Rechtsfall des Tages

Rechtsfall des Tages: Reparaturkosten bei wirtschaftlichem Totalschaden

Frage: Reparatur oder Ersatzwagen – welche Kosten kann ich beim Kfz-Unfall geltend machen? Und wie sieht es aus beim „Wirtschaftlicher Totalschaden“?

Antwort: Wer einen Verkehrsunfall erleidet und einen Schadensersatzanspruch hieraus gegenüber einem Dritten erlangt, darf grundsätzlich entscheiden, ob er Kosten für einen Ersatzwagen (abzgl. des Restwertes des Unfallfahrzeugs) oder Kosten für die Reparatur verlangt. Möchte er den Wagen nicht tatsächlich reparieren lassen, darf er zumindest die fiktiven gutachterlich festgestellten Reparaturkosten abzüglich der MwSt. verlangen.

 

Allerdings muss dabei der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit beachtet werden, denn der Geschädigte ist zur Schadensminderung verpflichtet. D.h. er soll diejenige Variante wählen, die weniger Kosten verursacht. Dabei stehen die Kosten für einen gleichwertigen (gebrauchten) Ersatzwagen den Kosten der Reparatur gegenüber.

 

Genauer: Der Wiederbeschaffungsaufwand steht dem Reparaturaufwand gegenüber! Der  Wiederbeschaffungswert stellt den brutto Händlerpreis eines Fahrzeuges, welches mit dem verunfallten Wagen hinsichtlich Modell, Ausstattung, Abnutzung, Alter etc. vergleichbar ist, dar. Von diesem wird nun der Restwert des verunfallten Fahrzeuges abgezogen. Dies ist dann der Wiederbeschaffungsaufwand. Der Reparaturaufwand sind hingegen die Kosten der Reparatur zuzüglich des Minderwertes, der dem Unfallwagen trotz Reparatur verbleibt.

Bsp: Die Kosten für einen Ersatzwagen betragen 12.000 €. Der verunfallte Wagen hat noch einen Restwert von 6000 €. Dies ergibt einen Wiederbeschaffungsaufwand von 6.000 €.

Die Reparaturkosten betragen 3.000 € (inkl. MwSt.). Hinzugerechnet wird ein vom Gutachter geschätzter Minderwert von 1.500 €. Dies ergibt einen Reparaturaufwand von 4.500 €.

Da in unserem Beispiel der Reparaturaufwand geringer ist als der Wiederbeschaffungsaufwand, können nur die Kosten für die Reparatur verlangt werden in Höhe von 4.500 €.

 

Wenn die Reparaturkosten die Kosten für einen Ersatzwagen, hingegen übersteigen, spricht man von einem „wirtschaftlichen Totalschaden“.

 

Im Gegensatz zu einem „technischen Totalschaden“ ist die Reparatur dann zwar noch möglich, diese lohnt sich aus wirtschaftlicher Betrachtung aber nicht mehr.

 

Da der Autofahrer aber unter Umständen an seinem bisherigen Fahrzeug „hängt“, sei es aus sentimentaler Verbundenheit oder weil es schwer ist ein vergleichbares Fahrzeug mit derselben Ausstattung aufzutreiben, ist sein Integritätsinteresse besonders geschützt.

 

Unter bestimmten Voraussetzungen darf der Geschädigte ausnahmsweise das beschädigte Fahrzeug reparieren lassen auf Kosten des Schadensersatzpflichtigen, auch wenn dies die teurere Variante darstellt. Allerdings darf die Reparatur inklusive MwSt. nicht 130 % des Wiederbeschaffungswertes, also die Kosten für ein gleichwertiges Fahrzeug ohne Abzug des Restwertes, übersteigen. Unterhalb dieser 130 % Grenze kann der Geschädigte noch Reparatur verlangen, wenn er das Fahrzeug auch tatsächlich und fachgemäß reparieren lässt. Bloß fiktive Reparaturkosten dürfen dann nicht mehr verlangt werden.

Außerdem muss der Geschädigte sein altes Fahrzeug auch noch mindestens 6 Monate nutzen. Denn das ist ja der Grund der Ausnahme-Regelung.

 

Wenn die Reparaturkosten allerdings die 130 % Grenze überschreiten, dann kann er nur die Kosten für einen Ersatzwagen verlangen. Es ist nicht möglich die überschüssigen Kosten der Reparatur selbst zu tragen und in Höhe der 130 % abrechnen zu lassen. Hier entfällt der Anspruch auf Reparaturkostenersatz in voller Höhe.

 

Also: Wer einen Schadensersatzanspruch gegen einen Dritten hat wegen einem Fahrzeugschaden, darf wählen, ob er Reparaturkosten oder die Kosten für ein Ersatzfahrzeug geltend machen möchte. Grundsätzlich muss er aber die kostengünstigere Variante nehmen, es sei denn er hat vor seinen geliebten Wagen tatsächlich zu reparieren und auch – weiterhin zu nutzen. Dann dürfen die Reparaturkosten auch höher ausfallen als die Kosten für einen Ersatzwagen!

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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