Presserecht

Papst-Schlagzeile: Presserat rügt taz

Die Beschwerdeausschüsse des Deutschen Presserats haben bei ihrer Tagung eine Überschrift der Berliner Tageszeitung (taz) wegen Verstoß gegen das Sorgfaltsgebot gerügt.

Die taz hatte im Zuge der Wahl des neuen Papstes auf der ersten Seite ins getitelt: „Junta-Kumpel löst Hitlerjunge ab“. Der Deutsche Presserat sieht darin zwar keine Verletzung religiöser Gefühle, aber die Überschrift verstoße gegen das Sorgfaltsgebot, so die Meldung des Deutschen Presserats.

Der Kommentar der taz zur Papstwahl habe rund 50 Beschwerden an den Presserat evoziert. Allerdings hat der Deutsche Presserat die Rüge nur für die Überschrift der Printausgabe ausgesprochen. Der Inhalt des Kommentars sowie die Überschrift der Online-Ausgabe („Alter Sack der Xte“) sei nicht zu beanstanden gewesen, so die Meldung weiter.

Verletzung der Ehre

Die Bezeichnung „Junta-Kumpel“ jedoch sei eine nicht bewiesene Tatsachenbehauptung (Ziffer 2 Pressekodex). Für eine Zuspitzung dieser Art würden die Erkenntnisse über die Nähe des Papstes zur argentinischen Militärdiktatur nicht ausreichen, so die Meldung weiter. Diese trotz unzureichender Belege gezogene Verbindung verletze den Papst in seiner Ehre (Ziffer 9 Pressekodex), so die Entscheidung des Gremiums.

Äußerungen im Text wie „Alter Sack I. folgte Alter Sack II.“ oder „esoterischer Klimbim“ seien zwar polemisch und provokant, fallen aber nach Ansicht des Deutschen Presserates unter das Recht auf Meinungsfreiheit. Religiöse Gefühle würden damit nicht geschmäht werden. Generell müsse eine Institution wie die katholische Kirche und ihr Oberhaupt auch deutliche öffentliche Kritik aushalten, so die Meldung weiter.

„Übers Ziel hinaus geschossen“

Taz-Chefredakteurin Ines Pohl kommentierte die Rüge des Presserats im hauseigenen Blog und räumte ein, dass die Zeitschrift diesmal „übers Ziel hinaus geschossen“ sei. Die Überschrift sei unter dem Eindruck eines Interviews mit Investigativjournalist Horacio Verbitsky und weiteren Recherchen entstanden. Weiter schrieb Pohl: „Im Nachhinein ist die Zuspitzung in dieser Form nicht gelungen, da die Vorwürfe gegen Bergoglio letztlich nicht eindeutig belegt sind und es auch andere, durchaus glaubwürdige Darstellungen über sein Verhalten während der Diktatur gibt. Damit sind wir in diesem Fall übers Ziel hinaus geschossen.“

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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