Presserecht

Wann dürfen Medien über den Gesundheitszustand eines Sportlers berichten?

Mit dieser Frage musste sich kürzlich das Oberlandesgericht München auseinandersetzen (Urt. v. 27.05.2015, Az. 18 U 11/15). Gegenstand des Klageverfahrens war ein Streit zwischen einem bekannten Motorsportler und einer Boulevardzeitung, die nach einem Skiunfall des Sportlers aktuelle Neuigkeiten zu seinem Gesundheitszustand veröffentlichte.

Auch Personen der Zeitgeschichte haben Recht auf Privatsphäre

Der Sportler wehrte sich vor Gericht gegen die Veröffentlichung folgender Sätze:

„Manchmal soll XX sogar wieder selbständig atmen“

„XX ist ansprechbar und kommuniziert sogar – durch seine Augen“

Aus seiner Sicht stellen die beiden Aussagen einen unzulässigen Eingriff in seine Privatsphäre dar.

Die Zeitung hingegen ist der Ansicht, dass die Berichterstattung dem berechtigten Interesse der Öffentlichkeit nachkommt zu wissen, wie es dem bekannten Sportler geht. Schließlich handele es sich nach ihrer Ansicht um ein „Jahrhundertereignis“.

Abwägung zwischen Pressefreiheit und Persönlichkeitsrecht

Tatsächlich muss bei einer Berichterstattung über Personen der Zeitgeschichte immer zwischen dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit und dem Persönlichkeitsrecht des Betroffenen abgewogen werden. Hier handelte es sich um eine Wortberichterstattung, die über den Krankheitszustand des Sportlers informierte – also einen Bereich der Intimsphäre berührte.

Das Gericht hat in dem Fall zwar ein erhebliches Interesse der Öffentlichkeit an der gesundheitlichen Entwicklung des Sportlers erkannt, jedoch – so das Gericht – müsse der Kernbereich gesundheitlicher Befindlichkeiten geschützt bleiben. Die Beschreibungen würden hier einen voyeuristischen Charakter aufweisen, der keine Orientierungsfunktion für den Leser habe, sondern im Ergebnis nur die pure Neugierde befriedige. Besonders kritisch sah das Gericht hier die Tatsache, dass die sehr konkreten Detailaussagen zum Zustand des Verletzten den Eindruck erwecken, dass der Fortschritt der Genesung hier eingeschätzt werden könne. Damit würde „der Kläger in besonders fasslicher Weise seiner Privatheit entrückt und Gegenstand der Betrachtung durch den Boulevard“.

Öffentliche Statements zum Gesundheitszustand sind kein Freibrief

Abschließend stellte das Gericht fest, dass die regelmäßigen allgemeinen Statements der Managerin, die regelmäßig zum Gesundheitszustand veröffentlicht wurden, gerade kein Freibrief für die Presse waren nun auch detailliert und spekulativ über den Gesundheitszustand zu berichten. Durch diese Statements habe die Familie gerade nicht konkludent die Privatheit der Informationen über den Gesundheitszustand aufgegeben. Im Gegenteil: Die Aussagen lassen darauf schließen, dass gerade keine konkreten Details preisgegeben werden sollten.

Die Zeitung wurde vom LG München verurteilt die oben stehenden Aussagen zu unterlassen. Das OLG München bestätigte das Urteil der Vorinstanz. (JEB)

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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