Presserecht

Verstoß gegen Pressekodex: Presserat rügt Sensationsfotos

Der Deutsche Presserat hat die Berichterstattung über einen verstorbenen deutschen Segler auf den Philippinen wegen Verstoß gegen den Pressekodex gerügt.

Insgesamt wurden vier Beiträge über den Fund des mumifizierten Leichnams eines deutschen Seglers, der auf seinem Boot in philippinischen Gewässern aufgefunden worden war, gerügt. Nach Ansicht des Presserates haben die Fotos des Toten die Grenze zur Sensationsberichterstattung nach Ziffer 11 des Pressekodex überschritten. Zudem seien die Berichterstattungen teilweise identifizierend gewesen. In diesen Fällen sei der Schutz der Persönlichkeit nach Ziffer 8 des Pressekodex verletzt worden.

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Presserat rügt Sensationsfotos © svort Fotolia

Identifizierende Berichterstattung

Die Online-Zeitung Mopo24.de hatte unter der Überschrift „Mumifizierter deutscher Segler auf Yacht gefunden“ über den Fund berichtet. Die Redaktion hatte das Foto der mumifizierten Leiche und weitere Fotos, die den Mann zu Lebzeiten zeigen, veröffentlicht. Außerdem enthielt der Artikel die Ablichtung eines Dokuments, aus dem der volle Name des Mannes hervorgeht.

Bild Online hatte ebenfalls neben dem Leichenfoto ein Porträtfoto zu Lebzeiten veröffentlicht. Auch den Vornamen, den abgekürzten Nachnamen und das Alter des Mannes seien veröffentlicht worden.

Herabwürdigende Satire

Die TAZ und ihre Onlineausgabe hatten einen satirischen Beitrag über den Leichenfund veröffentlicht, den der Ausschuss des Presserates als herabwürdigend bewertete. Auch hier wurde das Foto der Leiche veröffentlicht und mit einem Werk des Malers Goya verglichen.

Gegen zwei Nachrichtenportale, die das Foto der Leiche veröffentlicht hatten, aber keine weiteren identifizierenden Details nannten, sprach der Ausschuss Missbilligungen aus, so die Meldung weiter.

Bild.de in weiterer Sache gerügt

Bild Online wurde zudem wegen der Berichterstattung über die Opfer des Zugunglücks von Bad Aibling gerügt. Die Onlineausgabe von Bild hatte eine Bildergalerie der Opfer veröffentlicht und jeweils deren Vornamen, abgekürzte Nachnamen, Alter und Herkunftsorte genannt, ohne dass eine Einwilligung der Hinterbliebenen vorlag. Zudem wurden über jedes der Opfer persönliche Details wie Beruf und Arbeitsstätte, Name des Partners oder Anzahl der Kinder berichtet. Der Ausschuss sah darin einen schweren Verstoß gegen Richtlinie 8.2 des Pressekodex. (COH)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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