Presserecht

Presserat rügt Schleichwerbung und Verstoß gegen Persönlichkeitsrechte

Der Deutsche Presserat vier öffentliche Rügen wegen schwerer Verstöße gegen den Pressekodex ausgesprochen.

Vor allem die Berichterstattungen zu den Terroranschlägen in Brüssel im März dieses Jahres waren ein zentrales Thema, insgesamt lagen sechs Beschwerden gegen verschiedene Tageszeitungen und deren Online-Ausgaben vor.

Terrorbilder: Verstöße gegen Schutz der Persönlichkeitsrechte

Der Ausschuss kritisierte in allen Fällen Verstöße gegen den Schutz der Persönlichkeit nach Ziffer 8 des Pressekodex und sprach Missbilligungen aus. Zwar liege ein öffentliches Interesse an der Berichterstattung vor, aber die Medien hätten Aufnahmen gezeigt, auf denen schwer verletzte Menschen identifizierbar waren. Manche waren zum Teil sogar in Nahaufnahme zu sehen waren. Diese Fotos verstoßen gegen den Schutz der Persönlichkeit, so der Presserat. Die Bilder, die die dramatische Gesamtszenerie am Flughafen und an der Metro zeigten, seien pressethisch zulässig gewesen. Sie haben die schreckliche Realität der Ereignisse dokumentiert, ohne ethische Grenzen zu überschreiten.

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Presserat spricht Rügen wegen Schleichwerbung aus © svort Fotolia

Redaktionsdatenschutz mißachtet

Eine Rüge sprach man gegen die Geislinger Zeitung aus. Diese hatte gegen den Redaktionsdatenschutz verstoßen. Ein Mitglied des Gemeinderates hatte sich mit einem Leserbrief an die Redaktion gewandt, welche, statt das Schreiben zu veröffentlichen, daraus ausführlich in einem Artikel zitiert hatte. Dies sei ein Verstoß gegen Richtlinie 2.6 des Pressekodex, wonach solche Einsendungen lediglich als Leserbriefe veröffentlicht werden können. Zudem hatte die Redaktion eine E-Mail des Ratsherrn, in der er sich über die Veröffentlichung beschwert hatte, vollständig an Dritte weitergeleitet. Dies widerspreche Ziffer 8 des Pressekodex, nach der die Presse die informationelle Selbstbestimmung achtet und Mitteilungen von Informanten vertraulich behandelt.

Recht auf informelle Selbstbestimmung verletzt

Auch die Boulevardzeitung B.Z. wurde gerügt. Nei der Berichterstattung über die Tötung eines Neugeborenen durch die 18-jährige Mutter hatte die Zeitung im Artikel zahlreiche Details über die junge Frau erwähnt. Dadurch sie die junge Frau für einen erweiterten Personenkreis identifizierbar geworden. Hier sei das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verletzt worden.

Schleichwerbung

Die Zeitschrift COUCH wurde wegen Schleichwerbung gerügt. In einem redaktionellen Artikel über eine Pflegeserie eines einzelnen Kosmetikherstellers wurden sieben verschiedene „Kultprodukte“ des Unternehmens in Wort und Bild beschrieben. Es wurden Preise genannt und auf die Website des Herstellers verwiesen. Der Beschwerdeausschuss sah hier kein Alleinstellungsmerkmal, das eine redaktionelle Berichterstattung gerechtfertigt hätte, die Grenze zur Schleichwerbung sei hier überschritten gewesen, so die Meldung weiter. In einem PR-Beitrag wurden zudem diverse Ferienwohnungen eines Anbieters in europäischen Hauptstädten vorgestellt. Der Veröffentlichung lag eine „Kooperation“ der Zeitschrift mit diesem Anbieter zugrunde. Daher wäre nach Richtlinie 7.1 eine Kennzeichnung als Werbung notwendig gewesen.

Auch CHIP Online wurde wegen Schleichwerbung gerügt. In einem Artikel und einem Video hatte die Redaktion 20 Produkte aus dem aktuellen Flyer eines Elektronikmarktes vorgestellt und empfohlen. Die dabei verwendete Sprache war eindeutig werblicher Natur. Zudem seien die Preise der Produkte nicht in Relation zu denen anderer Anbieter gesetzt worden und es wurden keine Kriterien genannt, die der Bewertung der Redaktion zugrunde lagen.

Missbilligung wegen Germanwings-Artikel

Eine Missbilligung sprach der Beschwerdeausschuss wegen Berichterstattungen über die Hintergründe des Germanwings-Absturzes aus. Die Online-Ausgabe einer Zeitung hatte den Ausriss einer E-Mail des Kopiloten an seinen Psychiater veröffentlicht, aus der sich der Nachname des Therapeuten ergab. Die Online-Ausgabe einer Zeitschrift hatte aus einem Gutachten des Psychiaters Passagen zitiert, in dem das Verhältnis des Piloten zu seinen Eltern problematisiert wurde. Beide Veröffentlichungen sah der Ausschuss als Verletzung des in Ziffer 8 des Pressekodex geschützten Privatlebens und der informationellen Selbstbestimmung an, so die Meldung weiter. (COH)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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