Presserecht

Presserat rügt Faz.net und Bild.de

Der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats hat gegen die Onlineportale Faz.net und Bild.de je eine öffentliche Rüge ausgesprochen. 

In insgesamt vier Fällen hat der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserates eine öffentliche Rüge ausgesprochen.

Faz.net: Privatsphäre verletzt

Faz.net hatte sich die Rüge mit einem Bericht über eine mögliche psychische Erkrankung des Bischofs von Limburg eingehandelt. Nach Angaben von Faz.net habe der Bruder von Tebartz-van Elst, ein Psychiater, gegenüber „Vertrauten“ sogar eine konkrete Diagnose genannt.

Da es aber in dem Artikel weder vom Bischof noch von seinem Bruder eine Stellungnahme zu den Spekulationen gab, sei hier die Privatsphäre des Bischofs verletzt worden, so die Entscheidung des Deutschen Presserats. Die Presse dürfe nicht ohne Zustimmung der Betroffenen über psychische Krankheiten berichten (Richtlinie 8.6 des Pressekodex), so die Meldung des Presserates. Zudem habe die Redaktion mit der Verbreitung des unbestätigten Gerüchts gegen die journalistische Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 des Kodex verstoßen.

© svort Fotolia

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Bild.de: Diskriminierende Berichterstattung

Ebenfalls öffentlich gerügt wurde Bild.de. In dem beanstandeten Fall rügte der Beschwerdeausschuss eine diskriminierende Berichterstattung. Bild.de hatte über den Fall einer irischen Roma-Familie berichtet, der die Behörden vorübergehend ein blondes Mädchen entzogen hatten. Die Eltern wurden verdächtigt, das Kind entführt zu haben, zum Zeitpunkt der Berichterstattung war das Kind aber bereits zurück bei seinen Eltern gewesen, denn der Verdacht hatte sich als unbegründet herausgestellt. In einem anderen Fall hatten Behörden das Mädchen Maria aus einem Roma-Lager in Griechenland in Obhut genommen, Bild.de hatte ebenfalls darüber berichtet. Bei der Fotostrecke, die die Berichterstattung begleitet hatte, lautete die Bildunterschrift bei einer Ansicht eines Dorfes: „In diesem Roma-Dorf in Griechenland wurde Maria gefunden, am Dienstag wurde ein Mädchen aus einer Siedlung nahe Dublin gerettet. Wie viele blonde und blauäugige Mädchen leben noch bei Roma-Familien in Europa – und warum?“

Nach Ansicht des Beschwerdeausschusses des Deutschen Presserates sei die Formulierung der Bildunterschrift als Suggestivfrage sowie der Begriff „gerettet“ geeignet, Vorurteile gegen die Volksgruppe der Roma zu schüren, so die Meldung weiter. Dies sei ein Verstoß gegen die Ziffer 12 (Diskriminierung) des Pressekodex.

Das Goldene Blatt: Verletzung von Persönlichkeitsrechten

Auch die Zeitschrift „Das Goldene Blatt“ wurde öffentlich gerügt. Die Zeitschrift hatte ein Porträt über die Lebensumstände einer jungen Frau, das bereits vor vier Jahren schon einmal veröffentlicht wurde, noch einmal ohne Zustimmung der Betroffenen gedruckt. Diese hatte jedoch ihre Lebensumstände verändert, ist mittlerweile verheiratet und lebt nicht mehr in einem Wohnmobil. Die junge Frau habe sich durch die erneute Veröffentlichung schwer belastet gefühlt, so die Meldung weiter. Der Bericht sei somit ein Verstoß gegen den Persönlichkeitsschutz nach Ziffer 8 des Pressekodex. Die journalistische Sorgfaltspflicht hätte es erfordert, die aktuelle Lebenssituation der Frau zu prüfen und erneut ihre Einwilligung einzuholen, so die Meldung weiter.

Dithmarsche Landeszeitung: Publizistische Grundsätze nicht beachtet

Die vierte öffentliche Rüge erhielt die Dithmarsche Landeszeitung. Diese hatte einen Leserbrief veröffentlicht, der Antisemitismus und staatliche Euthanasie in der NS-Zeit relativiert und eine falsche Behauptung über Zionisten aufgestellt hatte. Laut dem Pressekodex (Ziffer 2, Richtlinie 2.6) müssen auch bei der Veröffentlichung von Leserbriefen die Publizistischen Grundsätze beachten werden. Dem sei die Redaktion nicht nachgekommen, so die Meldung des Deutschen Presserates weiter.

Insgesamt wurden 4 Rügen  sowie 11 Missbilligungen und 9 Hinweise ausgesprochen.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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