Presserecht

Verleger fordern neue Medienordnung

Das Digitalgeschäft ist momentan der Wachstumstreiber der Zeitungsbranche. Deshalb fordern die Verleger neue Rahmenbedingungen von der Politik.

Der Hauptgeschäftsführer des BDZV, Dietmar Wolff, sagte bei der Jahrespressekonferenz in Berlin: „Die mittelständische Zeitungsbranche steht – gefesselt durch Wettbewerbs-, Datenschutz- und Medienvielfaltsregelungen – den globalen Internet-Giganten gegenüber, die in weiten Teilen uneingeschränkt in unseren Märkten agieren können.“

© svort Fotolia

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Mehr Freiraum für Zeitungen

Man erwarte daher von den politischen Entscheidungsträgern in Bund und Ländern ein stärkeres Bekenntnis zur Zeitung. Man fordere deshalb eine neue Medienordnung, in der die Position der Verlage gestärkt und an die neuen Marktentwicklungen angepasst werde. „Die Zeitungen wollen auch in Zukunft in Qualitätsinhalte investieren. Doch dafür brauchen sie mehr Freiraum“, so Wolff.

Zudem dürfe es nicht sein, dass die gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender die frei finanzierte Presse am Wettbewerb behindere. Auch die Werberegeln müssten so stabil sein, dass die Presse ihre öffentliche Funktion, die ihr vom Gesetzgeber zugedacht sei, auch ausfüllen könne, so die Meldung weiter. Die Diskussionen um den Versuch des Senders ProSiebenSat.1 regionale Werbung auszustrahlen und damit gegen alle Regeln das wirtschaftliche Fundament der regionalen Medienunternehmen anzugreifen, hätten gezeigt, wie fragil dieses Gefüge sei, so der BDZV.

Allerdings begrüße man die Bestrebungen, Deutschland flächendeckend mit schnellem Internet zu versorgen, wovon auch die Verlage bei der digitalen Verbreitung ihrer Inhalte profitieren würden.

Zeitung existenziell für Mediensystem

Generell seien Zeitungen noch immer existenziell wichtig für das deutsche Mediensystem. Kein anderes Medium könne die Welt in ihrer Universalität so professionell abbilden, heißt es in der Meldung des BDZV weiter.

Die Zeitung erreiche täglich fast 52 Millionen Bürger beziehungsweise drei Viertel der deutschsprachigen Bevölkerung, was zunehmend auf digitalen Ausspielkanälen vom PC bis zu Tablet und Smartphone geschehe. Mittlerweile nutzen 18,5 Millionen User jede Woche die Onlineangebote, das ist eine Million mehr als im vergangenen Jahr. „Damit ist die Zeitung die universale Kommunikationsplattform in der digitalen Zivilgesellschaft“, so Wolff. Zudem würden Zeitungen die höchste Glaubwürdigkeit genießen, ganz oben stehn die regionalen Tageszeitungen.

Gleichwohl würden die Verlage sich wandeln und künftig einen wachsenden Anteil der Gesamterlöse auch jenseits des Kerngeschäfts erzielen. „Die Marktbedingungen für Zeitungen haben sich grundlegend geändert“, so Wolff. Die Relevanz der Zeitung sei höher denn je, doch das Geschäftsmodell müsse weiterentwickelt werden. Die Frage nach der langfristigen Refinanzierung von Qualitätsjournalismus im digitalen Zeitalter sei eine der großen Herausforderungen, denen sich die Zeitungsbranche stelle.

Bereitschaft für Bezahlangebote

So sei es erfreulich, dass die Bereitschaft, Bezahlangebote im Netz zu nutzen, gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent gewachsen ist. Aktuell verlangten 107 Verlage von ihren Lesern ein Entgelt für die Nutzung der Webangebote, bis Jahresende rechnet der BDZV mit mindestens 120 Zeitungen. Die Zahlungsbereitschaft bei den Nutzern steige dabei. Jeder dritte Internetnutzer in Deutschland habe 2014 für redaktionelle Inhalte jeden Monat im Schnitt 15 Euro ausgegeben. Ein Jahr zuvor war es erst jeder vierte, so die Meldung weiter. (COH)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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