Presserecht

Presserat rügt Schleichwerbung und Diskriminierung

 

Der Deutsche Presserat hat wegen schwerer Verstöße gegen den Pressekodex insgesamt 11 öffentliche Rügen ausgesprochen.

Die Rügen wurden dabei aufgrund unterschiedlicher Gründe ausgesprochen.

Presserat rügt Schleichwerbung und Diskriminierung© svort Fotolia

Diskriminierung

So wurde die Webseite DMM – DER MOBILITÄTSMANAGER wegen diskriminierender Wortwahl gerügt. Die Online-Seite hatte in einem Beitrag über zwei Fälle von sexueller Belästigung von Frauen geschrieben, Deutschland werden von „nordafrikanischem Gesindel überflutet“. Die Bezeichnung „Gesindel“ ist eine eindeutige Diskriminierung nordafrikanischer Zuwanderer und verstößt gegen Ziffer 12 Pressekodex, so der Presserat.

Voyeuristische Videos zeigen Leiden von Kindern

Ebenfalls öffentlich gerügt wurde die Webseite MOPO24.de. Die Online-Zeitung hatte ein Video veröffentlicht, das zeigt, wie ein dreijähriges Mädchen von seinem Stiefvater im Pool eines mexikanischen Hotels ertränkt wird. Dies sei eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid und somit ein Verstoß gegen Ziffer 11 des Pressekodex. Zudem sei das Video fast gar nicht journalistisch eingebettet gewesen.

Bild Online wurde aus demselben Grund gerügt. Auf der Webseite wurde ein Video veröffentlicht, das in Mehrfachschleife zeigte, wie ein kleiner Junge von einem Auto angefahren wurde. Zudem war der Film mit reißerisch-emotionalisierender Musik untermalt. Für den Presserat eine unangemessene sensationelle Darstellung im Sinne der Ziffer 11 Pressekodex. Eine solche Berichterstattung in Bewegtbildern sei nicht mehr durch ein öffentliches Interesse gedeckt, so die Meldung weiter.

Persönlichkeits- und Datenschutz missachtet

Zweitens wurde Bild Online wegen der Berichterstattung über einen Mordfall gerügt. Dabei ging es um die Polizeifahndung nach einem Mann, der verdächtigt wurde, seine Ex-Frau und den gemeinsamen Sohn getötet zu haben. Bild Online hatte Fotos des mutmaßlichen Täters und beider Opfer veröffentlicht. Aufgrund des Fahndungsaufrufs der Polizei war die Veröffentlichung des Fotos des mutmaßlichen Täters gerechtfertigt.

Die Veröffentlichung der Opferfotos wertete der Beschwerdeausschuss hingegen als eklatanten Verstoß gegen den Opferschutz nach Richtlinie 8.2 des Pressekodex. Danach können Fotos von Opfern nur dann veröffentlicht werden, wenn das Opfer bzw. Angehörige zugestimmt haben oder wenn es sich bei dem Opfer um eine Person des öffentlichen Lebens handelt. Diese Voraussetzungen lagen nicht vor.

Leser grob getäuscht

Und es gab sogar eine dritte Rüge für Bild Online. Dabei ging es um einen Teasertext unter der Überschrift „Eintracht-Chef Hellmann knallt in Stauende“. Dort heißt es: „Eintracht-Vorstand Axel Hellmann (45) in Lebensgefahr!“. Der Artikel gehörte zum Bereich Bild+, war also kostenpflichtig. Hinter der Paywall erfuhren die Leser in dem Artikel, dass der Unfall bereits fünf Monate zuvor stattgefunden hatte und der Chef des Frankfurter Bundesliga-Clubs unverletzt geblieben war. Darin sah der Beschwerdeausschuss einen schweren Verstoß gegen das in Ziffer 1 des Pressekodex festgeschriebene Gebot zur wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit.

Eine weitere Rüge erging gegen den BERLINER KURIER Online. Dieser hatte über den Suizid eines Politikers der Piratenpartei berichtet. Dabei hatte das Medium hatte die Art und Weise, wie der Verstorbene sich umgebracht hatte, detailliert geschildert. Dies ist ein Verstoß gegen die Richtlinie 8.7 des Pressekodex bei der Berichterstattung über Selbsttötung gebotene Zurückhaltung missachtet. Die Schilderung der näheren Begleitumstände der Tat muss insbesondere dann unterbleiben, wenn sie geeignet ist, zu Nachahmungstaten anzuregen.

Schleichwerbung

Gleich zwei Rügen wegen Schleichwerbung nach Ziffer 7 Pressekodex erhielt die Fernsehzeitschrift TV14. Im ersten Fall für einen Artikel über eine von einem Unternehmen entwickelte Technologie, mit der die Treibgasmenge einer Spraydose halbiert werden kann. Diesem Beitrag beigestellt war ein großes Foto eines Deo-Sprays, das von diesem Unternehmen hergestellt wird. Der Beschwerdeausschuss sah für diese Berichterstattung keinen redaktionellen Anlass, insbesondere da die Technologie zum Zeitpunkt des Erscheinens des Artikels bereits zwei Jahre auf dem Markt war und mit der Produktabbildung ein eindeutiger Werbeeffekt verbunden ist.

Im zweiten Fall wurde die Rüge für insgesamt sieben Artikel ausgesprochen, die sich jeweils mit einem bestimmten medizinischen Thema beschäftigten. In jedem dieser Beiträge wurde dabei ein konkretes Präparat aus einer Palette ähnlicher Produkte genannt. Diese – redaktionell nicht begründete – Hervorhebung eines einzelnen Produktes stellt Schleichwerbung dar.

Statistik

Insgesamt wurden 11 öffentliche Rügen, 15 Missbilligungen und 42 Hinweise asugesprochen. 6 Beschwerden wurden als begründet bewertet, auf eine Maßnahme wurde jedoch verzichtet, 38 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet. (COH)

 

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Presserates vom 09. Dezember 2016

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben | Trackback URL

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×