Rechtsfall des Tages

Rechtsfall des Tages: Ist jede absichtliche Tötung eines Menschen ein Mord?

In den Medien fallen in Verbindung mit dem gewaltsamen Tod von Menschen stets die Begriffe Mord und Totschlag. Doch was ist eigentlich der Unterschied dazwischen? Ist nicht jede absichtliche Tötung ein Mord?

 

Nein, nicht jede absichtliche Tötung eines Menschen stellt einen Mord dar, sondern kann eben auch ein Totschlag sein. Wonach dies zu beurteilen ist, hat der Gesetzgeber mit § 211 StGB normiert, in welchem er klarstellt, wann ein Mord vorliegt- nämlich dann, wenn die gesetzlich beschriebenen Mordmerkmale erfüllt sind. Diese können tatbezogen oder täterbezogene sein. Eine Tat kann aber auch mehrere Merkmale aus den beiden Kategorien gleichzeitig aufweisen.

 

Zu den täterbezogenen Merkmalen zählt man solche, die in Verbindung mit der Person des Täters und seinen Beweggründen stehen. Dazu zählt die Tatbegehung aus einfacher Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier, oder aus sonstigen niedrigen Beweggründen, wobei Letztere die sind, die ähnlich verwerflich sind wie die anderen Mordmerkmale. Auch die Begehung eines Mordes zur Ermöglichung oder Verdeckung einer Straftat stellt ein täterbezogenes Merkmal dar.

 

Die andere Kategorie der Mordmerkmale stehen in Verbindung mit der Art der Begehung der Tötung, weshalb diese auch tatbezogene Merkmale genannt werden. Dazu gehört einerseits die heimtückische Tötung. Was jetzt genau unter diesem Begriff zu verstehen ist, wird von Juristen unterschiedlich beurteilt. Jedenfalls ist aber davon auszugehen, wenn eine Person getötet wird, die mit einem Angriff auf Ihr Leben nicht gerechnet hat und sich daher nicht wehren konnte. So ist das zum  Beispiel bei einem Angriff, der hinterrücks erfolgt. Andererseits kann eine Tötung auch grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln begangen worden sein und dann zum Mord qualifiziert werden.

 

Ein Mord liegt also immer dann bei der absichtlichen Tötung vor, wenn mindestens eines dieser Merkmale vom Täter bewusst erfüllt wurde.

 

Ein Totschlag liegt gemäß § 212 StGB hingegen liegt immer dann vor, wenn ein Mensch absichtlich getötet wurde, ohne dass der Täter eines der Mordmerkmale erfüllt hat. Der Gesetzgeber sieht hier also eine Negativabgrenzung vor.

 

Auch wenn sprachlich immer von absichtlich die Rede ist, ist klarzustellen, dass Täter eines Mordes oder Totschlages auch der sein kann, der die Tat zwar nicht absichtlich, aber wissentlich und willentlich begeht oder den Eintritt des Todes mindestens billigend in Kauf nimmt.

 

Eine Unterscheidung zwischen Mord und Totschlag ist deshalb so relevant, weil der Gesetzgeber unter anderem verschiedene Strafen dafür vorsieht: Während der Mörder eine lebenslängliche Strafe bekommt, wird der Totschläger mit einer Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren bestraft.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (3)

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  1. Henrik sagt:

    Die absichtliche Tötung eines Menschen kann auch aktive Sterbehilfe sein. Man muss dabei nur differenzieren was dwr Getötete wollte.

  2. Daniel Siegert [Mobile] sagt:

    Da es hier besonders um die Verdeutlichung geht, dass der Unterschied zwischen Mord und Totschlag nicht im Vorsatz liegt wäre es vielleicht noch interessant die fahrlässige Tötung gem. §222 StGB zu erwähnen.

  3. Daniel Siegert [Mobile] sagt:

    Da es hier besonders darum geht, zu verdeutlichen, dass der wesentliche Unterschied zwischen Mord und Totschlag nicht der Vorsatz ist, wäre es eventuell sinnvoll auch noch die fahrlässige Tötung gem. §222. StGB anzuführen.
    Mfg
    Sigi

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