Presserecht

Terrorbilder bei Bild.de: Kein Verstoß gegen Menschenwürde

Bei der Berichterstattung auf Bild.de zum Terror in Paris habe es keinen Verstoß gegen die Menschenwürde gegeben, so die Entscheidung der KJM.

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hatte konkret ein Angebot geprüft, das am 15.11.2015 auf Bild.de veröffentlicht wurde. Dabei sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass im vorliegenden Fall kein Verstoß gegen die Menschenwürde vorliege, so die Meldung der KJM.

© svort Fotolia

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Terror im „Bataclan“

Konkret handelte es sich um einen Artikel über die Terroranschläge in Paris vom 13.11.2015. Der Artikel beschrieb die Geschehnisse im Konzertsaal „Bataclan“ in Verbindung mit einem Foto, auf dem der Innenraum der Konzerthalle zu sehen war. Auf dem blutverschmierten Boden lagen zahlreiche Leichen in deutlich sichtbaren Blutlachen.

Unzulässiges Angebot?

Die KJM hatte daraufhin geprüft, ob das Angebot gegen die Menschenwürde verstößt und somit unzulässig sei. Dies sei immer dann der Fall, wenn Menschen leidend oder sterbend dargestellt und dabei zum Objekt herabgewürdigt werden, so die Meldung des KJM weiter.

Um als Menschenwürdeverstoß bewertet zu werden, muss die Darstellung darüber hinaus ein tatsächliches Geschehen wiedergeben, ohne dass ein berechtigtes Interesse gerade für diese Form der Darstellung oder Berichterstattung vorliegt. Dabei würden reine Geschmacksfragen keine Rolle spielen so die KJM.

Kein Verstoß gegen Menschenwürde

Zwei Gründe hätten die Entscheidung gegen einen Menschenwürdeverstoß bedingt: Zum einen habe das Foto einen Überblick über einen großen Ausschnitt des gesamten Tatorts geboten, die Leichen hätten dabei nur einen geringen Teil der Gesamtfläche der Abbildung eingenommen. Auch seien weder Gesichter zu erkennen gewesen, noch Verletzungen in den Fokus gerückt worden, die Subjektqualität der abgebildeten Menschen sei deshalb nicht missachtet worden.

Zum anderen umfasse die Pressefreiheit die freie Wahl der Art und Weise, wie über ein Ereignis berichtet wird. Weil der Artikel ein tagesaktuelles Geschehen von größtem öffentlichen Interesse behandele, habe das Foto die Dramatik der Ereignisse sowie die schrecklichen Folgen veranschaulichen sollen, so die Entscheidung der KJM. Zudem könne angenommen werden, dass Bilddokumente die Authentizität der Berichterstattung erhöhen. Somit habe ein berechtigtes Interesse für die Form der Darstellung und Berichterstattung vorgelegen, heißt es in der Meldung weiter. (COH)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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