Presserecht

„Rabauken-Jäger“ – Doch keine strafbare Beleidigung eines Jägers

Das Oberlandesgericht Rostock (Urteil vom 09.09.2016, Az. 20 RR 77/16) hat die Entscheidung der Vorinstanz korrigiert und entschieden, dass die Bezeichnung „Rabauken-Jäger“ durch einen Journalisten keine strafbare Beleidigung darstellt.

"Rabauken-Jäger" - Doch keine strafbare Beleidigung eines Jägers ©-cirquedesprit-Fotolia

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Rabauken-Jäger bei der Arbeit

Ein Jäger hatte ein wohl von einem anderen Autofahrer angefahrenes Reh mit seinem Auto abtransportiert. Dabei lud er das Tier nicht auf die Ladefläche seines Fahrzeuges, sondern befestigte es mit einem Seil an der Anhängerkupplung seines Autos.

Verletzung weidmännischer Pflichten

Der Abtransport des Tieres verstieß in dieser Form gegen weidmännische Pflichten und hätte anders erfolgen müssen. Ein dem Jäger im Zeitpunkt des Abtransports entgegenkommender Autofahrer fotografierte den Jäger mitsamt dem Tier an der Seilwende.

Öffentliche Kritik

Das aufgenommene Foto wurde darauf hin auf verschiedenen Online-Seiten, sozialen Netzwerken und in einer Zeitung gezeigt. Der für die Zeitungsveröffentlichung verantwortliche Journalist nannte den betroffenen Jäger unter anderem „Rabauken-Jäger“. Vor der Veröffentlichung versuchte er noch den Jäger persönlich zu kontaktieren, um den Sachverhalt aufzuklären. Dieser war zu diesem Zeitpunkt jedoch im Urlaub.

Vorinstanz verurteilt Journalisten

Das AG Pasewalk hatte den Journalisten noch zu einer Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro verurteilt. Nach Ansicht des AG Pasewalk habe die Wortwahl „Rabauken-Jäger“ eine strafrechtlich relevante Beleidigung dargestellt.

Keine Beleidigung durch „Rabauken-Jäger“

Das Oberlandesgericht Rostock hat inzwischen das Urteil der Vorinstanz nun korrigiert. Nach Ansicht des OLG Rostock stelle die Bezeichnung des Jägers als „Rabauken-Jäger“ keine Beleidigung dar. Die Richter bewerteten dabei die Bezeichnung „Rabauke“ als Beschreibung eines Mannes, der sich ungestüm verhält. Im konkreten Fall sei die Bezeichnung aus Sicht der Leser klar in feuilletonistisch- ironisierender Weise genutzt worden.

Güterabwägung erforderlich

Nötig für die durchzuführende Beurteilung sei eine Güterabwägung zwischen dem Persönlichkeitsrecht des Jägers und der Meinungs- und Pressefreiheit des Journalisten. Insgesamt habe sich der Jäger die Kritik an seinem Verhalten gefallen lassen müssen, da dieser objektiv gegen weidmännisches Verhalten verstoßen habe. Dem Journalisten sei nicht zuzumuten gewesen auf eine Berichterstattung zu verzichten, bis der sich damals im Urlaub befindliche Jäger persönlich Auskunft über den Sachverhalt geben konnte. Das berechtigte Interesse an einer öffentlichen Berichterstattung bestand, da der Fall bereits öffentlich diskutiert wurde.

Fazit

Im Rahmen von Presseveröffentlichungen müssen die widerstreitenden Interessen gegeneinander abgewogen werden. Im Regelfall muss dabei das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen und die Meinungs- und Pressefreiheit eines Journalisten beachtet werden. Scharfe Kritik und eine herbe Wortwahl sind durch Betroffene oftmals dann hinzunehmen, wenn objektiv falsches oder unzulässiges Verhalten dokumentiert und bewertet wird. (NH)

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Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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