Presserecht

„Raus aus Bayern“-Affäre: WDR-Chefredakteur verteidigt Journalisten

WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn hat ein Kamerateam des Magazins „Monitor“ in Schutz genommen und die Äußerungen von CSU-Parteichef Horst Seehofer gegenüber den Journalisten kritisiert.

Grund für die Aufregung ist ein Beitrag des Politmagazins „Monitor“. Dort hatte ein Kamerateam auf einer Veranstaltung versucht die bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm zu interviewen. „Monitor“-Journalist Stephan Stuchlik wollte von Stamm eine Stellungnahme zur so genannten Verwandtenaffäre bekommen, Stamm lehnte ein Interview vehement ab. Zudem drohte sie, sich beim Presserat und dem Intendanten über den Journalisten zu beschweren.

© Maria.P.-Fotolia

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„Die müssen raus aus Bayern!

CSU-Parteichef Horst Seehofer hatte nach der Ausstrahlung des Beitrags auf einer CSU-Wahlveranstaltung mit Blick auf das Monitor-Team gefordert: „Die müssen raus aus Bayern“.

WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn zeigte sich von der Aussage von Seehofer empört. Laut einer Meldung des WDR sagte Schönenborn: „Mag sein, dass unsere Fragen für hohe politische Amtsträger manchmal unbequem sind. Aber wir stellen sie, auch in Bayern. Auch dort gilt die Rundfunkfreiheit.“

DJV: Missachtung der Pressefreiheit

Auch der Deutsche-Journalistenverband zeigte sich empört von Seehofers Kommentar. Der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken sagte dazu: „Mit diesen Äußerungen fällt Horst Seehofer erneut als jemand auf, der die Pressefreiheit mißachtet. Er sollte begreifen, dass diese ein hohes Gut ist und Politiker sich im Dienste der Demokratie auch unbequemen Fragen stellen müssen.“ Zudem lobte er die Hartnäckigkeit der Journalisten. „Die Journalistinnen und Journalisten von Monitor sind bekannt dafür, dass sie  sorgfältig und hartnäckig vorgehen und es sich zum Ziel gesetzt haben, Missstände aufzudecken – zum Wohle der gesamten Gesellschaft. Das ist guter Journalismus, die Kritik daran entlarvt sich selbst“, so Konken laut einer Meldung des DJV.

Auf der Webseite des Politmagazins „Monitor“ ist nun das ganze Interview mit Barbara Stamm veröffentlicht worden. Dazu heißt es: „Leider ist es üblich geworden, sich Interviews kritischer Journalisten zu entziehen – nicht nur in der CSU und nicht nur in Bayern. Sie können sich selbst ein Bild machen – hier das Interview im Original und ungeschnitten.“

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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