Persönlichkeitsrecht

LG München: Redaktion braucht bei der Wahl von einem Phantasienamen nicht aufzupassen

Journalisten müssen sich im Rahmen ihrer Berichterstattung häufig Phantasienamen als Pseudonym wählen, um das Allgemeine Persönlichkeitsrecht – etwa eines Opfers oder eines mutmaßlichen Täters – zu wahren. Aber was passiert, wenn der gewählte Name nicht nur in der Fantasie der Redakteure existiert, sondern echt ist? Hiermit musste sich das Landgericht München beschäftigen.


Bildnachweis:/Presse/barockschloss/CC BY 2.0/some Rights reserved

Im vorliegenden Fall erschien in einem Magazin ein Beitrag über einen Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Bei diesem soll ein Soldat eine Frau und zwei Kinder getötet haben. Wörtlich heißt es: „Der Himmel ist wolkenlos und schwarz, kein Mond. Ronny Fischer sitzt in seinem gepanzerten Transporter Dingo …“ Hinter dem Namen Ronny Fischer befindet sich ein Sternchen, und am Fuße der Seite in derselben Spalte befindet sich ein Sternchen, neben dem es heißt „Name von der Redaktion geändert“.

Dabei wussten die Redakteure allerdings noch nicht, dass es einen Ronny Fischer tatsächlich gibt. Dieser war zu allem Überfluss auch noch ebenfalls als Unteroffizier in Afghanistan eingesetzt worden. Der Erwähnte fühlte sich durch die Erwähnung seines Namens in seinem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht verletzt. Er sei aufgrund des Artikels erheblichen Anfeindungen ausgesetzt gewesen. Die Redaktion hätte vorher sich bei der Bundeswehr erkundigen müssen, ob ein Ronny Fischer in Afghanistan eingesetzt worden sei. Aufgrund dessen verklagte er die Redaktion und verlangte neben einer Richtigstellung eine finanzielle Entschädigung.

Das Landgericht München I wies jedoch seine Klage mit Urteil vom 11.08.2010 (Az. 9 O 21882/09) ab. Nach Ansicht der Richter scheidet vor allem eine für einen Entschädigungsanspruch notwendige schwerwiegende Verletzung des Allgemeinen Persönlichkeitsrechtes aus. Dies begründet das Gericht damit, dass aufgrund des Hinweises „Name von der Redaktion geändert“ für jeden Leser deutlich ist, dass der Name als Pseudonym dient. Aufgrund dessen ist es klar, dass es in dem Beitrag nicht um den Soldaten Ronny Fischer geht.

Als Journalisten sollten Sie vor allem darauf achten, dass Sie nicht aus Versehen der Hinweis auf die Änderung des Namens unterbleibt. Ansonsten müssen Sie damit rechnen, dass die dort genannte Person einen Anspruch auf Geldentschädigung hat.

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Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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