Presserecht

Presserat: BILD durfte Fotos verunglückter Kinder zeigen

Dass die Bild-Zeitung nicht gerade sensibel im Umgang mit Personen und Ereignissen ist, ist allgemein bekannt. Als sie nach einem tödlichen Busunglück in der Schweiz die Fotos der verunglückten belgischen Kinder auf der Titelseite abdruckte und diese nicht unkenntlich machte, gab es vermehrt Beschwerden, die eine Verletzung des Schutzes der Persönlichkeit der Kinder als gegeben sahen.

Der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats hat die Beschwerden als unbegründet angesehen.

Die Fotos waren in einem öffentlichen Gedenkraum im Rathaus des belgischen Heimatorts aufgestellt gewesen, dort wurden sie mit Genehmigung der Stadtverwaltung abfotografiert.

Nach Ansicht des Ausschusses seien die Beschwerden insofern unbegründet gewesen, da die Zeitung aufgrund der Genehmigung davon ausgehen konnte, dass eine Einwilligung der betroffenen Eltern vorlag, so die Meldung des Deutschen Presserats.

Eingriff in Privatsphäre

Im gleichen Fall sprach der Ausschuss des Presserats allerdings eine Missbilligung gegen die Berichterstattung einer anderen Boulevardzeitung aus. Diese hatte Gruppenfotos der Kinder, die während der Reise entstanden waren und somit aus dem privaten Bereich entstammten, veröffentlicht und sie zitierte aus dem Online-Reisetagebuch der Kinder. Mit der Kombination von Text und Bild sei ein schwerwiegender Eingriff in die Privatsphäre von Kindern und Angehörigen gegeben, so die Entscheidung des Beschwerdeausschusses.

Schutz der Persönlichkeit

Eine Rüge erhielt Bild-Online für Berichterstattung über den Mord an einem Mann, der zerstückelt aufgefunden wurde. In dem Bericht wurden der Vorname samt Initialie des Nachnamens, sowie Alter, Geburts- und Wohnort und ein Foto veröffentlicht. Für den Ausschuss war dies eine Verletzung des Schutzes der Persönlichkeit nach Ziffer 8, Richtlinie 8.1 . Dies besagt, dass für das Verständnis des Tathergangs das Wissen um die Identität des Opfers in der Regel unerheblich sei, so die Meldung des Deutschen Presserats. Der Beschwerdeausschuss sah keinen Grund für eine identifizierende Berichterstattung, die Fotoveröffentlichung sei auch durch den früheren Fahndungsaufruf nicht zu rechtfertigen, so die Meldung weiter.

Rassismus-Vorwürfe

Ebenfalls gerügt wurden Welt Online und Berliner Morgenpost Online für einen identischen Beitrag. Darin ging es um den Kalender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), der rassistische und frauenfeindliche Cartoons beinhaltete. In dem Bericht, der bei beiden Medien unter dem Titel „Erneut Hetze gegen Farbige in Polizei-Kalender“ wurde ein bayrischer Landtagsabgeordneter, der zudem ehemaliger Vorsitzender der GdP war, namentlich als angeblicher Herausgeber genannt, später kamen Zweifel an der Richtigkeit der Informationen auf und die Artikel wurden ohne korrigierenden Hinweis vom Netz genommen, so die Meldung des Deutschen Presserats weiter.

Dies sei eine grobe Verletzung der Ziffern 2 und 9 des Pressekodex, so der Beschwerdeausschuss. Man habe ohne eigene Recherche Gerüchte veröffentlicht, die zu Lasten des Betroffenen gingen und so gegen die journalistische Sorgfaltspflicht verstoßen. Der Betroffene wurde damit in seiner Ehre verletzt, so die Meldung weiter.

Schleichwerbung

Zwei weitere Rügen sprach der Beschwerdeausschuss wegen Schleichwerbung aus. In einem Fall ging es um einen Artikel mit dem Thema „10 Jahre jünger in 4 Wochen“  in der Zeitschrift tv14, in dem ein Experte eine konkrete Anti-Aging-Creme lobend hervorhob. Der Presserat sah hierin eine Fall von Schleichwerbung nach Richtlinie 7.2, da kein öffentliches Interesse an dem Hinweis auf die Creme zu erkennen sei.

In dem anderen Fall von Schleichwerbung ging es um einen Artikel von tz-online, in dem ein Playboy-Playmate vorgestellt wurde. In dem begleitenden Text hieß es, dass die junge Frau gerne in die Sauna der Therme Erding gehe, in der beigestellten Fotostrecke fanden sich 95 Bilder dieser Therme. Der Ausschuss sah keine redaktionelle Veranlassung für eine so ausführliche Illustration der Therme, so die Meldung weiter.

Insgesamt wurden in den zwei Beschwerdeausschüssen 77 Beschwerden behandelt. Neben den 5 öffentlichen Rügen gab es 12 Missbilligungen und 16 Hinweise. In 34 Fällen wurden die Beschwerden als unbegründet erachtet. In 4 Fällen wurden die Beschwerden als begründet angesehen, auf eine Maßnahme wurde jedoch verzichtet, so die Angaben des Deutschen Presserats.

 

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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