Presserecht

Presserat spricht Rüge wegen Schleichwerbung aus

Der Deutsche Presserat hat eine Zeitungsredaktion wegen Schleichwerbung gerügt.

In seiner letzten Sitzung hat der Deutsche Presserat insgesamt sechs öffentliche Rügen wegen schweren Verstößen gegen den Pressekodex ausgesprochen.

© svort Fotolia

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Rüge wegen Schleichwerbung

So wurde die Märkische Allgemeine Zeitung wegen der Verletzung des Grundsatzes der klaren Trennung von Redaktion und Werbung gerügt. Die Zeitung hatte in drei Beträgen den Lesern jeweils ein bestimmtes Produkt mit Produktfoto und Preisangaben vorgestellt: ein Notizbuch, ein Haarpflegemittel und ein Raumparfüm. Allerdings sei in einem Fall der vorgestellte Artikel als „Wundermittel“ bezeichnet und auf eine konkrete Bezugsquelle hingewiesen worden, so die Meldung des Presserates. Der Beschwerdeausschuss sah durch diese Angaben die Grenze zur Schleichwerbung nach Richtlinie 7.2 Pressekodex überschritten.

Irreführung

Ebenfalls gerügt wurde das Magazin „Das Neue Blatt“. Dieses hatte auf der Titelseite mit der Schlagzeile: „Helene Fischer Lebensgefahr“ aufgemacht, im Heft ging es in einem Artikel mit der Überschrift „Schwerer Unfall ? wird sie jetzt vernünftig?“ um eine Varieté-Artistin aus Düsseldorf, die mit Helene Fischer nichts zu tun hat, sich bei einer Bühnenshow verletzt habe, so die Meldung weiter. Dies zeige zwar, dass die Verletzungsgefahr bei solchen Shows groß sei, aber für die Bühnenshow der Sängerin sei dies jedoch objektiv nicht der Fall gewesen. Deswegen habe man wegen Irreführung eine Rüge ausgesprochen.

Rüge wegen Diskriminierung

Die „Ludwigsburger Kreiszeitung“ hat sich eine öffentliche Rüge wegen der Diskriminierung von Sinti und Roma eingehandelt. In einem Artikel über Trickdiebstahl war der Hinweis enthalten, dass die Tatverdächtigen „vermutlich Sinti oder Roma“ seien. Der Beschwerdeausschuss hielt diese Zuschreibung für diskriminierend und für einen schwerwiegenden Verstoß gegen Ziffer 12 in Verbindung mit Richtlinie 12.1 des Pressekodex. Die Benennung der Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit habe in keinem erkennbaren Sachzusammenhang mit dem zugrundeliegenden Fall gestanden und sei deshalb nicht erforderlich gewesen, so die Meldung weiter.

Verletzung des Schutzes der Persönlichkeit

Auch der Onlineauftritt der Bild-Zeitung wurde gerügt. Bild.de hatte einen Mitschnitt eines Notrufs einer Frau aus den USA veröffentlicht. Die Veröffentlichung des über fünf Minuten lange Mitschnitts sei unangemessen sensationell, der Hörer habe am Leiden der Frau teilnehmen können. Da zudem ein Foto der Frau gezeigt wurde und sie bei dem Notruf ihren Vornamen, ihr Alter und ihre Adresse nennt, lag zudem eine Verletzung des Schutzes ihrer Persönlichkeit vor.

Rüge wegen Täuschung und Verletzung journalistischer Sorgfaltspflicht

Ein (identischer) Beitrag, der in den Magazinen „Freizeit Express“ und „Revue Heute“ erschien, wurde wegen grober Täuschung der Leser sowie Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht gerügt (Ziffer 1 und 2 Pressekodex). Der Artikel berichtete über die norwegische Prinzessin Mette-Marit und öffnete mit der Überschrift „Traurige Diagnose! Sie ist unheilbar krank!“

Auf den Titelseiten wurde der Artikel angekündigt mit „Sie weint nur noch – Mette-Marit – Schock-Diagnose – Die Prinzessin ist unheilbar krank …“. Dazu wurde ein Foto der weinenden Prinzessin, das bei der Trauerfeier für die Opfer von Utøya aufgenommen wurde, gedruckt. Beim Leser entstehe durch diese Aufmachung der Eindruck, als sei die Prinzessin schwer erkrankt, so die Meldung weiter. In dem Artikel wird erwähnt, dass Mette-Marit laut „Palastinsidern“ eine „ausgewachsenen Depression“ habe. Dafür gebe es „keine Heilung“, heißt es in dem Artikel weiter. Ein Beleg für eine tatsächliche Erkrankung sei aber nicht geliefert worden. Daher habe der Beschwerdeausschuss eine Rüge ausgesprochen.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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