Rechtsfall des Tages

Rechtsfall des Tages: Erkrankung im Urlaub

Ich habe 14 Tage Urlaub. Leider bin ich direkt am 2. Tag krank geworden. Was passiert mit den Urlaubstagen?

Grundsätzlich werden die Tage, in denen man krank ist, nicht auf den Urlaub angerechnet. Allerdings muss der Arbeitnehmer dafür seinen Melde- und Nachweispflichten nachkommen.

 

Meldepflicht

Diese ist in § 5 Abs. 1 EFZG geregelt. Danach ist der Arbeitnehmer verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen.

„Unverzüglich“ bedeutet ohne schuldhaftes Zögern (vgl. § 121 BGB). Der Arbeitnehmer sollte die Arbeitsunfähigkeit daher direkt am ersten Tag der Arbeitsverhinderung, möglichst in den ersten Arbeitsstunden, melden – also nicht erst nach dem Arztbesuch. Eine spezielle Form der Mitteilung ist gesetzlich nicht vorgeschrieben.

 

Erkrankt der Arbeitnehmer während eines Auslandsaufenthalts, so hat er ebenfalls eine Meldepflicht. Diese geht über die oben genannte hinaus. In § 5 Abs. 2 EFZG heißt es hierzu:

 

„Hält sich der Arbeitnehmer bei Beginn der Arbeitsunfähigkeit im Ausland auf, so ist er verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit, deren voraussichtliche Dauer und die Adresse am Aufenthaltsort in der schnellstmöglichen Art der Übermittlung mitzuteilen“.

 

Der Arbeitnehmer sollte daher am besten direkt beim Arbeitgeber anrufen oder ihm ein Fax bzw. eine E-Mail schreiben. Ein einfacher Brief reicht hier nicht aus, da dies  in der Regel nicht die schnellstmögliche Art der Übermittlung ist.

 

Man sollte darüber hinaus auch die Kontaktdaten hinterlassen, d.h. wo man am Urlaubsort erreichbar ist. Teilt man dies dem Arbeitgeber nicht mit, kann er ggf. die Entgeltfortzahlung verweigern.

 

Nachweispflicht

Dauert die Erkrankung länger als 3 Tage, hat der Arbeitnehmer neben der oben genannten Anzeigepflicht auch eine Nachweispflicht. Gemäß § 5 Abs. 1 Satz 2 EFZG muss er dann dem Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen.

 

Diese muss dem Arbeitgeber spätestens am vierten Tag vorliegen. Dies gilt auch, wenn sich der Arbeitnehmer im Ausland befindet.

 

Zu beachten ist hierbei aber, dass im Einzelarbeitsvertrag oder im Tarifvertrag etwas anderes (bspw. eine andere Frist) geregelt sein kann.

 

Die durch ärztliches Zeugnis nachgewiesene Zeit der Krankheit wird gemäß § 9 BUrlG nicht auf den Urlaubsanspruch des Arbeitnehmers angerechnet.

Michael Beuger ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE. Er hat sich auf die Beratung mittelständischer Unternehmen aus der Bau-, Lebensmittel-, Kosmetik- und Werbebranche in allen wichtigen Wirtschaftsfragen, spezialisiert.

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RSSKommentare (1)

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  1. Mary [Mobile] sagt:

    wie ist die Lage,wenn es sich bei dem Urlaub um Resturlaub vom Vorjahr handelt und die Erkrankung genau in den Zeitraum fällt,wo der Resturlaub ohne Antrag auf Übertragung verfällt?

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