Presserecht

Studie über „Gefallen an Gefälligkeiten“: Journalismus und Korruption

Der Journalistenverbund netzwerk recherche hat zusammen mit der Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland, dem Institut für Journalistik der TU Dortmund und der Otto-Brenner-Stiftung eine Studie zum Thema Journalismus und Korruption vorgestellt. Die wichtigste Erkenntnis daraus lautet: Korruptionsbekämpfung ist bislang noch von sehr geringem Interesse.

Überzeugung: Eigene Journalisten nicht bestechlich

Gerade bei deutschen Verlagen und Rundfunkanstalten herrsche verstärkt die Überzeugung, dass deren Journalisten nicht bestechlich seien. Doch bereits bei wirtschaftlichen Abhängigkeiten wie z. B. bei Anzeigenkunden würden die Interessenskonflikte beginnen. Es gelte generell mehr Transparenz herzustellen, vor allem bei den Mitteleinnahmen und der Mittelverwendung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. So betonte Jürgen Marten, stellvertretender Vorsitzender von Transparency Deutschland: „Wir fordern, dass die Anstalten in einem öffentlichen Bericht darüber Rechenschaft ablegen.“ Erst kürzlich hatte sich der WDR für mehr Transparenz eingesetzt und seinen Produzentenbericht öffentlich zugänglich gemacht. 

© svort Fotolia

© svort Fotolia

Neben der Befragung von Tageszeitungen wurden die Regelwerke von Verlagen sowie privater und öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten untersucht und die Richtlinien des Presserates, des Deutschen Journalistenverbandes und von Netzwerk Recherche verglichen, so die Meldung von Netzwerk Recherche weiter.

Wenig konkrete Vorgaben

Die Kodizes hätten jedoch nur wenig konkrete Vorgaben zum Umgang Korruption enthalten, eine Definition, ab wann welche Geschenke oder Rabatte abzulehnen seien, fehle oftmals vollends. Auch eine Festlegung von verbindlichen Konsequenzen bei Nichteinhaltung interner Kodizes oder der Richtlinien des Presserats fehle fast überall, so die Meldung weiter.

Günter Bartsch, Geschäftsführer von Netzwerk Recherche, sagte dazu: „Gerade in unserer Branche, in der Glaubwürdigkeit ein hohes Gut ist, sollte mehr Transparenz und bessere Korruptionsprävention möglich sein. Erst letzte Woche hat das relativ schlechte Abschneiden der Medien auf dem Korruptionsbarometer von Transparency International gezeigt, dass wir handeln müssen.“

Medien korrupter wahrgenommen als Öffentliche Verwaltung

Das Globale Korruptionsbarometer hatte in einer Bevölkerungsumfrage untersucht, wie korrupt einzelne Sektoren wahrgenommen werden. Auf der Skala von eins (überhaupt nicht korrupt) bis fünf (höchst korrupt) landeten die Medien mit 3,6 auf Platz 3, noch vor der Öffentlichen Verwaltung (3,4) und dem Parlament (3,4), so die Meldung weiter. Auf den ersten beiden Plätzen finden sich die politischen Parteien (3,8) und die Privatwirtschaft (3,7).

Edda Müller, Vorsitzende von Transparency Deutschland, sagte zu den Ergebnissen des Globalen Korruptionsbarometers: „Die kritische Berichterstattung durch die Medien spielt eine wichtige Rolle bei der Korruptionsbekämpfung. Es ist daher ein alarmierendes Zeichen, wenn das Vertrauen der Bevölkerung in die Medien zu sinken scheint. Wir brauchen eine Diskussion darüber, wie die Unabhängigkeit und Qualität der Medien langfristig gewährt werden kann.“

Die Kurzstudie Gefallen an Gefälligkeiten – Journalismus und Korruption finden Sie hier

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.