspätung 1,50 Euro pro Fahrt erstattet. In der 1. Klasse sind es 2,25 Euro. Zu den Zeitkarten im Nahverkehr zählen auch das Schönes-Wochenende-Ticket, das Quer-durchs-Land-Ticket und die Länder-Tickets. Bei Wochen- und Monatskarten rät die Bahn, die Verspätungsfälle nach Ablauf der Geltungsdauer des Tickets gesammelt beim Servicecenter Fahrgastrechte einzureichen. Bei Jahreskarten können die Verspätungsfälle aber auch im Laufe des Jahres eingereicht werden. Entschädigungsbeträge von weniger als 4 Euro werden nicht ausgezahlt. Für Bahnkunden heißt das, dass sie mehrere Verspätungen sammeln und diese dann zusammen geltend machen müssen.

Entschädigung bei Fahrten im Fernverkehr

Bei Fahrten im Fernverkehr der 2. Klasse erhalten Bahnkunden pro Fahrt ab 60 Minuten Verspätung 5 Euro. Bahnreisende der 1. Klasse kriegen 7,50 wieder. Wer eine BahnCard 100 besitzt, kann in 2. Klasse 10 Euro pro Fahrt zurückfordern und in der 1. Klasse 15 Euro. Für Zeitkarten im Nah- und Fernverkehr gilt: Mehr als 25 Prozent des Zeitkartenwertes werden nicht erstattet. Außerdem gibt es, anders als bei normalen Tickets, auch nicht mehr Geld ab 120 Minuten Verspätung.

Reiserücktritt bei mehr als 60 Minuten Verspätung

Hat die Deutsche Bahn eine  Verspätung von mehr als 60 Minuten am Zielbahnhof, so können Bahnkunden vor Fahrtantritt von der Reise zurücktreten und sich den vollen Fahrpreis erstatten lassen. Dies gilt selbst dann, wenn Fahrgäste die Reise bereits angetreten haben, diese aber dann abbrechen und zum Startbahnhof zurückkehren, weil die Fahrt durch die Verspätung für sie sinnlos geworden ist.

Ist eine Verspätung von mindestens 20 Minuten zu erwarten, dürfen Fahrgäste die Reise mit einem anderen Zug antreten oder fortsetzen. Hiervon ausgenommen sind Züge mit Reservierungspflicht. Dazu gehören die ICE Sprinter oder City Night Liner. Inhaber einer Nahverkehrskarte müssen sich jedoch zunächst eine Fernverkehrsfahrkarte für den anderen Zug kaufen. Die entstehenden Kosten bekommt der Bahnkunden sodann erstattet. Ausgenommen von dieser Regelung sind ermäßigte Fahrkarten wie zum Beispiel die Länder-Tickets.

Bahnkunden können auf andere Verkehrsmittel umsteigen

Sind Bahnkunden von einer Verspätung von mindestens 60 Minuten betroffen, können sie auf ein anderes Verkehrsmittel wie Bus oder Taxi umsteigen. Diese Möglichkeit besteht allerdings nur bei einer planmäßige Ankunftszeit zwischen 0.00 und 5.00 Uhr morgens. Die anfallenden Kosten werden jedoch nur bis zu einem Betrag vom maximal 80 Euro erstattet. Bahnkunden müssen das Original der Busfahrkarte oder Taxi-Quittung aufheben. Dies gilt auch, wenn ein Zug ausfällt und gleichzeitig die letzte fahrplanmäßige Verbindung des Tages ist.

Deutsche Bahn erstattet auch Hotelkosten

Muss der Bahnkunde aufgrund einer Verspätung im Hotel übernachten, weil die Fortsetzung der Reise am selben Tag nicht mehr zumutbar ist, erstattet die Deutsche Bahn auch die Hotelkosten. Bahnkunden sollten als Beweis die Hotelrechnung aufbewahren.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (2)

Kommentar schreiben | Trackback URL

  1. Florian Satzger sagt:

    Hallo Herr Schultz,

    vielen Dank für den informativen Beitrag. Die getätigten Aussagen bezüglich Erstattung gelten ja auch unabhängig vom Bahnstreik.

    Dazu zwei Fragen: Wissen Sie, ob man als Zeitkarteninhaber tatsächlich jede einzelne Verspätung bestätigen lassen muss oder ob es ausreicht, sie zu dokumentieren (Datum, Zug, geplante Ankunft, tatsächliche Ankunft) und dann am Ende des Jahres die (dann sicherlich reichlich dicke) Sammlung einzureichen?

    Und muss die Verspätung bei einer Strecke 60 Minuten betragen oder zählen auch gesammelte 3x 20 Minuten? Andernfalls ist man als Pendler ja wirklich der Buhmann – über 2000€ im Jahr und zusammengerechnet irre Arbeitsausfälle ohne Schadensersatz?

    Vielen Dank und viele Grüße

  2. […] Bahnstreik: So kommen Kunden an ihr Geld – Wilde Beuger SolmeckeNov 7, 2014 – Bahnstreik: Bahnkunden aufgepasst – So kommen Sie an Ihr Geld!© PictureP. … Die Deutsche Bahn erstattet ihren Bahnkunden ab 60 Minuten … […]

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×