Rechtsfall des Tages

Lehramtsstudenten sind nach erfolgreichem Bachelorabschluss notenunabhängig zum Masterstudiengang zuzulassen

Für viele Studenten beginnt mit der Wahl des Studiengangs ein langer Weg, der oftmals einige Studiensemester erfordert. Innerhalb dieser Zeit sind einige Hürden zu nehmen um den ehemals geäußerten Berufswunsch auch realisieren zu können. Dieser Weg wird in der Regel durch die Studienordnung vorgezeichnet, so dass vor der Berufsausübung zunächst einige Fachqualifikationen zu erwerben sind. Nicht selten scheitern Studenten bei dem Versuch den ursprünglich erhofften Studienabschuss zu erreichen.

   Kein Aussschluss von Lehramtsstudenten vom Masterstudiengang © ferkelraggae-Fotolia

Kein Aussschluss von Lehramtsstudenten vom Masterstudiengang © ferkelraggae-Fotolia

In der Regel liegt dem Scheitern eine nicht ausreichende Leistung zu Grunde. In letzter Zeit kommen für die die Studenten einiger Studiengänge jedoch auch Erschwernisgründe hinzu, auf die die Studenten nur bedingt Einfluss nehmen können. Hierbei ist beispielsweise auf einige Reformen zu verweisen, die die Studienordnung einzelner Studiengänge stark beeinflusst haben. Als Folge können den eigentlich erfolgreichen Studenten große Nachteile erwachsen, die im schlimmsten Fall einem Scheitern gleichzustellen sind.

Ein ähnliches Schicksal mussten einige Lehramtsstudenten teilen, die aufgrund der Umstellung des Studienganges in einen Bachelor- und in einen Masterstudiengang besondere Leistungen während des Bachelorstudiums erbringen mussten. Ein einfaches Bestehen der Prüfungen konnte unter Umständen nicht ausreichend sein, so dass die Studenten zwar ihr Bachelorstudium erfolgreich abgeschlossen haben, jedoch ihre Leistungen nicht ausreichend waren um zum Masterstudiengang zugelassen zu werden. Demzufolge blieb ihnen trotz des erfolgreichen Zwischenabschlusses der Weg zum Berufswunsch versperrt. Diese Vorgehensweise wollte eine Studentin nicht akzeptieren und reichte eine Klage vor dem Verwaltungsgericht Osnabrück ein.

Bachelorabschluss stellt ausreichende Qualifikation zur Zulassung zum Masterstudiengang dar

Das Verwaltungsgericht Osnabrück sprach in seinem Urteil der Klägerin einen Anspruch auf Zulassung zum Masterstudiengang zu (Verwaltungsgericht Osnabrück, Urteil vom 10.12.2013 – 1 A 77/13). Eine möglicherweise anders lautende Studienordnung wurde als verfassungswidrig beurteilt. Die Studentin ist daher trotz schwächerer Leistungen zum Masterstudiengang zuzulassen. Die Begründung des Verwaltungsgerichtes macht noch einmal deutlich, dass die Studienordnungen für die Studenten keine unzulässigen Folgen bereithalten dürfen. Vorliegend macht es für die Studenten keinen Sinn einen Bachelorabschluss zu erwerben, der nicht ausreichend ist um den Beruf ausüben zu dürfen. Mithin darf keine vornotenabhängige Selektion zum Masterstudiengang stattfinden.

Ein anerkannter Bachelorabschluss muss eine berufsqualifizierende Wirkung haben

Die hier in Rede stehende Studienordnung würde dazu führen, dass der anerkannte Bachelorabschluss für die Studenten keinerlei Wert hätte. Schließlich haben sich die Studenten für diesen Studiengang entschieden, um den Beruf des Lehrers ausüben zu können. Dies sei den Studenten jedoch mit dem Bachelorabschluss nicht möglich, da als weitere unverzichtbare Voraussetzungen ein Masterabschluss und ein Referendariat mit abschließendem Staatsexamen verlangt werden. Diese Qualifikationen weisen die Bachelorabsolventen nicht auf, so dass Bachelorabsolventen den gescheiterten Studenten gleich gesetzt werden. Aus diesem Grunde sind derart einschränkende und benachteiligende Studienordnungen unzulässig.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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